Mittwoch, 18. September 2019

Vietnam Fünf Nächte in der größten Höhle der Welt

Vietnam: Spektakuläre Bilder aus der größten Höhle der Welt
TMN

Erst seit 2009 ist die größte Höhle der Welt überhaupt bekannt. Seit Februar dürfen Touristen in den gigantischen natürlichen Steintunnel unter Zentralvietnam. Fünf Nächte unter Tage - ein Trip, der an Grenzen führt.

Phong Nha - Rund 300 Meter unter der Erde liegt der Strand. Feinster goldener Sand. Die Wolken hängen tief. Der Schlafsack ist morgens klamm, im Zelt rollen dicke Tropfen von den Wänden. Beim Zähneputzen am felsigen Abgrund kann man den Dschungel durch die weißen Schwaden kaum erkennen, obwohl er nur wenige hundert Meter entfernt ist. Dorthin will die Gruppe nach dem Frühstück aufbrechen und dann weiter bis zur "Vietnamesischen Mauer" - am Ende der größten Höhle der Welt.

Die Hang Son Doong, die Höhle von Fluss und Berg, liegt im Phong Nha Ke Bang Nationalpark in Zentralvietnam nahe der Grenze zu Laos. In ihrem Innern fließt ein Fluss, der an einigen Stellen reißend, an anderen zahm und manchmal nicht einmal zu sehen ist. Nach jeder Regenzeit bahnt er sich einen neuen Weg durch den steinernen Tunnel.

Wo er schon einmal floss, bleibt Sand zurück. Die Hang Son Doong hat deshalb viele Strände. Und sie ist so gigantisch groß, dass sie ihre eigenen Wolken bildet. "Viele richtig große Höhlen haben ihr eigenes Wolkensystem", erklärt Howard Limbert, den man als Vater von Son Doong bezeichnen kann, wenn man es pathetisch mag.

Howard ist ein Caver, ein Höhlenwanderer. Immer wieder flog der Brite in den vergangenen Jahrzehnten für sein Hobby nach Phong Nha. Die Bewohner kannten irgendwann den Weißen, der ihre Höhlen so mochte. Ein Mann namens Ho Khanh vertraute sich Howard eines Tages an: Vor einigen Jahren, um 1990, habe er im Dschungel eine neue Höhle gefunden. Ziemlich groß dürfte die sein. Sicher sei er aber nicht.

Ein Dschungel unter Tage

Erst 2009 fanden die Männer den Eingang wieder. Howard maß sie nach und nach aus. Schnell stand fest: Was Ho Khanh da im Dschungel gefunden hatte, war die größte Höhle der Welt. Howard zog irgendwann ganz nach Phong Nha, machte das Caving zum Beruf, und arbeitet jetzt für Oxalis, einen Touranbieter, der Touristen Trips durch die Höhlen des Nationalparks organisiert.

"Etwas ganz Besonderes sind bei Son Doong auch die beiden Dschungel", erklärt der 57-Jährige am Abend in einem Hotel am Nationalpark. Vor wenigen Millionen Jahren, als sich das Wasser des Flusses immer weiter durch den Kalkstein fraß und die Höhle wuchs und wuchs, konnte irgendwann das Dach über dem gewaltigen Hohlraum sein eigenes Gewicht nicht mehr tragen und brach zusammen.

Unter dem Durchbruch wuchs dank einer ungewöhnlichen Mischung aus hoher Luftfeuchtigkeit, Licht von oben, Dunkelheit von unten und einer extrem großen Menge uralten Fledermaus-Guanos ein Dschungel. In der Son Doong brach die Decke gleich an zwei Stellen ein.

Im Hotel sitzen acht Touristen im Halbkreis um den kleinen Mann mit der leisen Stimme und dem gutmütigen Lächeln. Es ist ihr vorerst letzter Abend über der Erde. Morgen nimmt Howard sie mit in die Höhle. Sechs Tage wird die Tour dauern.

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