Sonntag, 13. Oktober 2019

Mit dem Käfer Cabrio durchs Rheingau Zu Gast bei den Stars der Weinszene

Rheingau: Zu Gast bei den Stars der Weinszene
René Supper / Sehnsucht Deutschland

3. Teil: Wein, Wein, überall Wein

"Das vor uns ist eine Laune der Natur, eine sehr schöne sogar", sagt er mit feierlicher Stimme. Denn nur hier zwischen Wiesbaden und Rüdesheim fließt der Rhein von Ost nach West, während er sonst auf seinen gut 1200 Kilometern vor allem gen Norden unterwegs ist. Milde Winter, warme Sommer und Herbstnebel, volle Sonne, die hier öfter scheint als anderswo - nur gerade nicht. Die weite Landschaft mit sanften, weichen Formen und Wein. Überall Wein. Ein begünstigter Landstrich, bemerkte schon Hochstapler Felix Krull und blieb ausnahmsweise mal bei der Wahrheit.

All das liebt die gemeine Rebe. 80 Prozent Riesling, 12 Prozent Spätburgunder wachsen hier auf gut 3000 Hektar Anbaufläche, leidenschaftlich beackert von knapp 700 Winzern, viele davon im Nebenerwerb.

Fast andächtig zeigt Würtz nach Ingelheim auf die andere Rheinseite: "Da saß Kaiser Karl der Große im Frühling in seiner Pfalz, guckte rüber und stellte fest, dass der Schnee hier schneller schmolz als anderswo. Das war hier der Anfang des Weinbaus." Und das ist ja schon ein paar Tage her.

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"Da drüben", Würtz deutet nach rechts, "der Steinberg voller Rieslingreben, seit bald 900 Jahren von Mönchen des Kloster Eberbach mit einer Steinmauer umgrenzt, im Westen Schloss Vollrads, eines der ältesten Weingüter der Welt, und dahinter schon Schloss Johannisberg, wo zufällig die Spätlese erfunden worden ist." Natürlich gibt es eine fantasievolle Anekdote: Damals brauchten die Mönche eine Erlaubnis, um mit der Lese zu beginnen. Die sollte ein Reiter vom Bischof in Fulda holen. Auf dem Rückweg 1775 geriet er - so meine Lieblingsversion - in die Hände einer edelsüßen Blondine, vergaß die Zeit und die Trauben. Als er endlich kam, waren die Trauben verfault - und köstlich! Die Edelfäule war zufällig entdeckt und mit ihr die Beerenauslese geboren worden.

"Tja, und da", zeigt er hinunter, "wohnt mein Freund Hansi Bausch, ein Rheingauer Winzer, wie er nicht typischer sein könnte."

Bausch, gelernter Maschinenschlosser, Spediteur, Pferdeliebhaber, hemdsärmelig, wird auch für uns schnell zu Hansi. Er hat bei der viel beachteten Schoppen-Trophy den 3. Platz belegt. Dabei werden per Blindverkostung die einfachsten Gutsweine Rheingauer Winzer bewertet. "Wenn der einfache Wein gut ist, sind es die anderen vermutlich auch. Und andersrum", sagt Würtz und haut Bausch krachend auf die Schulter. Zwei Kartons vom Gutsriesling kommen unter die Käferhaube.

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