Mittwoch, 23. Oktober 2019

Griechenland Lakonische Genüsse

Griechenland: Unterwegs in Lakonien
Christos Drazos; Moni Emvasis

Abseits der Touristenströme träumt die Region Lakonien auf dem östlichsten Zipfel des Peloponnes vor sich hin. Touristen scheuen die weite Autofahrt - und verpassen so die Luxus-Burganlage Kinsterna, den karibischen Traumstrand von Elafonissos und den bewohnten Felsen von Monemvasia.

Gefira - Nachdenklich stellt Diamantis den Freddo Espresso auf den Tisch. Als Kellner im Café "Mamarkia" am zentralen Platz der kleinen Stadt Gefira hat er den Felsen von Monemvasia den ganzen Tag im Blick. "Warum der Felsen nicht weltberühmt ist? Keine Ahnung. Schlechtes Tourismus-Marketing?"

Betrachtet man den riesigen Steinbrocken, der nur durch eine schmale Strasse mit dem Örtchen am Festland verbunden ist, kann es keinen anderen Grund geben. Eindrucksvoll ragt der Felsen wie ein Schiff aus Stein bis zu 300 Meter hoch aus den Wellen der Myrtoischen See. Auf dem Hochplateau stehen immer noch die Ruinen einer mächtigen Zitadelle, der Oberstadt. An die steile östliche Felswand des 1,8 Kilometer langen Brockens kauert sich eine kleine mittelalterliche Stadt mit engen Gassen und einem wilden Stilmix aus osmanischen und venezianischen Häusern.

Hier sollen zur Blütezeit von Monemvasia im 17. Jahrhundert bis zu 40.000 Menschen gelebt haben. Osmanen, Normannen, Päpste und Piraten - sie alle haben im Verlauf der letzten Jahrhunderte versucht, diesen strategisch so wichtigen, auf dem Sehweg von Venedig nach Byzanz gelegenen Felsbrocken zu erobern. Vergeblich, es gab nur einen Eingang (= moni emvassi) in die Inselfestung, und der war gut bewacht. Manche erinnert der Felsen an Gibraltar, treffender wäre wohl ein Vergleich mit der bretonischen Insel Mont Saint Michel.

Heute soll es nur noch zehn bis 20 Menschen geben, die dauerhaft dort wohnen. Die alten Gebäude sind heute nur noch eine pittoreske Hülle für Dutzende Cafés, Restaurants, oder Luxushotels wie das "Moni Emvasis Luxury Suites" oder das "Theophano art hotel".

Vier Autostunden von Athen aus schrecken viele ab

Natürlich, Monemvasia liegt auf der südlichsten Spitze des östlichen Fingers des Peloponnes. Um hierhin zu gelangen, muss man sich von Athen aus noch rund vier Stunden ins Auto setzen. Tourismusfreundliche Regionalflughäfen gibt es in der Region Lakonien keine. Doch was Reisenden auf dem Weg zu den Tourismus-Klassikern Griechenlands verpassen, geht weit über den Felsen von Monemvasia hinaus: die überraschend fruchtbare, toscana-artige Landschaft mit ihren Oliven- und Zitronenhainen, Orangenplantagen, Weinbergen und malerischen Zypressen- und Eukalyptus-Alleen, Bergdörfer, in denen die Zeit stillzustehen scheint, den karibischen Traumstrand von Elafonissos, die märchenhaften Höhlen von Kastania, das im Meer versunkene Pavlopetri, die versteinerten Wälder östlich von Neapoli - und nicht zuletzt die Fünf-Sterne-Burganlage "Kinsterna" in Agio Stefanos.

Der "Guardian" hatte schon vor knapp zwei Jahren vor diesem Hotel gewarnt: einmal eingecheckt will man das weitläufige Gelände des Fünf-Sterne-Hotels Kinsterna in den Bergen oberhalb von Monemvasia gar nicht mehr verlassen. Der Felsen mit der Zitadelle? Sieht man auch von der Hotelterrasse aus. Das Städtchen? Morgen vielleicht. Der Fjord von Gerakas? Nächstes Mal. Der Traumstrand von Elafonissos? Wenn überhaupt.

Theo Terzopoulos, der Manager des Luxushotels, lacht. "Warum die verliebten, jungen, britischen Paare, die hier ihre Flitterwochen verbringen, wenig an den Sehenswürdigkeiten der Region interessiert sind, liegt ja in der Natur der Sache …" Mit einem Glas Malvasia aus dem eigenen Weinberg des "Kinsterna" in der Hand, kann man zwischen antiken Säulen rund um das alte Wasserreservoir sitzend, die Umgebung auch schnell vergessen, der Felsen von Monemvasia ist selbst von hier aus gut sichtbar.

Der Blick schweift über 15 Hektar Land voller Weinberge, Olivenhaine, mächtiger Zypressen und Eukalyptusbäume und alter Zitrusbäume, die wie in alten Zeiten von Süßwasserquellen aus den Bergen gespeist werden. "Kinsterna" bedeutet Zisterne, und das Wasser machte den Landsitz schon immer von der Außenwelt unabhängig. Ein eleganter Spa-Bereich, eine Bibliothek, ein Rundgang über das Gelände und diverse Kurse zu Themen wie Wein, Olivenöl oder handgemachte Seife - man muss das "Kinsterna" auch heute nicht wirklich verlassen.

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