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Malawi: Luxus zwischen Krokos und Hippos

Foto: Monika Hippe

Urlaub in Malawi Edellogdes im Entdeckerland

Es mag ein Widerspruch sein, in einem der ärmsten Länder Afrikas Luxusurlaub zu machen. Aber man fördert damit einen Wirtschaftszweig, der gerade erst erblüht - Malawi setzt auf Tourismus und inszeniert die Schönheit der Natur in edlen Lodges.
Von Monika Hippe

Malawi - "Das warme Herz Afrikas" nennt sich das Land zwischen Tansania, Mosambik und Sambia. Obwohl Malawi eines der ärmsten Länder Afrikas ist, zählen seine Menschen zu den freundlichsten auf dem Kontinent. Die meisten bauen ihr eigenes Gemüse an oder leben von der Arbeit auf Tabak-, Tee- oder Rohrzuckerplantagen, wie schon ihre Vorfahren.

Der Tourismus ist gerade erst am Erblühen. Dabei trumpft das Land mit einer grandiosen und abwechslungsreichen Natur: aussichtsreiche Bergplateaus, dichte Mopanewälder und tierreiche Flusslandschaften sowie Traumstrände am Malawisee, einem der größten Seen der Welt. Eine Reihe von Luxuslodges lockt immer mehr wohlhabende Gäste her. Hier sind sieben der schönsten im Überblick.

Feine Küche: Mkulumadzi Lodge im Majete Wildlife Reservat

Unter hohen Leawood-Bäumen am Shire-Fluss liegen acht luxuriöse Chalets wie dösende Löwen im Schatten. Kofferträger bringen das Gepäck über die wackelnde Hängebrücke in die Lodge. In den geräumigen Zimmern mit riesiger glasloser Fensterfront verschwimmen die Begriffe drinnen und draußen.

Wer will, duscht im Freien - gut möglich, dass dabei ein Warzenschwein an der Outdoordusche vorbeispaziert. Auf einer Nachmittags-Safari rumpelt der Jeep durch den Busch. Es duftet nach afrikanischem Lavendel. "Als es noch keine Moskitonetze gab, hat man die Blätter ins Feuer geworfen, um die Insekten abzuhalten", erzählt Ranger Osman.

Statt der typischen 'Big Five' zeigt er den Gästen die 'Small Five', das sind: Ameisenlöwe, Nashornkäfer, Kurzohrrüsselspringer, Büffelweber und die Leopardenschildkröte. Nächster Stopp ist ein 1600 Jahre alter Baobab, dessen Stamm aussieht, wie mehrere aneinander lehnende Elefantenrüssel. Zurück in der Lodge serviert der Kellner ein exzellentes Menü, liebevoll garniert mit afrikanischen Kräutern.

Teeplantagen: Huntingdon House bei Thyolo

Saftig grüne Hügel erstrecken sich zu Füßen des Mount Thyolo. Inmitten einer der ältesten Teeplantagen Malawis liegt das liebevoll restaurierte ehemalige Herrenhaus. Charmante Steinfußböden und Ölgemälde an den Wänden erzählen Geschichten aus der Kolonialzeit. Beim Abendessen flackern Kerzen auf dem Tisch und ein Feuer im Kamin.

Inhaber Robert Kay erzählt aus den Anfängen der Teeplantage. Sein Vater, der Schotte Maclean Kay, kaufte das Grundstück 1922 von einem Tabakbauern. Nach und nach pflanzte er immer mehr Tee. "Keiner weiß so genau, warum der Tee ausgerechnet hier so gut wächst. Es ist magisch, denn drüben auf der anderen Seite der Brücke ist kein Anbau mehr möglich", sagt Kay.

