Mittwoch, 26. Juni 2019

Skifahren lernen Aufgeben gilt nicht

Skikurs: Auf der Piste
TMN

2. Teil: Durch den Schneesturm

Ans Aufgeben ist trotzdem nicht zu denken. Ich probiere erneut, mich beim Parallelfahren in Richtung Tal zu drehen. Es funktioniert. Für ein paar Minuten fühle ich mich wie eine richtige Skifahrerin. Bis Jonas an einem Abzweig stehen bleibt und die nächste Anfängerübung zeigt: Tretroller fahren, das heißt Skilaufen auf einem Bein. So holprig, wie ich jetzt unterwegs bin, erkennt mich jeder von weitem.

Dritter Tag im Gebirge, es geht auf den Stubaier Gletscher bei Neustift, in das größte Gletscherskigebiet Österreichs. Es hat geschneit. Ich treffe Skilehrer Roland Lenzi, einen redegewandten 25-Jährigen aus Innsbruck. Er ist ausgebildeter Lawinenretter. Um uns herum wirbelt der Schneesturm. "Hier kommst du mit den Pflugkurven nicht weit", sagt Roland. "Versuche direkt parallel umzusetzen."

Durch den pulvrigen Neuschnee sacke ich so tief ein, dass beim Drehen doppelte Kraft erforderlich ist. Schon nach den ersten Pistenmetern geht mir die Puste aus. Doch die Blöße will ich mir nicht geben. Ich bewege mich zwischen Fahren und Rutschen in großen Schlangenlinien den Berg runter. "Gut gemacht", lobt Roland. "Du hast Talent." Bis zu einem bestimmten Punkt, räumt er später bei einem Kaffee im Bergrestaurant ein.

Am letzten Tag strahlt die Sonne, der Schnee glitzert, weiße Gipfel begrüßen die Wintersportler auf 3000 Höhenmetern. Die Angst habe ich abgelegt. Ich fahre und fahre. Kleine Kurven, große Kurven, ein paar Versuche in Parallelschwung. "Was Dir jetzt noch fehlt, ist ein bisschen mehr Geschwindigkeit", sagt Roland. Aber Kondition und Kraft lassen langsam nach, die Oberschenkel brennen. Die letzten Meter überwinde ich mich und lasse die Skier einfach laufen. "Geht doch", ruft Roland. Die Lektion habe ich bestanden.

Evelyn Steinbach, dpa

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