Fotostrecke

Friesland: Wohlfühlen am Wattenmeer

Foto: TMN / Ostfriesland Tourismus GmbH

Ferien in Friesland Hier wird man nordseelig

Von Andreas Heimann

Ostfriesland kennt jeder, da kommen die Witze her. Aber Friesland? Wo ist das denn? Ausgerechnet östlich von Ostfriesland - kein Witz. Der gleichnamige Landkreis in Niedersachsen hat das Autokennzeichen "FRI". Die Kreisstadt heißt Jever und ist nicht ganz so bekannt wie das Bier, das dort gebraut wird, aber genauso friesisch herb. Man kann in Friesland einfach im Strandkorb sitzen und Fischbrötchen essen. Muss man aber nicht, es gibt auch einiges anzugucken. Eine Friesland-Tour mit vier Stationen:

Kleine Straßen, schnuckelige Häuser - Jever im Landkreis Friesland ist eine der größeren Städte der Region am Jadebusen.

Kleine Straßen, schnuckelige Häuser - Jever im Landkreis Friesland ist eine der größeren Städte der Region am Jadebusen.

Foto: TMN / Ostfriesland Tourismus GmbH

Nordseebad Dangast

Ein guter Start ist Dangast. Das Nordseebad liegt direkt am Jadebusen, nördlich von Varel. Es hat einen kleinen Hafen, wo man aufs Wasser gucken kann, einen Strand, der gar nicht übel ist, und das "Alte Kurhaus", eine Institution nicht nur in Sachen Rhabarberkuchen. Die Spezialität des Hauses hat eine lange Tradition, das Kurhaus selbst, heute ein Café und Ausflugsziel, ebenfalls. Es ist seit 130 Jahren in Familienbesitz. Und von der Terrasse hat man einen tollen Blick aufs Wasser.

Künstler zog es schon vor mehr als 100 Jahren nach Dangast - Franz Radziwill hat dort sogar lange gelebt. Sein Haus ist heute ein Museum.

Künstler zog es schon vor mehr als 100 Jahren nach Dangast - Franz Radziwill hat dort sogar lange gelebt. Sein Haus ist heute ein Museum.

Foto: TMN

Expressionistische Maler wie Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff hatten Dangast schon vor dem Ersten Weltkrieg für sich entdeckt. Seitdem zog es immer wieder Künstler hierher, einige Schüler von Joseph Beuys zum Beispiel. Am Strand vor dem Kurhaus sind manche ihrer Kunstwerke zu sehen. Ein überdimensionaler Granit-Phallus gehört dazu. Der Künstler und selbst ernannte Wikingerkaiser Butjatha hat sich einen "Kaiserstuhl" an die Wattenmeerküste gestellt, sein Künstlerkollege Anatol eine Figur namens Jade im Watt platziert.

Rhabarberkuchen ist ein Klassiker im Kurhaus - Maren Tapkens Familie gehört die Dangaster Institution seit vielen Jahrzehnten. Schon die Brücke-Maler logierten dort, Franz Radziwill war quasi Stammgast.

Rhabarberkuchen ist ein Klassiker im Kurhaus - Maren Tapkens Familie gehört die Dangaster Institution seit vielen Jahrzehnten. Schon die Brücke-Maler logierten dort, Franz Radziwill war quasi Stammgast.

Foto: TMN / Friesland Touristik

Wer sich intensiver mit den Künstlern beschäftigen will, kann dem Dangaster Kunstpfad folgen oder dem Skulpturenpfad rund um den Jadebusen. An der Sielstraße steht das ehemalige Wohnhaus von Franz Radziwill, das heute ein Museum ist. Und gleich hinter der Haustür steht Birgit Denizel, Kuratorin der aktuellen Ausstellung. Radziwill, einer der ungewöhnlichsten norddeutschen Künstler des 20. Jahrhunderts, hat von 1923 bis zu seinem Tod 1983 dort gewohnt.

"Die Tür hier hat er selbst bemalt", sagt Denizel in einem kleinen Zimmer im Erdgeschoss. "Er hat auch den Fußboden selbt gelegt, er war ja gelernter Maurer." In einem Schrank voller Geschirr stehen Teetassen und Kannen, die er auch für eines seiner vielen Stillleben als Vorbild genutzt haben könnte.

