Montag, 19. August 2019

Mit dem Käfer Cabrio durchs Rheingau Zu Gast bei den Stars der Weinszene

Rheingau: Zu Gast bei den Stars der Weinszene
René Supper / Sehnsucht Deutschland

5. Teil: Reparatur-Schoppen zum Start in den Tag

Jetzt ist es 10 Uhr und wir stehen vor Theresa Breuer, sind viel größer als sie und sehen offenbar durstig aus. Die junge Winzerin ist die Frontfrau des Weingutes Georg Breuer, das auch zum Rüdesheimer Schloss gehört, und bietet uns freundlich einen "Reparatur-Schoppen" an. Wir lehnen dankend ab, so schlimm war es überhaupt nicht, und sie stöhnt ein freundliches: "Zur Not haben wir aber auch Wasser:"

Die quirlige Winzerin gehört zur jungen Generation Riesling, reist viel, hat branchenunüblich auch ein paar Tätowierungen vorzuweisen und vermarktet ihre Weine weltweit. Immer persönlich, bodenständig und mit ganzem Einsatz: "Ich liebe Tradition, man muss sie nur täglich aufs Neue mit Leben füllen."

Wir sind auf dem Sprung, wollen eigentlich mit der Gondel zum Niederwalddenkmal fahren, da ruft Rupert Riedel an: Ob wir Zeit hätten, das ehrgeizigste Freizeitprojekt des Rheingaus anzuschauen? Klar, haben wir! Ein riesiger Waldkletterpark und -turm auf der 580 Meter hohen Hallgarter Zange wird in ein paar Tagen eröffnet.

Die Sonne kommt raus, wir schmeißen das Dach auf, kaufen ein paar Frauensteiner Kirschen am Straßenrand und machen kernweitspuckend noch einen Schlenker zum von eigenen Weinbergen umsäumten Kloster Eibingen. Müßig zu erwähnen, dass auch das nur ein paar Minuten entfernt ist.

Die Universalgelehrte und Heilige Hildegard von Bingen, Namensgeberin der dortigen Abtei St. Hildegard, wäre sehr angetan von den freundlich-geschäftstüchtigen Benediktinerinnen, die nicht nur den lieben Gott ehren, sondern im großen Klosterladen eigene Weine und die leckersten Dinkel-Kastanienkekse der Welt verkaufen. "Dinkel ist das beste Getreide", wusste schon Hildegard um 1100. Diesen Keksen nach zu urteilen, hat sich wohl nichts geändert.

14.15 Uhr: Hallgarter Zange

Ein paar Krümel auf dem Schoß und 10 Minuten später sind wir auf der Zange, 25 Höhenmeter später auch auf dem Turm. Oben zeigt Riedel nach Südwesten und sieht bis Frankreich. Sagt er jedenfalls. Auf alle Fälle ist er visionär. Und mutig. Ich kann jedenfalls nicht so weit gucken, aber das sagenhafte Panorama, das sich von Wiesbaden über das gesamte Rheingau wie auf einer reich verzierten Picknickdecke ausbreitet, erzeugt ein wohliges Kribbeln im Magen. Auch bei Riedel: "Hier oben wird man schon im Mai übernachten können. Stellt euch mal vor, dieser Blick ist das erste, was ihr morgens seht! Ist das nicht sagenhaft?", freut er sich.

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung