Donnerstag, 19. September 2019

Trekking in Afrikas sagenhaften Mondbergen Menschenleere, feuchte Nebelwelten

Trekking: Unterwegs in Afrikas sagenhaften Mondbergen
Philipp Laage/dpa-tmn

2. Teil: Wie ein Forschungsreisender vergangener Tage

Diese Gefahr ist noch fern an den unteren Hängen des Ruwenzori. Dicht und überschwenglich steht hier die Vegetation. Lianen umschlingen die Tropenbäume des immergrünen Bergwalds, mit etwas Glück zeigen sich in den Kronen schwarz-weiße Colobusaffen. Auf einem Ast im Gebüsch hockt ein dreihörniges Chamäleon wie ein Mini-Dinosaurier.

Richard und Samuel laufen plaudernd voran. Wo der Nationalpark beginnt, betreibt die Uganda Wildlife Authority einen Rangerposten. Ein junger Mann posiert mit Kalaschnikow für ein Foto. Danach wird der Pfad steil, die Hänge steigen rasch an. Unten im Tal rauscht ein Fluss. Schmetterlinge, Vogelgezwitscher, die Sonne brennt.

Auf ungefähr 2500 Metern beginnt die zweite Vegetationsstufe, der Bambuswald. Dicht und haushoch stehen die Stämme, wie die Filmkulisse für ein fernöstliches Kriegerepos. Der erste Trekkingtag endet nach sechs Stunden Wanderung im Kalalama Camp auf 3134 Metern mit einem heftigen Platzregen. Die Sonne verschwindet. Was hier noch nicht so klar ist: Sie wird erst in sechs Tagen wieder richtig auftauchen.

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Am folgenden Morgen verlässt man endgültig die Spuren der Zivilisation und betritt eine kaum zugängliche Welt des Nebels, durchsetzt von Bächen und Tümpeln, überzogen mit Heidekraut und mythisch anmutenden Riesengewächsen. Rapanea rhododendroides, erklärt Richard und zeigt nach links. Blick nach rechts: Erica trimera. Immer wieder bleiben die Gummistiefel im Matsch stecken. Schwomp, schwomp. Das Geräusch begleitet einen stundenlang, wie das Plätschern und Glucksen des Wassers, das aus jeder Spalte zu dringen scheint.

Schwer vorstellbar, wie sich die ersten Entdecker durch diese Wildnis gemüht haben müssen. Das höchste nichtvulkanische Gebirge Afrikas entzog sich lange dem Blick der Europäer. Buchstäblich. Stets umhüllten Wolken die Berge, wegen der vielen Feuchtigkeit. Der berühmte Afrikaforscher Henry Morgan Stanley glaubte 1876 zunächst, eine merkwürdige Wolke von silberner Farbe zu betrachten, als er die schneebedeckten Gipfel des Ruwenzori erblickte. Damals waren die Vergletscherungen freilich noch viel gewaltiger als heute.

Der Tourismus hatte es lange schwer, nicht nur wegen des fordernden Klimas und der Abgelegenheit der Region. Die Diktatoren Obote und Amin machten Reisen in die Mondberge unmöglich. Während des Zweiten Kongokrieges schloss die Regierung Ugandas den Nationalpark. In dem Unesco-Weltnaturerbe operierten Rebellengruppen. 2001 wurde der Park wieder für ausländische Besucher geöffnet. Im Prinzip fühlt man sich immer noch wie ein Forschungsreisender vergangener Tage.

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