Freitag, 22. November 2019

Anspruch auf Erstattung bei Kreditkartenzahlung, aber ... Banken lassen Thomas-Cook-Kunden im Stich

Thomas Cook ist insolvent, die Versicherung wird die Ansprüche aller Kunden nicht befriedigen können. Wer seine Reise mit Kreditkarte bezahlt hat, sollte versuchen, sich einen Teil des Geldes von der Bank wiederzuholen.
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Thomas Cook ist insolvent, die Versicherung wird die Ansprüche aller Kunden nicht befriedigen können. Wer seine Reise mit Kreditkarte bezahlt hat, sollte versuchen, sich einen Teil des Geldes von der Bank wiederzuholen.

Wer bei Thomas Cook seine Reise gebucht hat und nicht antreten kann, dürfte jetzt gehörig Frust schieben. Zum einen fällt der Urlaub aus, weil das insolvente Unternehmen alle Reisen bis einschließlich Dezember abgesagt hat. Zum anderen müssen Verbraucher davon ausgehen, dass sie nur einen Teil des Reisepreises erstattet bekommen. Denn die Deckungssumme von 110 Millionen Euro, wird nicht ausreichen, um alle Kunden zu entschädigen, wie die Zurich Versicherung unlängst erklärte.

Besser ist unter Umständen jener Kunde dran, der seine Reise mit einer Visa- oder Mastercard bezahlt hat oder angezahlt hat. In diesen Fällen lässt sich die Zahlung im sogenannten Chargeback-Verfahren zurückholen, erläutert die "Stiftung Warentest".

Das Verfahren stellt formal eine Reklamation der geleisteten Kreditkartenzahlung dar und soll in erster Linie Karteninhaber vor Kreditkartenbetrug schützen. Die Dienstleister Visa und Mastercard geben das Verfahren den kartenausgebenden Banken vor. Das Verfahren greife nach Überzeugung von Stiftung Warentest aber auch in jenen Fällen, in denen bezahlte Leistungen des Händlers oder Dienstleisters nicht erbracht werden - wie zum Beispiel bei der von Thomas Cook abgesagten Reise.

So weit die Theorie.

In der Praxis und im konkreten Fall von Thomas Cook jedoch ließen eine ganze Reihe von Banken ihre Kunden auflaufen. Sie informierten ihre Kreditkartenkunden unzureichend oder falsch und versuchten so letztlich die Rückbuchung der via Kreditkarte bezahlten Reise zu umgehen, schreiben die Tester unter Berufung auf vorliegende Verbraucherzuschriften.

Die Commerzbank zum Beispiel schrieb einem Kunden: "Bei einer Pauschalreise besteht kein Chargeback-Recht (...) Aus diesem Grund sind auch die Mastercard- Regularien nicht anwendbar." Die Santander Bank oder die Postbank teilten Kunden schlicht mit, dass sie diesen nicht weiterhelfen könnten. Die Consorsbank wiederum schrieb, bei Pauschalreisen gebe es keine Chargeback-Rechte, "also keine Möglichkeit zur Rückrechnung der Kartenzahlung", zitiert "Stiftung Warentest" aus ihr ebenfalls vorliegender Korrespondenz.

Barclaycard und Comdirect wiederum hätten ihre Kunden mit dem Hinweis auf die Insolvenzversicherung abzuwimmeln versucht, ohne die Chargeback-Möglichkeit auch nur zu erwähnen. Die "Stiftung Warentest" rät daher: nicht abwimmeln lassen, in der Kommunikation hartnäckig bleiben und auf mögliche Fristen der Bank achten.

rei

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