Zu Silvester nach Dubai? Gigantisches Feuerwerk - aber ohne Party auf der Straße

Rund um das Luxushotel "Burj al Arab" steigt ein außergewöhnliches Feuerwerks.

Rund um das Luxushotel "Burj al Arab" steigt ein außergewöhnliches Feuerwerks.

Foto: TMN / Dubai Tourism

Wer weit weg von Europa ins neue Jahr kommen will, hat im Prinzip zwei Möglichkeiten. Silvester unter Palmen, eher ruhig, zum Beispiel in der Karibik? Oder doch die große Party mit gigantischem Feuerwerk in einer der Weltstädte? Dubai hat sich bei den Deutschen zu einer Top-Destination für den Urlaub rund um den Jahreswechsel entwickelt. Das Emirat am Persischen Golf vermarktet sich als schillernde Trendmetropole der Zukunft, ein verlockendes Image. Doch es gibt auch Grund für Enttäuschungen. Was für eine Silvesterreise nach Dubai spricht - und was dagegen: Lesen Sie unser Pro und Kontra.

Pro: Das gute Wetter

Auch zum Jahreswechsel herrschen in Dubai Badetemperaturen.

Auch zum Jahreswechsel herrschen in Dubai Badetemperaturen.

Foto: TMN

Zugegeben, das klingt banal. Doch Sonne, Wärme und schönes Wetter zählen laut der FUR-Reiseanalyse zu den wichtigsten Urlaubsmotiven. Dubai bedient diese Bedürfnisse in der kalten Jahreszeit perfekt: Es ist tagsüber T-Shirt-warm und viel angenehmer als im Sommer, wenn die Gluthitze der arabischen Halbinsel schnell mehr als 40 Grad erreicht. Und der Golf lädt mit rund 22 Grad Wassertemperatur auch noch zum Baden ein. Winterblues an Neujahr? Unwahrscheinlich.

In Dubai gibt es zahlreiche Strände. Einige sind aber nur für die Gäste des jeweiligen angeschlossenen Resorts oder gegen eine Gebühr zugänglich. Der bekannteste öffentliche Strand ist The Beach. Drinks und Party findet man am Barasti Beach. Klar, am Roten Meer in Ägypten ist das Wasser um den Jahreswechsel auch noch akzeptabel - aber Hurghada ist eben keine Metropole von Weltrang.

Kontra: Die hohen Preise

Das Hotel «Atlantis» auf der Palm Jumeirah ist ein Prunkbau der Extraklasse. Auch dort wird an Silvester ein riesiges Feuerwerk abgebrannt.

Das Hotel «Atlantis» auf der Palm Jumeirah ist ein Prunkbau der Extraklasse. Auch dort wird an Silvester ein riesiges Feuerwerk abgebrannt.

Foto: TMN

Das Ausflugsboot steuert an der berühmten Palm Jumeirah vorbei. Damit Touristen die Palmenform der künstlichen Insel richtig sehen können, gibt es Helikopter-Rundflüge. Ein Hubschrauber rattert gerade über das Luxushotel "Atlantis". Ist so ein Rundflug nicht ein teures Vergnügen? Tourguide Shameel M. Aslam lächelt nur und antwortet: "Es ist Dubai." Eine treffende Feststellung. Richtig günstig ist in Dubai wohl nur der Sprit - er kostet oft weniger als Wasser.

Natürlich ist Silvester nirgendwo die günstigste Reisezeit. Doch Dubai darf als besonders exklusives Ziel gelten. Fünf Nächte im Doppelzimmer eines zentralen Vier-Sterne-Hotels sind kaum für weniger als 180 Euro pro Nacht zu haben. 250 Euro bis 300 Euro sind nicht selten. Dubai zählt zu den Städten mit den höchsten Hotelpreisen der Welt, in einer Liga mit Tokio und Singapur.

Mit dem Übernachten ist es nicht getan. An Silvester will man das richtige Ambiente, ein mehrgängiges Dinner gehört für viele dazu. Die Tourismusvermarkter Dubais geben den niedrigsten Preis für ein Gala-Dinner (ohne Wein) mit 300 Dirham an, das sind 75 Euro pro Person. In der Dubai Mall beim Wolkenkratzer Burj Khalifa liegt der Preis bei etwa 700 bis 1000 Dirham - also 175 bis 250 Euro. Das macht für eine vierköpfige Familie schnell 1000 Euro für das Abendessen. Restaurants der Mittelklasse sind in Dubai eher selten. Vielerorts hat man nur zwei Optionen: viel Geld ausgeben - oder Fast Food.

