Fotostrecke

Im Spa: Wellness für Männer

Foto: TMN

Besuch im Wellnesstempel Männer mögen's kurz und knackig

Von Tom Nebe

Düsseldorf - Viele Männer machen heutzutage Wellness. Dabei lassen sie sich nicht nur massieren. Auch Kosmetik und Maniküre sind längst keine reine Frauensache mehr. Manchmal ist aber auch ein Bier mit Freunden das richtige Mittel zum Abschalten.

Wann ist ein Mann ein Mann? Das fragte 1984 schon Herbert Grönemeyer in seinem Hit "Männer". Das Rollenbild war lange: Arbeiter, Ernährer, starker Mann im Haus. Entspannung fand er beim Feierabend-Bier vor dem Fernseher und nicht in der Sauna oder auf der Massagebank. So wie sich das männliche Rollenbild über die Jahre geändert hat, gehört aber auch dieses Klischee inzwischen der Vergangenheit an. Wellness-Tempel haben Männer längst als Zielgruppe entdeckt und ihre Angebote angepasst. Denn viele kommen gerne, haben aber eigene Bedürfnisse an Wellness-Behandlungen.

Sie mögen es kurz und knackig, sagt Lutz Hertel, Vorsitzender des Deutschen Wellness-Verbandes. Das unterscheide Männer von Frauen: "Diese zelebrieren sehr gerne ausgiebige Rituale, die am besten gar nicht aufhören sollen." Männer dagegen wollen im Spa oder dem Kosmetikstudio lieber schnell und effektiv behandelt werden.

Kosmetik-Behandlungen für Männer sind einfach und funktional. "Sie legen keinen Wert auf verspielte Arrangements", sagt Angelika Baur-Schermbach, Leiterin des "Face & Body Day Spa" in München. Neben einem knackigeren Ablauf kommen spezielle Produkte zum Einsatz, weil Männer-Haut anders aufgebaut ist als Frauen-Haut. "Aus dem Grund gibt es für sie eigene Pflegelinien." Sie spenden tendenziell mehr Feuchtigkeit und haben häufig mattierende Bestandteile, die gegen glänzende Haut helfen. Außerdem duften sie anders. "Statt Lavendel dominieren eher spritzig-sportliche Duftnoten", sagt Baur-Schermbach.

Die Haut in Schuss halten

Mit Cremes und Masken haben Männer in der Regel wenig am Hut. Viele sind unsicher, wie sie zu Hause richtig pflegen können. Dabei ist es relativ einfach, die Haut in Schuss zu halten. "Im Prinzip brauchen Männer nur ein hauttypentsprechendes Reinigungsprodukt und eine pflegende Gesichts- sowie Augencreme", sagt Jenny Ballmann, Spa-Managerin aus Berlin.

Ballmann beobachtet, dass immer häufiger neben einer Kosmetik auch Maniküren gebucht werden. Gerade Männer, die in Dienstleistungsberufen unterwegs sind, zählen dann zu ihren Kunden. Auf Peeling, Lack und andere Extravaganzen verzichten sie aber. Bei Männer-Händen komme es vor allem auf kurze, saubere Nägel und gepflegte Haut an, fasst Ballmann zusammen.

Zum Runterkommen legen sich Männer aber gerne auch auf die Massagebank. Dort lassen sie sich am liebsten den Rücken kneten. "Und zwar kräftig, nicht gestreichelt", sagt Hertel. Der Grund sei, dass sie muskulöser und power-orientierter sind als Frauen, vermutet er und scherzt: "Zudem sind sie irgendwie immer verspannt."

Dass es Männer kräftiger mögen, bestätigt auch Baur-Schermbach. "Sie wollen etwas spüren bei der Massage." Wer richtig durchgewalkt werden will, sollte das aber bereits bei der Terminbuchung angeben - nur so kann die passende Behandlung ausgewählt werden. Eine Ayurveda-Massage, die fast nur aus Streichungen besteht, ist in so einem Fall sicher nicht die richtige Wahl.

Eintauchen im Bierbad

Druck ist allerdings nicht alles. Eine Massage muss nicht wehtun, damit sie wirkt, betont Ballmann. "Wellness-Massagen entspannen, lockern und lösen leichte Blockaden." Bei hartnäckigen Schmerzen sind sie aber unter Umständen der falsche Ansatz. Wenn es um den therapeutischen Effekt geht, ist eine medizinische Massage die bessere Wahl, sagt Ballmann. Diese sind vor allem in Physiotherapie-Praxen Standard, mittlerweile gibt es sie aber auch in einigen Spas.

Männer sind als Zielgruppe in den Fokus vieler Wellness-Tempel gerückt. Manche von ihnen haben deshalb besonders männlich anmutende Behandlungsrituale im Programm, um die Herren der Schöpfung anzulocken - etwa Bierbäder. Hertel zweifelt aber an deren Nutzen: "Das sind eher Marketing-Maßnahmen. Ich denke auch nicht, dass diese häufig gebucht werden." Männer steigen in der Regel ohnehin lieber unter die Dusche als ein langes Vollbad zu nehmen, wie Hertel sagt. "Und statt Badezusatz mit Biernote bevorzugen sie wohl eher ein richtiges Bier."

Stichwort Bier: Für Männer kann auch ein Kneipenabend mit Freunden Wellness sein, meint Hertel. "Sie brauchen dieses soziale Miteinander für ihr Wohlbefinden." Beim Alkohol gilt der Gesundheit zu Liebe aber besser Zurückhaltung.

Manche Männer "brauchen eine Lektion"

Die ist auch in der Sauna angesagt: Einige Männer neigen dazu, dort wie etwa beim Sport ihren Leistungsgedanken auszuleben, sagt Hertel. Häufig setzen sie sich auf die oberste Bank, bis ihnen der Schweiß in Rinnsalen die Haut hinunter fließt und der Kopf glüht. "Hier brauchen einige Männer eine Lektion", findet Hertel. Denn die Sauna ist normalerweise kein Ort für Wettkämpfe. Wer sich dort übernimmt, kann seine Gesundheit gefährden, mahnt Hertel.

Geht es nach ihm, findet Wellness ohnehin nicht nur auf der Massagebank oder Kosmetikliege statt. "Es ist in erster Linie ein Lebensstil", betont er. Ein typisches Thema für Männer in dem Zusammenhang: Die richtige Balance zwischen Job und Privatleben zu finden. Für ein gutes Lebensgefühl sei ein "ausgewogener Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung" entscheidend, sagt Hertel.

Lesen Sie auch:

Bike-Test: All City Nature Boy - soweit die Waden tragen Pre-Work- Dancing: Tanz mit mir in den Arbeitstag