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Baiersbronn: Wanderlust und Sterneküche

Foto: Baiersbronn Touristik

Die besten Tipps fürs Gourmet-Sterne-Dorf Baiersbronn Gratis am Wegesrand, teuer auf dem Teller

Anleitung für Aufstieg in den Wanderhimmel: Durch den tiefgrünen Schwarzwald ziehen, Fichtennadeln pur probieren, lecker einkehren. Kräuterküche lieben lernen, weiterwandern, schwelgen und vorfreuen auf das, was täglich abends kommt: Köstliches weltberühmter Köche.
Von Max Fleschhut

Wenn Baiersbronn für etwas bekannt ist, dann Spitzengastronomie. Da Essen allein zu sehr auf die Hüften gehen würde, kann man obendrein noch herrlich wandern. Oder beides verbinden.

"Mir könned net viel, aber des, was mir könned, könne mer gut", gluckst Rolf Wein mit spitzbübischem Lächeln, während er junge Fichtennadeln zwischen den Fingern verreibt und uns unter die Nasen hält. "Und des isch G'nieße und Natur", fügt er hinzu.

Dass er mit den Fichtennadeln keineswegs nur die Natur meint, sondern auch das Genießen, wird uns erst klar, als er uns zum Kosten auffordert. Fichtennadeln? Essen? Ja, sind wir denn Tiere? Wir wagen es und zermahlen ein wenig der noch ganz hellgrünen Fichtenspitzen vorsichtig zwischen den Zähnen. Schmeckt eindeutig nach Wald, recht aromatisch, keinesfalls bitter, eigentlich sogar süß, irgendwie nach Badekugeln.

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Wir sind in Baiersbronn. Nie gehört? Na gut: Schwarzwald. Genau: Kuckucksuhren, Bollenhüte, Kirschtorte, Schinken. Und im nördlichen Teil dieser klischeebehafteten Gegend, zwischen Stuttgart und dem französischen Strasbourg, liegt Baiersbronn. Herausragendes Kennzeichen: acht Michelin-Sterne - bei nicht einmal 15.000 Einwohnern. Zwei Restaurants sind mit der Höchstwertung von drei Sternen ausgezeichnet: die Schwarzwaldstube im Hotel Traube Tonbach und das Bareiss. Das Restaurant Schlossberg im Hotel Sackmann kommt auf zwei Sterne.

Doch zurück zu Rolf Wein, der uns inzwischen auch Wiesenthymian und Brunnenkresse zur Degustation gereicht hat - natürlich frisch vom Wegesrand. Rolf ist unser Wildkräuter-Guide und ein Baiersbronner Urgestein. Mit ihm erkunden wir einen bescheidenen Teil der über 500 Kilometer ausgeschilderten Wanderwege der Gemeinde. Bescheiden vor allem, weil wir alle paar Meter stehen bleiben, um uns der großenteils essbaren Flora zu widmen: Spitzwegerich, Rotklee, Walderdbeeren … Gourmetküche direkt vom Feld. Denn was frisch aus der Natur schmeckt, kann auf dem Teller nicht verkehrt sein. Dementsprechend präsentiert uns abends das Hotel Tanne Tonbach ein "Menü aus dem essbaren Wanderhimmel".

Die Beilagen sind unsere alten Bekannten von Wald und Wiese: Auf Ziegenbratkäse mit Honigklee folgen Lammbratwürstchen mit Wiesenthymian, geschmorte Rehbockkeule mit Spitzwegerich und schließlich Eiscreme mit Fichtenspitzen. Alles köstlich. Sicher nicht nur, weil wir unseren Gaumen bereits auf Wildkräuter konditioniert hatten.

Essbarer Wanderhimmel: Besser kann man das Tourismuskonzept von Baiersbronn kaum beschreiben. Außer vielleicht mit "G'nieße und Natur". Schließlich tun auch wir drei Tage lang nicht viel anderes, als zu speisen und die aufgenommenen Kalorien halbwegs wieder wegzuwandern. Alles andere als leicht, wenn Wanderhütten und sogenannte Genussplätze ständig zum Pausemachen verführen.

