Dienstag, 17. September 2019

Von Moskau in die Mongolei Mit der Transsib durch den russischen Winter

Transsibirische Eisenbahn: So ist die Fahrt im Winter
Ross Hillier/Lernidee Erlebnisreisen/dpa-tmn

3. Teil: Welch ein tiefes, durchdringendes Blau

Dauerthema für Fremde ist und bleibt die Witterung. Unterwegs, auf der Übernachtfahrt nach Irkutsk, sackt die Temperatur auf den Reiserekordwert von minus 31 Grad ab. Den Tag über hält sich niemand länger als nötig im Freien auf, auch nicht auf Komforttrips. Ohne Kopf- und Ohrschutz geht ohnehin nichts. Zieht man die Handschuhe aus, um zu fotografieren, schmerzen sofort die Finger. Nach zwei, drei Tagen empfindet man die Kälte allerdings gar nicht mehr als so grausam - denn die Luft ist trocken.

Der Baikalsee, der sich wie ein Binnenmeer ausbreitet, ist eines der magischsten Gewässer der Welt. Welch ein tiefes, durchdringendes Blau! Der Winter entfaltet hier einen besonderen Reiz. Die Stege am Ufer von Listvyanka tragen lange Eiszapfen. Bei einer Schiffstour schneidet der Wind den Härtesten auf dem Oberdeck unerbittlich ins Gesicht, während sich der Bug des Bootes durch Dampfteppiche schiebt, die von der Wasseroberfläche aufsteigen. Ende Januar ist der Baikal komplett zugefroren.

Eine Sesselliftfahrt in die Berge nahe Listvyanka ermöglicht den Perspektivwechsel. Spätestens hier, inmitten tief verschneiter Zauberwälder und von einem Aussichtsthron mit Fernblick über den See, werden die erhofften Winterträume wahr. Zwei Tage später noch mehr Zauber, bei der Zugfahrt am Südsaum des Baikal entlang.

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In Ulan-Ude löst sich die Strecke der Transmongolischen Eisenbahn von der klassischen Transsib und nimmt Kurs auf die Mongolei. In Ulan Bator, der Endstation, liegt Feuerrauch von Kohle- und Heizöfen über der Stadt. Klöster mit Lamas, buddhistischen Lehrern, und jungen Schülern haben die orthodoxen Kirchen Russlands abgelöst.

Ein letzter Ausflug führt in die "mongolische Schweiz", die Gebirgswelt des Nationalparks Gorkhi-Terelj. Dort, im touristischen Jurtencamp, zittert sich Marianne trotz Ofens und kompletter Montur unter der Zusatzdecke durch die Nacht und findet kaum Schlaf. Jungfotografin Patricia scheitert mit ihren Milchstraßenfotos: Schneefall, keine Sicht. Tags darauf entschädigt der Spontanbesuch bei einer Nomadenfamilie, die einige Hundert Tiere besitzt, vornehmlich Kaschmirziegen und Schafe, und zwei erstaunlich komfortable Großjurten als Winterlager. Im Innern bieten die Gastgeber den Gästen Platz auf Sofabetten und vergorenen Milchbrandwodka. Im Hintergrund flimmert der Flachbildschirm. Ein Stückchen wahre Mongolei zum Abschied.

Andreas Drouve, dpa

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