Jeden Tag schaut der 80-jährige mit weißem Bart noch nach dem Rechten in der Produktion. Pro Jahr werden etwa 2500 Tonnen Schwarztee hergestellt. In der Hochsaison zupfen die Teepflücker 100 Tonnen pro Tag. Bei den Einheimischen ist der Job sehr beliebt. Steigt der Preis für Tee auf mehr als 2,5 Dollar pro Kilogramm, kommt der Überschuss in eine Mitarbeiterkasse aus der nützliche Dinge wie Moskitonetze bezahlt werden.

Teepflücker: Auf der Plantage Satemwa arbeiten 1600 Erntehelfer

Teepflücker: Auf der Plantage Satemwa arbeiten 1600 Erntehelfer

Foto: Monika Hippe

Nashornsafari: Mvuu Wilderness Lodge im Liwonde Nationalpark

Ranger Henry bringt die Gäste über den Shire-Fluss in die einzige Lodge im Liwonde Nationalpark. Sie ist nur per Boot erreichbar. Unterwegs zeigt er ihnen die Schätze der Natur: Aus dem Wasser ragen die Rücken der Nilpferde wie glatt polierte Steine. Am Ufer rascheln Elefanten im Schilf. Über zwei Meter lange Krokodile dösen auf den Sandbänken. Kormorane und Kingfischer hocken auf den Ästen und beäugen das Boot.

Abends am Lagerfeuer vor der Lodge quaken die Frösche ihr Konzert in den Nachthimmel. Sarah Glide lebt seit über 15 Jahren in Afrika. Nach ihren Stationen in Ghana und Sambia ist sie schließlich hier 'hängengeblieben'. Außer ein paar Kollegen hat sie nur wilde Tiere um sich herum. "Ich liebe die Wildnis, jeder Tag bringt eine neue Überraschung", sagt sie, und ihre Augen leuchten dabei.

Mal stampft eine Elefantenherde durchs Camp, dann schlüpft ein junges Krokodil in der Lagune. Das ist fantastisch!", schwärmt sie. Der große Stolz des Nationalparks sind die selten gewordenen Spitzmaulnashörner, von denn es in ganz Afrika nur noch etwa 4800 Tiere gibt. Im Rahmen eines Schutz- und Zuchtprogramm ist es möglich sie während einer angemeldeten Rhino-Tracking-Tour zu Gesicht zu bekommen.

Blick von der Mvuu Lodge: Nilpferde und Krododile fühlen sich in der Lagune besonders wohl

Blick von der Mvuu Lodge: Nilpferde und Krododile fühlen sich in der Lagune besonders wohl

Foto: Monika Hippe

Madonna life: Kumbali Lodge bei Lilongwe

Für ein Leben in der Wildnis haben sich auch die Südafrikaner Guy und Maureen Pickering entschieden. Sie betreiben die Kumbali Lodge bei Lilongwe mit einer 1500 Hektar großen Farm. Dort bauen sie Kohl, Spinat, Tomaten, Bohnen und Kürbis in Permakultur an.

Die 16 Zimmer hat Guy - dessen Stimme rauchiger klingt, als die von Rod Steward - selbst gebaut. Etwa einmal im Jahr wird die Zufahrtsstraße komplett gesperrt. Dann kommt Popikone Madonna und quartiert sich in Lodge Nummer fünf ein. "Wir sind alle begeistert von ihr", sagt Maureen. "Sie hat so viel für das Land getan. Sie unterstützt Schulen, Kranken- und Waisenhäuser. Jedes Jahr bringt sie nach Möglichkeit ihre aus Malawi adoptierten Kinder mit und schaut, dass der Kontakt zu deren Familien hält."

Neben den geräumigen Zimmern mit dunklen Holzmöbeln und Kingsize-Betten bieten Maureen und Guy auch Abenteuerschlafen in afrikanischen Rundhütten an. Statt Fernseher steht eine Kerze neben dem Bett, nachts lauscht man den Erzählungen der Wildnis, hier ein Rascheln, dort ein Lachen der Hyänen.

