Donnerstag, 5. Dezember 2019

Höchster Stand seit 50 Jahren Venedig von Rekord-Hochwasser überschwemmt - zwei Tote

Markusplatz in Venedig: Der Pegel ist mit 1,87 Meter auf den höchsten Stand seit 50 Jahren gestiegen
Andrea Merola/ ANSA/ DPA
Markusplatz in Venedig: Der Pegel ist mit 1,87 Meter auf den höchsten Stand seit 50 Jahren gestiegen

Das durch heftige Regenfälle ausgelöste Hochwasser in Venedig ist in der Nacht zum Mittwoch auf den höchsten Wert seit mehr als 50 Jahren gestiegen. "Wir sehen uns mit einem Hochwasser konfrontiert, das mehr als außergewöhnlich ist", schrieb der Bürgermeister der norditalienischen Stadt, Luigi Brugnaro, im Kurznachrichtendienst Twitter. Der Bürgermeister sprach von einer "Katastrophe" und kündigte an, am Mittwoch den Notstand auszurufen. Brugnaro machte den Klimawandel für die immer häufiger werdenden Überschwemmungen verantwortlich. "Wir rufen die Regierung Italiens auf, uns zu helfen, die Kosten werden hoch sein."

Nach Angaben des Lagezentrums stieg das als "Acqua Alta" bekannte Hochwasser kurz vor Mitternacht auf einen Pegel von 1,87 Meter. Nur ein einziges Mal seit Beginn der Aufzeichnungen 1923 war das Wasser noch höher: bei der verheerenden Überschwemmung im Jahr 1966 lag der Pegel bei 1,94 Meter. Der Pegel sank wieder im Laufe der Nacht, wie Brugnaro am frühen Mittwochmorgen twitterte. Aber: "Es wird eine lange Nacht." Denn nach der Angst komme nun die Schadensauflistung. Denn schließlich hinterlasse eine derartige Flut "unauslöschliche Spuren".

Mindestens zwei Menschen sind Medienberichten zufolge bereits ums Leben gekommen. Auf der südlich der Stadt gelegenen Insel Pellestrina sei ein 78-jähriger Mann am späten Dienstagabend von einem elektrischen Schlag getroffen worden, als er versuchte, die Entwässerungspumpe in seinem überfluteten Haus wieder in Gang zu setzen, meldete die Nachrichtenagentur Ansa. Ein weiterer Bewohner der Insel sei tot in seinem Haus gefunden worden. Eine natürliche Todesursache werde in dem Fall nicht ausgeschlossen.

Markusdom offenbar überflutet

Der Markusplatz in der Unesco-Welterbestadt war vollkommen überflutet. Touristen und Einheimische wateten zunächst noch in Gummistiefeln über den Platz, am Abend fuhr nur noch die Polizei mit Booten.

Auch in den Markusdom drang das Wasser ein. Es habe unter anderem Schäden am Mauerwerk angerichtet, berichteten italienische Medien. "Wir versuchen, den Schaden in Grenzen zu halten", sagte der Ingenieur der Basilika, Pierpaolo Campostrini, der Nachrichtenagentur Ansa. Am Morgen hieß es, dass die gesamte Krypta unter Wasser gestanden habe.

Wegen der außergewöhnlich hohen Wasserstände wurden in der Lagunenstadt Kindertagesstätten und Grundschulen geschlossen. Durch die Straßen trieben Stühle und Tische, vielerorts wurden Anlegestellen für die berühmten Touristen-Gondeln weggerissen. Drei "Vaporetti", wie die Motorschiffe im öffentlichen Nahverkehr der Stadt genannt werden, sanken. "Wir haben es mit apokalyptischen Zerstörungen zu tun", sagte der Präsident der Region Venezien Luca Zaia laut Ansa.

Am Mittwoch ist kaum Wetterbesserung in Sicht, in ganz Italien ist wie schon seit Tagen Regen angesagt. Venedig wird wegen seiner Lage in der Lagune immer wieder von Hochwasser heimgesucht, die Lage verschärft sich aber zunehmend. Die Stadt will seit langem ein Flutschutzsystem installieren, da der Anstieg des Meeresspiegels immer häufiger zu Überflutungen führt.

mg/dpa-afx, afp

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