Und auch der Besuch der Attraktionen ist nicht günstig. Der Preis für eine Fahrt zur Aussichtsplattform des Burj Khalifa kostet für Erwachsene mindestens 125 Dirham (32 Euro), für Kinder zwischen 4 und 12 Jahren sind es 95 Dirham (24 Euro). Eine Familie mit zwei Kindern zahlt also mehr als 100 Euro für die Aussicht über die Stadt.

Pro: Die spektakulären Bauwerke

Die Aussichtsplattform auf dem Burj Khalifa bietet eine tolle Aussicht über Dubai und ist auf jeden Fall einen Besuch wert

Die Aussichtsplattform auf dem Burj Khalifa bietet eine tolle Aussicht über Dubai und ist auf jeden Fall einen Besuch wert

Foto: TMN

Das Burj Khalifa ist mit Sicherheit die spektakulärste Attraktion in Dubai. 828 Meter hoch, der höchste Wolkenkratzer der Welt. Wie am Computer entworfen für einen Star-Wars-Film, erhebt sich das Gebäude über der Wüste. Aus der Ferne sieht es im Dunst manchmal aus wie eine Fata Morgana. Kann man so hoch bauen? Man kann. Und in Dubai tut man das auch - faszinierend. Rund um das Burj Khalifa versammeln sich in der Silvesternacht Tausende Menschen für das große Feuerwerk.

In die Kategorie Gigantismus fällt auch der Besuch des Dubai Aquarium & Underwarter Zoo in der Dubai Mall: 10 Millionen Liter Wasser, 140 verschiedene Arten, die Scheiben sind 75 Zentimeter dick. Wenn man durch den 48 Meter langen Unterwassertunnel spaziert, gleiten Tigerhaie und Rochen direkt über dem eigenen Kopf hinweg. Dubai plant natürlich schon die Zukunft: Jede Menge neue Freizeitparks sind geplant, darunter ein Legoland und die 20th Century Fox World. Verspielte künstliche Welten für die Touristen von morgen.

Zum Image Dubais hat das 321 Meter hohe Ultra-Luxushotel "Burj al Arab" in Form eines riesigen Segels nicht unwesentlich beigetragen. Auch das "Atlantis" auf der Palme ist ein Blickfang. So gut wie jede große Hotelmarke ist in der Stadt präsent, teils mit mehreren Häusern. Allein 2016 gab es mindestens zehn große Neueröffnungen, von Four Seasons über Hyatt bis Steigenberger. Die Hotels sind in Dubai oft schon selbst die Attraktion und prägen den Aufenthalt in der Stadt entscheidend mit.

Kontra: Das fehlende öffentliche Leben

Dubai ist eine Stadt der Wolkenkratzer. Öffentliches Leben findet hier kaum statt, abends trifft man sich im Hotel. Eine Silvesterparty wie in manchen europäischen Metropolen findet in Dubai auf den Straßen nicht statt.

Dubai ist eine Stadt der Wolkenkratzer. Öffentliches Leben findet hier kaum statt, abends trifft man sich im Hotel. Eine Silvesterparty wie in manchen europäischen Metropolen findet in Dubai auf den Straßen nicht statt.

Foto: TMN

Es kommt nicht von ungefähr, wenn Besucher Dubai als "künstlich" bezeichnen. In einer Zeit, in der London, Paris und New York schon pulsierende Weltstädte waren, war Dubai nur ein kleiner Hafenort. Der Aufstieg begann mit dem ersten Ölfund 1966, in den Neunzigern ging der Boom so richtig los.

In Dubai ist alles neu - und etwas seelenlos. Architektur, die mehr als ein Jahrhundert überdauert hat, Grand Hotels wie in Wien oder Rom, eine gewachsene Altstadt wie in Istanbul, in der Menschen draußen sitzen, Trubel auf den Straßen: Diese Dinge sucht man in Dubai nahezu vergeblich. Abgesehen von kleinen künstlichen Fußgängerzonen (Dubai Creek und Dubai Marina) gibt es kaum ein öffentliches Leben. Wenn doch, spielt es sich in den Einkaufszentren ab. Die Mall als soziales Herz der Stadt. Abends dienen vor allem Hotels als Treffpunkte. Wer wenig Geld hat, bleibt außen vor.