Lachende Gastgeber: Guy und Maureen Pickering von der Kumbali Lodge

Lachende Gastgeber: Guy und Maureen Pickering von der Kumbali Lodge

Foto: Monika Hippe

Festival und Vogelsafari: Makokola Retreat am Malawisee

David Livingstone war nach eigener Erkenntnis der erste Weiße, der - im Jahr 1859 - den Malawisee erblickte. Dieser gehört mit knapp 24.000 Quadratkilometern zu den zehn größten Seen der Erde. Auf der Landkarte hat er die Form einer nach Süden kriechenden Raupe - in Deutschland würde sie von Lüneburg bis München reichen.

Das Wasser glitzert, als wären nachts tausende Sterne vom Himmel gefallen. Dieses Funkeln verpasste dem See den Spitznamen "Lake of stars" und gab Anlass zu einem jährlichen Festival am Bilderbuchstrand des Makokola Resorts. Andere sagen, der Name rühre daher, dass nachts die Paraffinlampen unzähliger Fischerboote sternengleich leuchten.

Gilson - der ein bisschen aussieht wie Morgan Freeman - flitzt mit Urlaubern im Motorboot zu einem vorgelagerten Vogelfelsen und lockt dort lebende Seeadler mit frischen Brassen an. Der See gilt auch als Paradies für Ornithologen und Hobby-Vogelkundler.

Natur pur: Mumbo Island Camp im Malawisee

Inmitten der - auf dem Wasser funkelnden - Sterne liegt das Urlauber-Paradies Mumbo Island, ein beliebtes Ziel für Ruhebedürftige und Honeymooner. Manche mieten gleich die ganze Insel. Nach einer Stunde kennt jeder jeden, denn nur 14 Personen können hier in sieben Zelten übernachten.

Der Luxus ist die Abgeschiedenheit: Es gibt keine Straßen, keine Autos, keine Elektrizität, nicht mal Geld. Die Abrechnung für den Aufenthalt erfolgt am Festland. Kristallklares Wasser schwappt an den feinen Sandstrand. Beim Tauchen und Schnorcheln begegnet man Mini-Waranen und bunt leuchtenden Tropenfischen und den 'Mbuna', eine Unterart der Cichlids, die nur im Malawisee vorkommen. Der südliche Teil des Sees wurde von der Unesco zum ersten Süßwassernationalpark der Welt gekürt. Hier leben über 800 Arten von Buntbarschen. Fast alle Buntbarsche aus privaten Aquarien weltweit stammen aus dem Malawisee.

Mumbo Island: Kein Geld, keine Straßen, keine Autos

Mumbo Island: Kein Geld, keine Straßen, keine Autos

Foto: Monika Hippe

Sundowner im See: Pumulani Lodge am Cape Maclear

In einer malerischen Bucht im Lake Malawi Nationalpark verstecken sich im Pflanzendickicht die zehn Villen der Pumulani Lodge. Gut getarnt mit Grasdächern erkennt man sie kaum. Das Interieur überrascht umso mehr. Jede Villa ist individuell gestaltet und großzügig geschnitten. Hier hat die ganze Familie genügend Platz. Von der Riesen-Terrasse aus kann man beobachten, wie die Affen durch die Bäume turnen. In einigen Badezimmern blickt man sogar von der Badewanne auf den See.

Spektakulär sind die Sonnenuntergänge. Deshalb geht es am Abend zum Sundowner mit dem Segelboot hinaus. "Man nennt ihn auch See der Stürme", sagt Skipper Binero Rewson und winkt den Fischern zu, die in ihren Dugouts vorbeischippern. Wenn der 'Mwera' sich ankündigt, haben Segler lieber das Ufer schon erreicht. Der starke Südostwind peitscht das Wasser wie auf dem Meer. Zurück im Hotel lassen die Betreiber Mona und Robin Walsh auf der Terrasse schmackhaften Fisch und internationale Gerichte servieren.

Gut getarnt: Der Eingang zu einer der Villen der Pumulani Lodge

Gut getarnt: Der Eingang zu einer der Villen der Pumulani Lodge

Foto: Monika Hippe