Neustadtgödens: Das schönste Dorf Frieslands

Neustadtgödens gilt als das schönste Dorf Frieslands. Ungewöhnlich ist es auf jeden Fall. Und ungewöhnliche Führungen gibt es hier auch. Sie beginnen am Landrichterhaus in der Brückstraße, das heute ein Museum zur Dorfgeschichte beherbergt. Dort wartet schon Dirk Arnskötter. Er hat hohe Lederstiefel an, hält einen Spaten zwischen den Händen und trägt zum Vollbart eine Schiffermütze. So oder jedenfalls so ähnlich waren auch Koyer gekleidet, wie die Deichbauarbeiter hier an der Küste hießen, die mit ihrem Einsatz dafür sorgten, dass das Land nicht vom Nordseewasser überspült wurde und die Menschen vor Sturmfluten geschützt blieben.

Noch eine Besonderheit von Neustadgödens - dort gibt es ein Kaffeekannenmuseum mit hunderten von Ausstellungsstücken.

Noch eine Besonderheit von Neustadgödens - dort gibt es ein Kaffeekannenmuseum mit hunderten von Ausstellungsstücken.

Foto: TMN

Arnskötter weiß eine Menge über Deichbau, aber er erzählt bei seinem Dorfbummel auch viel über das Leben hinter den Deichen. Über die Zunftfahnen an den Häusern zum Beispiel, die in der Frühen Neuzeit den Beruf ihrer Bewohner anzeigten, über das Kaffeekannenmuseum mit Hunderten von Ausstellungsstücken, über die Blaudruckfärberei und über die Staustraße, auf der Händler ehemals Markt hielten und Kaufleute ihre Waren stapelten. In der Kneipe an deren Ende wurden die Verträge begossen. "Neustadtgödens war lange ein sehr reiches Dorf", sagt Arnskötter. "Und das einzige in Europa, in dem gleich fünf Religionsgemeinschaften ihre Gotteshäuser errichten durften."

Dirk Arnskötter hält einen Spaten zwischen den Händen - er macht in Neustadgödens Stadtführungen als Koyer, wie die Deichbauarbeiter hießen.

Dirk Arnskötter hält einen Spaten zwischen den Händen - er macht in Neustadgödens Stadtführungen als Koyer, wie die Deichbauarbeiter hießen.

Foto: TMN

An allen fünfen kommt die Tour mit dem Koyer vorbei: Die evangelische Kirche steht an der Stelle, wo früher eine Mühle war, die für das Gotteshaus weichen musste. In der früheren Mennonitenkirche ist heute ein Café untergekommen. Auch die reformierte Kirche wird schon lange nicht mehr als solche genutzt - anders als die katholische. Die Synagoge hat die Reichspogromnacht 1938 unbeschadet überstanden. Heute sind im oberen Stockwerk Ferienwohnungen, das Erdgeschoss ist für Ausstellungen reserviert, ab diesem Sommer zur Geschichte der Juden im Dorf.

Neustadtgödens war bekannt für seine Toleranz in religiösen Dingen - die ehemalige Synagoge steht noch, ist heute aber kein Gotteshaus mehr.

Neustadtgödens war bekannt für seine Toleranz in religiösen Dingen - die ehemalige Synagoge steht noch, ist heute aber kein Gotteshaus mehr.

Foto: TMN / Friesland Touristik / Martin Stöver

Wasserwanderwege bei Altmarienhausen

In Altmarienhausen bei Sande hatte im 16. Jahrhundert die Landesherrin Maria von Jever ein Lustschloss. Zu sehen ist davon nichts mehr - bis auf den Turm. Die wenigsten Besucher kommen allerdings nur seinetwegen. Aber eine Paddel-Pedal-Station ist gleich um die Ecke, wo Wasserwanderer zu Touren auf dem Ems-Jade-Kanal starten können. Und gleich neben dem Turm hat das Küsteum sein Zuhause, ein Museum der etwas anderen Art, das immer am Wochenende geöffnet ist. Der Eintritt ist frei. Im Erdgeschoss gibt es eine Ausstellung zum Deichbau an der Küste - daher der Name.

Der schlanke Turm ist noch übrig, das Lustschloss der Landesherrin Maria von Jever ist auf dem Gelände von Gut Altmarienhausen nicht mehr zu sehen.