Eine große Party in den Straßen darf man in Dubai daher auch nicht an Silvester erwarten. Alkohol in der Öffentlichkeit ist verboten. Am besten reservieren Urlauber einen Tisch in einem Restaurant. Für das Feuerwerk erhebt man sich, stößt aufs neue Jahr an - und feiert dann auf einem der privaten Events in den großen Hotels weiter.

Pro: Das Feuerwerk

Auch am Wasser geht in Dubai an Silvester die Post ab - wie hier am Luxushotel "Burj al Arab"

Auch am Wasser geht in Dubai an Silvester die Post ab - wie hier am Luxushotel "Burj al Arab"

Foto: TMN / Dubai Tourism

Wenn eine Stadt wie Dubai das neue Jahr feiert, dann so richtig. Das Feuerwerk zählt zu den spektakulärsten der Welt. Von 2013 auf 2014 erhellten 479 651 Raketen in nur sechs Minuten den Nachthimmel - Weltrekord. Die meisten Raketen werden am Burj Khalifa und am Wasser über der Palm Jumeirah und beim "Burj al Arab" abgefeuert. Das Farbenspiel am Nachthimmel ist in der Tat grandios.

Die große Inszenierung zu Silvester wird auch dann fortgeführt, wenn wie zum Jahresende 2015 ein 63-stöckiges Hotel gleich gegenüber des Burj Khalifa lichterloh in Flammen steht. Ein Großbrand mit mehreren Verletzten, Ascheregen in Downtown - bricht man die Feierlichkeiten ab? Nein. The Show must go on. Um 24.00 Uhr beginnt das Feuerwerk, als wäre nichts passiert. Auch das ist Dubai.

Kontra: Die strengen Gesetze

"Der größte Luxus ist es, frei zu sein" steht auf dieser Werbetafel in Dubai. Ein bezeichnender Spruch für einen Ort, an dem Geld alles ist und die Gesetze restriktiv sind.

"Der größte Luxus ist es, frei zu sein" steht auf dieser Werbetafel in Dubai. Ein bezeichnender Spruch für einen Ort, an dem Geld alles ist und die Gesetze restriktiv sind.

Foto: TMN

Silvester hat immer auch etwas Romantisches. Man begeht das Jahr mit den besten Wünschen, blickt zurück, ist dankbar. Da darf es, gerührt im Angesicht des Feuerwerks, gerne ein leidenschaftlicher Kuss sein. In Dubai ist das Paaren streng genommen verboten.

Anders als das liberale Image nahelegt, gelten in den Vereinigten Arabischen Emiraten recht restriktive Gesetze. Für "public display of affection", den öffentlichen Ausdruck von Zuneigung durch Zärtlichkeiten, droht eine Geldstrafe. Darauf weist ein offizieller Verhaltenskodex der Regierung die Besucher hin. Zwei Briten mussten sogar schon einmal für einen Monat ins Gefängnis, weil sie sich in einem Restaurant auf den Mund geküsst hatten. Auch Sex außerhalb der Ehe steht in den Emiraten unter Strafe.

Das ist natürlich ein drastischer Einzelfall. In den allermeisten Fällen sehen die Behörden über kleinere Zärtlichkeiten von Touristen hinweg. Aber will man ausgerechnet dort ins neue Jahr feiern, wo ein einfacher Kuss in der Öffentlichkeit theoretisch unter Strafe steht?

Wer in Dubai einen Bootsausflug macht, sieht an einer Stelle eine große Werbetafel am Ufer. "The greatest luxury is being free", ein Zitat des spanischen Luxusschuhdesigners Manolo Blahnik. Der größte Luxus ist es, frei zu sein. Es liest sich wie der zynische Hinweis für eine Stadt, in der Geld alles ist und die bürgerlichen Freiheiten durch die Gesetze doch deutlich eingeschränkt sind.

Lohnt sich ein Silvestertrip nach Dubai also? Das Fazit

Tolles Wetter, orientalischer Luxus, erstaunliche Attraktionen und ein Feuerwerk, das seinesgleichen sucht: Das spricht für Silvester in Dubai. Doch es ist eine Stadt ohne lebendiges Flair, in der nahezu jedes Vergnügen ordentlich kostet - oder verboten ist. Ein pakistanischer Taxifahrer, der seit 16 Jahren in Dubai lebt, bringt es auf den Punkt: "Mit viel Geld kannst du hier ein echtes Fünf-Sterne-Leben haben." Nichts anderes gilt für Touristen.

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