Dienstag, 17. September 2019

Deutschland-Urlaub Unterwegs auf dem Mini-Amazonas

2. Teil: Die Wakenitz wurde nie begradigt

Leben am Wasser: Moritz Löffelmann mit seiner Frau auf der Wakenitz
Florian Sanktjohanser/dpa-tmn
Leben am Wasser: Moritz Löffelmann mit seiner Frau auf der Wakenitz

Die ersten Seerosen blühen weiß zwischen ihren Blatttellern, Haubentaucher und Blässhühner tauchen nach Beute, zwei Graureiher flattern dicht über dem Wasser. Langsam wird es wilder. Irgendwo hier beginnt auch das Naturschutzgebiet, das 1999 eingerichtet wurde.

"Die Wakenitz wurde nie begradigt", erklärt Löffelmann, als der Fluss die ersten Haken schlägt. Denn an ihren Ufern gab es wenig Industrie. Als Transportweg war sie vor allem im Mittelalter wichtig. Damals stakte und treidelte man Lastkähne voller Salz aus der Lüneburger Heide an die Küste. Die Skandinavier salzten damit ihre Fische ein, und sie bezahlten gut.

Heute fährt nur noch ein Ausflugsschiff. Aber das macht sich deutlich bemerkbar. Als Löffelmann gerade unter eine stählerne Brücke paddelt, hupt es von hinten. "An der Eisenbahnbrücke passt entweder das Schiff durch oder ihr - nicht beide", hatte der Verleiher morgens gewarnt. "Auf Kollisionskurs zu gehen, macht keinen Sinn."

Löffelmann hört auf diesen Rat und paddelt rechts ran. Es wird nicht das letzte Mal sein. Denn die Wakenitz ist offenbar ein bevorzugter Trainingsplatz der Lübecker Ruderer. Ein ums andere Mal überholt ein Vierer. Der Rudersport hat hier Tradition, Sportler aus dem Ratzeburger Achter holten mehrmals Gold bei Olympia.

Dummerweise kommen zu den Zweiern, Vierern, Sechsern auch noch Elektroboote und Stand-up-Paddle-Boards, Kanus und Kajaks. Den Naturgenuss kann der eine oder andere Stau aber nicht trüben. Es gibt ja genug zu sehen in der Wartezeit.

Im klaren Wasser dümpeln Barsche zwischen verwundenen Stängeln der Seerosen. Wiesen von Seegras und salatartigen Pflanzen wiegen vor sich hin. Schmetterlinge und leuchtend blaue Libellen schwirren umher. Bäume neigen sich fotogen über die Schwertlilien. Und am Ufer wuchert ein Dickicht aus Brombeeren, Büschen und Farnen.

Seerose auf der Wakenitz: Eine Kanufahrt auf dem Fluss ist idyllisch.
Florian Sanktjohanser/dpa-tmn
Seerose auf der Wakenitz: Eine Kanufahrt auf dem Fluss ist idyllisch.

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