In Baiersbronn denkt man eben immer irgendwie ans Essen

Um den geneigten Sportwanderer endgültig dem hemmungslosen Genuss anheimfallen zu lassen, gibt es obendrein einen "Weinbrunnen". Im frischen Quellwasser stehen beste badische Tropfen zur Verkostung bereit. Die Gläser gibt es daneben in einem kleinen Holzkästchen gegen einen Obolus von nur einem Euro.

Apropos Brunnen: In Baiersbronn entspringen über 1000 Quellen. Das ist nicht nur schön anzusehen und anzuhören, wenn es ringsum sprudelt und plätschert, sondern auch praktisch: Aus jedem der Bächlein und Brunnen kann man bedenkenlos trinken und seine Wasservorräte für die nächste Wanderetappe auffüllen.

Und Etappen gibt es genug: Da wären die Holzmacher-Tour, die Eiszeit-Tour, die Romantik-Tour, der Kinder-Erlebnis-Pass, der Holzweg und viele weitere Themenwege und Erlebnispfade, allesamt schwäbisch-akkurat ausgeschildert und mit Infotafeln versehen. Das Ganze gipfelt im Juni im dreitägigen Wanderhimmel-Festival mit Bier-, Kräuter-, 24-Stunden- und anderen ausgefallenen Wanderungen. Teilweise führen die Touren durch den jüngst zum ökologischen Schutzgebiet erklärten Naturpark Schwarzwald.

Für einen Abstecher zum Seidtenhof nehmen wir mit leichten Gewissensbissen doch das Auto, wohl wissend, dass wir unsere Kalorienbilanz weiter verschlechtern werden. Auf dem alten Lehenshof aus dem 16. Jahrhundert hat man uns einen "Baiersbronner Schatz", wie die lokalen Spezialitäten treffender Weise heißen, versprochen: Waldhonigeis aus eigener Produktion. Konsistenz und Geschmack sind genauso wie erhofft : zum Reinlegen. Das dürfen wir zwar nicht, aber die Tochter des Hauses, Cornelia, lässt uns immerhin direkt aus der Eismaschine sündigen.

Grund genug für ein bisschen Sport zum Abschluss unseres genussreichen Aufenthalts. Nicht zum Mitmachen, sondern zum Zuschauen: Beim ländlichen Vierkampf treten Mannschaften an wie "Die Wiesenschänder", "Nur it huddla" und "Koi Ahnung, aber dabei". Die Disziplinen sind Sensenmähen, Kuhmelken, Sägen (mit Zweimannsäge) und Nageln. Klingt nach Heidenspaß, ist auch einer. Selbst wenn es uns beim Sensenmähen ein wenig um die abgesäbelten Wildkräuter leid tut. In Baiersbronn denkt man eben immer irgendwie ans Essen.

Tipps: Sterneküche - und was es noch zu erleben gibt

Acht Sterne, drei Häuser, viele Geheimtipps und ein einzigartiges Wanderparadies am Rand des Nationalparks Schwarzwald. In Baiersbronn geht es kulinarisch nicht um alles. Sondern um viel mehr ...

STERNEKÜCHE

Bareiss
Wer im Drei-Sterne-Restaurant nach den selbigen greift, will nicht enttäuscht werden. Keine Angst: Himmlischer Genuss ist garantiert. Beweis sind nicht nur die Michelin-Sterne, auch mit roten Bestecken, Hauben und Diamanten werfen Kritiker hier immer wieder um sich. Müde vom Essen? DZ im gleichnamigen Hotel ab 480 Euro, inklusive kulinarischem Ferientag.