Der schlanke Turm ist noch übrig, das Lustschloss der Landesherrin Maria von Jever ist auf dem Gelände von Gut Altmarienhausen nicht mehr zu sehen.

Foto: TMN / Friesland Touristik / Martin Stöver

Aber das Küsteum zeigt auch vieles aus dem Alltag im Friesland vergangener Zeiten. Eine Schmiede und eine Schusterwerkstatt sind hier untergekommen. Haushaltsgeräte aus den frühen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts gibt es zu sehen: Wäschemangeln genauso wie Brotschneidemaschinen - und eine beachtliche Sammlung an Radiogeräten und Schreibmaschinen aus vielen verschiedenen Jahrzehnten.

Das Küsteum ist ein Museum der etwas anderen Art - im Erdgeschoss neben einer Ausstellung zum Deichbau an der Küste gibt es darin zum Beispiel auch eine Schusterwerkstatt und viele Haushaltsgeräte aus dem vergangenen Jahrhundert.

Das Küsteum ist ein Museum der etwas anderen Art - im Erdgeschoss neben einer Ausstellung zum Deichbau an der Küste gibt es darin zum Beispiel auch eine Schusterwerkstatt und viele Haushaltsgeräte aus dem vergangenen Jahrhundert.

Foto: TMN

Watt satt: Schillig

In Friesland gibt es gleich mehrere klassische Badeorte. Hooksiel gehört dazu und ganz im Norden Schillig. "Great Barrier Reef 14693 Kilometer" steht hier auf einem Wegweiser, gleich daneben "Wattenmeer 0,2 Kilometer". Und das stimmt auch: Der breite Strand liegt direkt vor einem und dahinter das Watt. Schillig bietet schon typisches Nordseeurlaubsfeeling. Am Wasser sind Dutzende von Spaziergängern unterwegs, die jüngsten Gäste bauen Sandburgen mit Papa und Mama, andere lassen Drachen steigen, spielen Minigolf oder versuchen sich am Beachvolleyballnetz.

Nordseefeeling in Schillig - am Strand kann man weite Spaziergänge machen, und am Horizont ist oft ein Schiff zu sehen. Wie sich das gehört.

Nordseefeeling in Schillig - am Strand kann man weite Spaziergänge machen, und am Horizont ist oft ein Schiff zu sehen. Wie sich das gehört.

Foto: TMN / Friesland Touristik

Aber Minigolfspielen kann man fast überall anderswo auch. Wattwandern nicht. Hille Behrens-Focke steht mit Grabegabel und Kescher ausgerüstet an der der Strandkasse am Sommerdeich und hat die Schuhe schon ausgezogen. Die Wattführerin empfiehlt, am besten barfuß mitzukommen. Bei ihrer Tour geht es in zwei Stunden übers Watt bis ans Wasser und zurück. Zu sehen gibt es dabei einiges: jede Menge Herzmuscheln in verschiedenen Farben zum Beispiel. Hille Behrens-Focke hat eine in die Hand genommen: "Die Zahl der Querstreifen zeigt an, wie alt sie ist", erklärt sie.

Unterwegs im Watt bei Schillig - den Wattwurm gibt es dabei garantiert zu sehen.

Unterwegs im Watt bei Schillig - den Wattwurm gibt es dabei garantiert zu sehen.

Foto: TMN

Unterwegs fängt sie mit ihrem Kescher Granat, wie die kleinen Krabben heißen, die es in Friesland an vielen Stellen im Fischbrötchen gibt. Und sie zeigt, wie schnell Herzmuscheln versuchen, sich wieder einzugraben, wenn man sie einmal aus dem Boden geholt hat. Der Wattwurm hat ebenfalls seinen Auftritt. Und die Kinder lässt die Wattführerin so lange mit dem Füßen auf dem Boden stampfen, bis sie bis weit über die Knöchel im Watt versinken. Solange man feststeckt, hat man Zeit, den Kitesurfern zuzugucken, die übers Watt bis zum Wasser laufen und sich dann dem Wind überlassen.

Alle relevanten News des Tages gratis auf Ihr Smartphone. Sichern Sie sich jetzt die neue kostenlose App von manager-magazin.de. Für Apple-Geräte hier und für Android-Geräte hier . Viel Vergnügen bei der Lektüre!

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.