Mittwoch, 13. November 2019

750.000 Pfund extra für 2017 Thomas-Cook-Chef verteidigt sich gegen Boni-Kritik

Peter Fankhauser nach seiner Anhörung in London
Peter Summers/Getty Images
Peter Fankhauser nach seiner Anhörung in London

Der Ex-Chef des pleite gegangenen Reisekonzerns Thomas Cook, Peter Fankhauser, ist Vorwürfen über seine Bezahlung und Managementfehler entgegen getreten. Bei einer Anhörung eines Ausschusses des britischen Parlaments entschuldigte sich der aus der Schweiz stammende Manager am Dienstag erneut bei Kunden, Beschäftigten und Geschäftspartnern für die Insolvenz des weltweit ältesten Reisekonzerns.

Auf Fragen nach seiner Vergütung von rund einer Million Pfund 2018 und einem Bonus in Höhe von 750.000 Pfund für 2017 sagte Fankhauser, er lege seine Bezahlung nicht selbst fest. Der Bonus von 2017 könne ihm theoretisch wieder entzogen werden. 30 Prozent davon seien jetzt wertlose Thomas-Cook-Aktien.

Er werde über eine Rückgabe der Bonus-Summe nachdenken, wolle zunächst jedoch keine Entscheidung treffen, sagte Peter Fankhauser nach Angaben der britischen Nachrichtenagentur PA. Er habe "unermüdlich" für den Erfolg seines Unternehmens gekämpft, ergänzte Fankhauser demnach bei seiner Anhörung.

Das seit Jahren hoch verschuldete Unternehmen war Ende September pleite gegangen, nachdem einige Banken einen milliardenschweren Rettungsplan nicht mittragen wollten und auch der britische Staat eine Kredithilfe ablehnte. Thomas Cook kämpfte schon länger mit Problemen durch seine große Abhängigkeit von Pauschalreisen und die wachsende Konkurrenz durch Online-Reisevermittler.

Fankhauser: Keine Kritik an Westminster - aber Rettung wäre günstiger

Fankhauser erklärte, die Bemühungen um eine Wende seit seinem Antritt als Konzernchef 2014 seien von der hohen Verschuldung gebremst worden. Mehrere Beteiligte seien verantwortlich gewesen für das Scheitern des Rettungsplans. Hätte er gegriffen, wäre Thomas Cook das bestfinanzierte Reiseunternehmen in Europa gewesen. "Ich glaube fest, dass wir einen Neustart nach einer erfolgreichen Rekapitalisierung geschafft hätten", sagte Fankhauser.

Er wolle die britische Regierung wegen der Absage an einen Hilfskredit nicht kritisieren. Aber die Kosten des Zusammenbruchs von Thomas Cook seien letztlich viel höher gewesen als die angefragte Finanzierung, die sich auf 150 Millionen Pfund belaufen haben soll.

Von den deutschen Thomas-Cook-Töchtern kann der Ferienflieger Condor dank eines staatlichen Rettungskredits von 380 Millionen Euro neue Investoren finden. Die Bundesregierung stufte das profitable Unternehmen als überlebensfähig ein und wollte verhindern, dass Hunderttausende Urlauber durch eine Pleite der Airline stranden. Die EU-Kommission genehmigte die Hilfe am Montag.

Der deutsche Reiseveranstalter Thomas Cook musste wie die britische Mutter Insolvenz anmelden, kämpft aber noch ums Überleben. Das Skandinavien-Geschäft hat eine erste Offerte eines möglichen Investors erhalten. In Großbritannien gingen Thomas Cook Airlines und das Reisegeschäft sofort in Insolvenz. Die 555 Reisebüros mit rund 2500 Beschäftigten will der Konkurrent Hays Travel kaufen.

luk/Reuters, dpa

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