Dienstag, 15. Oktober 2019

Mit dem Käfer Cabrio durchs Rheingau Zu Gast bei den Stars der Weinszene

Rheingau: Zu Gast bei den Stars der Weinszene
René Supper / Sehnsucht Deutschland

4. Teil: 2500 Euro für 0,375 Liter Wein - von 1727

Bevor wir nicht mehr fahren können, verabschieden wir uns wehmütig. Eine Viertelstunde später parken wir im Hinterhof des familiären Lindenwirts in Rüdesheim vor einem Weinfass namens Katerloch. Es hat Bett und Dusche, ist ein gemütlicher Renner bei den Gästen. Weil heute schon jemand drin liegt, stellen wir unser kleines Gepäck in ein großzügiges Zimmer mit Tür zur Drosselgasse. Auf der anderen Seite des schmalen Laufstegs liegt das Rüdesheimer Schloss, für uns Restaurant, sonst auch Hotel.

Fragen Sie dort auch nach der Raritätenkarte. Von 1727 (da starb der Physiker Newton) ist der Rüdesheimer Apostelwein - kostet 2500 Euro für 0,375 Liter. Aus neuerer Zeit sind viele Flaschen dabei, die ein trinkbares und auch finanzierbares Erlebnis sind. Für uns gibt es einen jungen Riesling und hessische Tapas, Forelle aus dem Wispertal sowie Handkäs mit Rheingauer Musik - wobei letztere im günstigsten Fall erst nach Verlassen des Lokals als harmonische Flatulenz ertönt.

Derweil haben direkt neben uns offensichtlich vom Wein und auch vom Zauber des Rheingaus euphorisierte Flusskreuzfahrer aus den USA die Knie gebeugt, und kreieren mit dem Hintern wackelnd und zum Ententanz ausgelassen quakend bleibende Erinnerungen an unsere berühmte German Gemütlichkeit.

Sehnsucht Deutschland
Heft 4/2016

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Wir sind erstaunt, beobachten und lachen. Wir werden dabei bestens von den reizenden Bedienungen umsorgt. Wir vergessen die Zeit. Und auf einmal ist es ruhig. Alle Enten sind weg. Flussabwärts werden sie neuen Abenteuern entgegentreiben: Welterbe Mittelrheintal, Burgenromantik, Loreley, Deutsches Eck, Köln und Düsseldorf. Kölsch und Altbier. Höhepunkte einer Deutschlandreise.

Wir sind noch geblieben. Schlendern die jetzt menschenleere Gasse hinauf, atemlos versucht sich eine Sängerin am gleichnamigen Gassenhauer. Als ich später im Bett liege, höre ich noch leise Bruchstücke der Sommerhits von anno dazumal. Darüber schlafe ich ein. Ein normaler Dienstagabend in der Drosselgasse in Deutschland.

Später als gedacht war es geworden, in der schmalen, berühmten 144 Meter langen Gasse, durch die sich jedes Jahr Millionen Touristen schieben, um wenigstens eine Flasche Asbach Uralt vom Rhein mit nach Hause zu schleppen.

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