Dienstag, 22. Oktober 2019

Mit dem Käfer Cabrio durchs Rheingau Zu Gast bei den Stars der Weinszene

Rheingau: Zu Gast bei den Stars der Weinszene
René Supper / Sehnsucht Deutschland

6. Teil: Rotes Licht für die Liebe

Das Leben sei zu kurz, um schlechten Wein zu trinken, hat Goethe gesagt. Und Recht hat er. Nachdem ich mich selbst an einem Langzeitprojekt mit einer Europalette Rivaner versucht habe, wandle ich den Spruch - was kümmert mich mein Geschwätz von gestern - gern ab in: "… zu kurz, um immer denselben Wein zu trinken". Als wir die prächtige Allee zum Schloss Johannisberg hochfahren, um ein Foto mit dem Spätlesereiter zu machen, während wir, nur zwei Katzensprünge entfernt, durch das hübsche Schloss Vollrads streifen und laufend an herrlichen Weinbergen, -hängen, -gütern vorbeifahren, bin ich sicher, dass beide Gefahren im Rheingau leicht vermeidbar sind.

16.35 Uhr: Farbenspiel bei Allendorf

Manchmal kann man sogar denselben Wein trinken, und er schmeckt trotzdem immer anders. Im Wein gut Allendorf in Oestrich-Winkel - jüngst mit herausragenden Rieslingen aus 2014 geehrt - gibt's dafür eine eigene Weinerlebniswelt. In der geht es um Gerüche, Gefühle: "Wein ist nicht nur eine Flüssigkeit", meint Frau Allendorf, "Wein ist Leidenschaft" - und bekommt so ein Glühen in den Augen. Dann führt sie uns in einen Raum, der nacheinander in andere Lichter getaucht wird.

Das Glas in der Hand, ermuntert uns Frau Allendorf, im roten Licht an die Liebe zu denken. Schon wieder dieses Glühen. Und der Wein scheint süßer zu werden. Im grünen "Frühling" saurer, im blauen "Nordpol" wässriger. "Es sind die Farben, die die Nase, die Augen betören, ja, betrügen können", freut sich Frau Allendorf, dass es auch bei uns - wie bei rund 95 Prozent aller skeptischen Oberexperten - geklappt hat.

17.50 Uhr: Tegernsee beim Laufer

Als kleiner Junge wollte ich immer gern in einem Eisladen arbeiten. Auf Lohn hätte ich verzichtet, Naturalien hätten völlig ausgereicht. Im Rheingau ist es ähnlich, überall Wein: wie eine Möhre vor des Esels Schnauze. Aber als Josef Laufer mich endlich fragt, ob ich ein blitzkaltes Tegernseer oder einen Riesling als Apéro trinken möchte, sage ich: "Bier, bitte", setze mich vor die Tür seines Krugs in Hattenheim und lasse Seele und Beine in der Abendsonne baumeln. Viel los ist nicht, schräg gegenüber hat die berühmte Adlerwirtschaft von Franz Keller heute Ruhetag, und nur dann und wann hält jemand am Geldautomaten und fährt reicher bestückt als vorher wieder fort.

Sehnsucht Deutschland
Heft 4/2016

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"Wenn Sie so weit wären, könnte es losgehen", lächelt Herr Laufer und bittet uns in die schwer gemütliche, urig-dunkle Gaststube zu einem mehrgängigen Menü, das von köstlichen Grüßen aus der Küche begleitet wird. Dinge wie Tandori von der Wachtel, geeister Gänseleberschaum an gebratener Jakobsmuschel, die besten Stücke vom heimischen Damhirsch und göttlicher Streuselkuchen mit Zwetschgen. Dazu gibt es Weine vom hauseigenen Weinberg, der mit 0,9 Hektar erstaunlich schöne Rieslinge und Spätburgunder liefert, die als Flaschen um die 20 Euro liegen. Da lacht der Großstädter und schenkt sich nochmal nach. Aber nicht zu knapp, Frau Schmolski.

14 Uhr: Sehnsucht Rheingau

Am nächsten Tag geben wir unseren Käfer wieder ab. Überall hatten wir mit ihm für freundliches Aufsehen gesorgt, wir wurden wie nette ältere Herren behandelt, man ließ uns gewähren, half uns über die Straße und zollte Respekt und Anerkennung. Und niemand unterbrach uns, wenn wir ins Schwärmen kamen. Das hat uns sehr gefallen im Rheingau.

Und frei nach Goethe sage ich deshalb: "Das Leben ist zu kurz, um nur einmal im Rheingau gewesen zu sein." Und ich freue mich schon aufs nächste Mal.

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