72270 Baiersbronn-Mitteltal
Telefon: 07442/47 0
bareiss.com 


Traube Tonbach
Harald Wohlfahrt kocht gefühlt ewig 3* in der weltberühmten Schwarzwaldstube im Tonbachtal. Wem das große Degustationsmenü für 210 Euro zu viel Respekt einflößt, wird für kleines Geld lecker froh in der rustikal-bescheidenen Köhlerstube. Wanderwege ab Hotel, Wellness top, kinderfreundlich mit einer gigantischen Spielhalle. DZ ab 239 Euro.

Tonbachstraße 237
Telefon: 07442/49 20
traube-tonbach.de 


Sackmann
Zwei Sterne leuchten im Restaurant Schlossberg. Und in der Anita-Stube gibt es Bodenständig-Regionales zum Niederknien. Jörg Sackmann, Chefkoch, weiß, wie man ein Haus familiär und freundlich führt. DZ ab 140 Euro/Nacht.

Murgtalstr. 602
Telefon: 07447/28 90
hotel-sackmann.de 


NOCH MEHR GENUSS

Tanne Tonbach
Nicht so berühmt wie das Traube gleich nebenan, aber die Baumhaussauna macht die fehlenden Michelin-Sterne wett. Genauso wie der "essbare Wanderhimmel". DZ ab 138 Euro.

Tonbachstraße 243
Telefon: 07442/83 30
hotel-tanne.de 


Seidtenhof
Einfache, bodenständige Küche in historischem Umfeld. Erstmals erwähnt wurde der Hof im 11. Jahrhundert. Für Frische sorgt das Eis aus eigener Manufaktur. Köstlich. "Zum Reinlegen", so unser Autor.

Reichenbacher Weg 46
Telefon: 07442/12 08 95
seidtenhof.de 


Fischerstuble
Hier gibt's frische Forelle, gefangen im Zuchtweiher direkt neben dem Haus. Idyllisch gelegen mit schöner Terrasse, Ortsteil Buhlbach. Im Laden Fische zum Mitnehmen.

Schliffkopfstraße 64
Telefon: 07449/23 3
forellenzucht-sigwart.de 


ERLEBEN

Schlemmerwandern
Verhungern muss man beim Wandern sicher nicht: Friedrich Klumpp kredenzt mit Kräutern und Beeren vom Wegesrand ein Fünf-Gänge-Menü mitten in der Natur. Termine beim Hotel-Gasthof Rosengarten erfragen.

Bildstöckleweg 35
Telefon: 07442/84 34 0
rosengarten-baiersbronn.de 


Oldtimerrallye
Da brüllen die Motoren: Bei der Baiersbronn Classic starten etwa 120 wundervolle Oldtimer in Gedenken an das Ruhestein-Bergrennen von 1946, der ersten Motorsportveranstaltung nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Zuschauer verzückt das Spektakel dieses Jahr vom 22. - 25. September.

Telefon: 07442/84 14 30
baiersbronn-classic.de 


Mountaincart
Toller Spaß ganz ohne Schnee: ein Mix aus Sommerrodeln und Chopper fahren. Da kann der Appetit kurzzeitig mal vergehen, die Laune jedoch nicht.

Telefon: 07442/60 42 999
schwarzwaldidylle.de 


Schampus
Die Glashütte Buhlbach ist der Geburtsort der deutschen Champagnerflasche. Glasbläser Axel Heintz lässt sich beim Anfertigen von Gläsern, Vasen und anderen Objekten zuschauen. Ab Mai regelmäßig geöffnet.

Schliffkopfstraße 46
Telefon: 07449/92 99 02 0
kulturpark-glashuette-buhlbach.com 


Wandern
Der Seensteig gehört mit zu Deutschlands schönsten Wanderwegen. Aber Holz- und Himmelweg sind auch schön. Tipps fürs größte Wanderwegenetz.

Freudenstädter Straße 40
Telefon: 07442/84 14 66
baiersbronn.de