Freitag, 6. Dezember 2019

Spitzbergen Drei Farben blau

Norwegen: Spitzbergen im Winter
TMN

2. Teil: Minenarbeiter versus Arktisforscher - Spitzbergen im Wandel

Mahdi Shabanimash, 31, arbeitet in der Mine Svea. Von Longyearbyen aus fliegen er und die anderen Kumpel jeden Montag mit dem Helikopter 20 Minuten zur Grube. Während der Woche schlafen sie in einem Wohnheim in der Nähe der Mine - am Donnerstag kommen sie zurück.

Hier sitzen sie dann. Eine bunte Truppe mit Shabanimash, der aus dem Iran kommt und seinen Kollegen aus Dänemark, Kanada und Schweden. Menschen aus rund 40 Nationen leben in Longyearbyen. Wer sich einen Alltag im Eis zutraut, kann gut verdienen. Ein einfacher Minenarbeiter bekommt hier 100.000 Euro pro Jahr. Die Steuern sind mit rund 16 Prozent sehr niedrig. Norwegen, das die Inselgruppe verwaltet, will Anreize schaffen, um hier zu leben.

In der Barentssee werden Öl- und Gasvorhaben vermutet. Um diese Schätze zu heben, wäre Spitzbergen ein guter Ausgangspunkt. Seit dem Svalbard-Vertrag von 1920 gilt die Inselgruppe als entmilitarisierte Zone. Der Vertrag legt außerdem fest, dass Menschen aller Staaten, die den Svalbard-Vertrag unterzeichnet haben, auf Spitzbergen wirtschaftlich tätig sein dürfen.

Die Ära von Shabanimash und seinen Kollegen geht zu Ende. Die leicht zugänglichen Kohlenschätze sind fast vollständig abgebaut. Hinzu kommt, dass der Kohleabbau fernab des Festlands zu teuer ist. Außerdem warnen Umweltschützer vor den unkalkulierbaren Folgen, die der Abbau in der der Arktis haben kann.

Spitzbergen ist das Mekka der Arktisforschung

Und so verändert sich seit Mitte der 90er Jahre die Gesellschaft Longyearbyens rasant. Die Kumpel werden weniger. Stattdessen leben immer mehr Forscher auf Spitzbergen. Spitzbergen ist zum Mekka der Arktisforschung geworden. Dazu kommen die Touristen. Seit einigen Jahren legen Kreuzfahrtschiffe auf Spitzbergen an. Im Sommer laufen an vielen Tagen mehr Touristen durch den Ort als Longyearbyen Einwohner hat. Im Juli zählte das Tourismusbüro rund 15.000 Übernachtungen. Zum Vergleich: Im Februar waren es nur 5600.

Mit den Touristen kommen neue Jobs. Mitten in der Arktis stehen nun etwa ein Vier-Sterne-Hotel und ein Gourmet-Restaurant. Es gibt ein Museum, in dem Besucher sehen können, wie die Minenarbeiter um 1900 lebten. Doch mit den Touristen kommen auch neue Probleme. Das fängt bei Kleinigkeiten wie dem Müll an. Der biologisch abbaubare Müll geht in den Fjord. Der Rest muss aufs Festland verschifft werden. Je mehr Menschen kommen, desto größer ist das Müll-Problem.

Noch ein Bier mit Shabanimash. Dann geht es zurück ins Hotel. Wäre nicht die Kälte, man könnte stundenlang die Hauptstraße auf und ab spazieren. Der Schnee knirscht unter den Füßen, um einen herum sind schemenhaft Eisdünen zu erkennen und am Himmel leuchten Tausende Sterne. Und dann taucht plötzlich ein neongrüner Streifen am Horizont auf. Er verändert seine Form und tanzt. Kurz kneift man sich in den Arm - doch das neongrüne Licht bleibt. Nordlichter.

Dunkelblau: Schritt für Schritt geht es den Berg hinauf - immer Trond hinterher. Bloß nicht zurückfallen, er ist der Mann mit dem Gewehr. Auf Spitzbergen leben rund 2000 Menschen und 3000 Eisbären. Sie können für den Menschen gefährlich werden. Im Fall eines Angriffs wegzurennen, ist zwecklos. Eisbären laufen bis zu 40 Stundenkilometer schnell. Diese Gefahr ist in Longyearbyen allgegenwärtig. Alle paar Meter steht ein Warnschild: ein rotes Dreieck mit einem Bären.

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