Samstag, 24. August 2019

So verändert sich das Reisen Kürzer, öfter, bebildert und bewertet

Da sein, wo alle hin wollen: Schlange stehen auf der Stadtmauer von Dubrovnik
Andrea Warnecke/dpa-tmn
Da sein, wo alle hin wollen: Schlange stehen auf der Stadtmauer von Dubrovnik

Billigflieger, Smartphones und Social Media, wachsende Besuchermassen und der Klimawandel: Das Reisen und der Tourismus haben sich in den vergangenen 25 Jahren stark verändert.

Billigflieger und Erlebnissucht

Das ganze Jahr malochen und dann im Sommer einmal für mindestens drei Wochen nach Bayern, Mallorca oder Kroatien: Das ist für viele Menschen nicht mehr erstrebenswert. Der Trend geht seit Jahren weg vom klassischen langen Haupturlaub und hin zu häufigeren, dafür aber kürzeren Reisen, erklärt Philipp Wagner von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR), die das Urlaubsverhalten der Deutschen untersucht.

Diese Entwicklung ist keine Überraschung, sie hängt stark mit dem Aufkommen von Billigfliegern wie Ryanair und Easyjet zusammen. Wenn Barcelona oder Sardinien im besten Fall nur noch 40 oder 50 Euro entfernt sind, ist die Verlockung groß, auch mal nur für ein verlängertes Wochenende durch Europa zu jetten.

Glückstricks: So haben Sie mehr von Ihrem Urlaub

"Kurze Reisen mit dem Flugzeug haben eindeutig zugelegt", sagt Wagner. Beim Haupturlaub habe der Flieger mittlerweile sogar das Auto als Transportmittel vom ersten Platz verdrängt. "Das hängt natürlich auch mit den günstigen Preisen für Flugtickets zusammen."

Der Zukunftsforscher und Tourismusexperte Horst Opaschowski sieht darin einen gesamtgesellschaftlichen Trend: "Die Devise lautet: Mehr Erleben in weniger Zeit." Zwei Wochen Strandurlaub seien den meisten zu wenig. Erholung und Abstand vom Alltag bleiben zwar wichtige Reisemotive, bestätigt Wagner, doch hedonistische Motive seien wichtiger geworden: "Man will sich im Urlaub etwas gönnen und genießen, gleichzeitig aber auch viel sehen und erleben."

Der Urlaub als Jagd nach herausragenden Erlebnissen: Das passt zur These, dass es auch in der Freizeit verstärkt um Selbstoptimierung geht. Ein Phänomen, das auf Reisen auftritt: "Fomo" (fear of missing out), die Angst etwas zu verpassen. Denn die Welt ist groß und die Bucket-Liste mit Reisezielen noch ziemlich lang.

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