Sonntag, 15. Dezember 2019

Saskatchewan in Kanada Mounties, Hippies, Wildnis

Kanada: Reise durch Saskatchewan
TMN

Kanada gehört zu den Lieblingszielen der Deutschen, aber das beschränkt sich auf ein paar Regionen. Saskatchewan gehört nicht dazu. Dabei bietet die Provinz atemberaubende Natur, menschenleere Gegenden und Begegnungen der ganz besonderen Art.

Regina - Ganz im Norden von Saskatchewan lebt Rick Stone. "Unsere Provinz hat mehr als 100 000 Seen, und die meisten davon sind in meinem Vorgarten", sagt er und grinst durch seinen grauen Bart. In der ganzen Umgebung leben nur eine Handvoll Menschen, aber der Anteil der früheren US-Amerikaner ist überproportional.

"Wer damals nicht nach Vietnam wollte, bekam zu hören: "Gehe nach Nordsaskatchewan. Da findet Dich niemand."" Aus einem ähnlichen Grunde verirren sich Touristen hierher. Ein paar nur, die aber immer wieder. "Viele sind Deutsche, die für vier, fünf Wochen kommen", sagt Rick. "Wenn ich sie nach dem Grund frage, sagen sie: Weil hier niemand, aber auch wirklich niemand ist."

Der Sommer in diesem Teil Kanadas ist unberechenbar. "Wir haben drei Jahreszeiten - pro Tag", sagen die Einheimischen. Und in der Tat, während es nachmittags schon mal 30 Grad sein können, ist es nachts eiskalt. Minustemperaturen im Juni? "Klar", sagt einer, "das letzte Mal vorgestern." Also zieht man sich nach dem Zwiebelprinzip an. Und hat ein Mückenmittel dabei. Die Kanadier haben einige auf dem Markt. Keiner weiß, ob sie EU-Bestimmungen erfüllen würden, aber sie helfen.

Big River liegt ziemlich in der Mitte von Saskatchewan. Der Ort wurde vor gut 100 Jahren von ein paar Holzfällern gegründet und hat nur etwas mehr als 600 Einwohner, aber immerhin ein halbes Dutzend Kneipen. Das "Third and Main" liegt an der Ecke von Dritter Avenue und Hauptstraße, aber beide Namen sollte man nicht so ernst nehmen. Hier treffen sich bei Bisonwurst und Bier die Nachbarn - auch wenn zwischen den Häusern manchmal Meilen liegen.

Unterm großen Cowboyhut

Im Fernseher läuft Eishockey. Das ist Nationalsport. Aber heute ist es nur das zweite Thema. Wichtiger: Ein Mann aus Big River hat gerade den Lotto-Jackpot gewonnen. 30 Millionen Dollar - "dafür könnte man den Ort kaufen", ruft ein Kneipengast.

Kein Mann und kaum eine Frau ist hier ohne Kopfbedeckung. Manchmal ist es nur eine Baseballmütze, zumeist ein großer Cowboyhut. Selbst in Restaurants wird der manchmal aufbehalten. "Das ist Rancherland", sagt Keltjie, "ich wette, dass einige mit den Dingern sogar duschen." "Meiner hat 400 Dollar gekostet", sagt Gord Vaadeland. "Aber ich trage ihn auch jeden Tag, ständig. Und dann muss es ein guter sein. Auf den hier kann ein Pferd treten. Dann macht es einmal "plopp", und er ist wieder da."

Sein Nachbar Irwin weiß, dass ein solcher Hut das Erste ist, was die Touristen in Saskatchewan oder Alberta kaufen. Und lächeln die Einheimischen darüber wie die Bayern über Japaner, die in München mit Lederhose rumrennen? "Ach, das ist schon okay", sagt Irwin. "Ihr rennt in Deutschland ja schließlich nicht selbst ständig mit Lederhosen rum. Wir hier mit diesen Hüten schon."

Die Indianer nennt man hier First Nations. Sie leben von Casinos in ihren Reservaten. Oder sie verkaufen Handarbeit über Händler. Einer ist David, der in Big River einen kleinen Laden hat. Mokassins gibt es hier ebenso wie bemalte Adlerfedern, Bisonsteaks und Elchleder. Ein großes Einschussloch zeugt von der Originalität.

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