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Gorillas: Aug in Auge mit den Riesen des Dschungels

Foto: Adrienne Friedlander

Gorilla-Safari in Uganda Familientreffen im Urwald

Im Südwesten Ugandas auf 2000 Metern Höhe liegt der Bwindi Impenetable Nationalpark. Noch 100 Meter höher befindet sich die Clouds Mountain Gorilla Lodge. Die Luxusherberge am Rande des Regenwaldes ist Ausgangspunkt für Trekkingtouren in die Welt der Berggorillas.
Von Adrienne Friedlaender

Bwindi - Eben noch peitschte der Wind über den Regenwald und um die Dächer der Lodge. Jetzt ist es still. Noch bevor die Sonne die ersten Strahlen über den Dschungel schickt, vertreibt sie an der Schwelle des Tages Wind und Dunkelheit. Und während wir uns um 6 Uhr morgens mit Toast, Eiern und Speck für das Afrika-Abenteuer stärken , geht über den Virunga-Vulkanen leuchtend rot die Sonne auf. Gorilla-Tracking ist nichts für Langschläfer.

Ausgerüstet mit festen Stiefeln und Stulpen, Wanderstock, dicken Handschuhen, Sonnenhut, Proviant und sechs Flaschen Wasser machen wir uns mit dem Geländewagen auf den Weg. In der Nacht hat es wieder geregnet. Und noch hängen die Wolken tief über den Wäldern. Frauen in bunten Kleidern balancieren Wasserkanister auf ihrem Kopf, ein Mann treibt eine Handvoll Ziegen über die rote Schotterstraße und ein paar Kinder in Schuluniformen laufen neben dem Wagen her. "Muzungu, Muzungu" - "Weiße" - rufen sie.

Nach 20 Minuten über die holprige Landstraße erreichen wir Rushaga. Hier befindet sich einer der Haupteingänge zum Bwindi Nationalpark. Und hier wartet schon Benson Kanyonyi im Informations-Pavillion . Er ist Ranger der Uganda Wildlife Authority und bereitet die Teilnehmer auf das Gorilla-Erlebnis vor.

Jahrzehnte lang trieb die Armut die Bevölkerung zur Wilderei in den undurchdringlichen Regenwald und die Berggorillas waren vom Aussterben bedroht. Jetzt nimmt die Population langsam wieder zu: durch die touristische Erschließung der Gebiete, den Einsatz von Park-Rangern und tierärztliche Überwachung der Tiere.

Die Gorillas finanzieren Hilfsprojekte

Heute leben etwa 400 Berggorillas im Bwindi-Park und im gesamten östlichen Afrika um die 880 Tiere. Zahlreiche Hilfsprojekte werden mittlerweile durch die Gorilla-Einnahmen finanziert. Dadurch hat sich auch das Bewusstsein der lokalen Bevölkerung für die Tiere verändert. Denn nachhaltiger und umweltschonender Tourismus stärkt die Region wirtschaftlich. Und ist damit das effektivste Mittel, um die grauenvolle Wilderei in den Griff zu bekommen.

"Was ist Tracking?" beginnt Benson seine Einführung und stellt für uns Unwissende erst mal klar, dass es sich hier nicht um Gorilla-Trekking, das heißt eine übliche Wanderung handelt. "Tracking bedeutet, den Spuren der Gorillas durch den Dschungel hinauf in die Berge zu folgen. Und zwar auf bis zu 2400 Meter. Und die Gorillas halten sich nicht an Verabredungen", fügt er hinzu und lacht über das ganze Gesicht. "Vielleicht folgen wir ihnen ein paar Stunden, vielleicht dauert es den ganzen Tag, bis wir sie gefunden haben."

Rund 10.000 Besucher kommen jährlich nach Uganda und in den Bwindi-Park, um die Waldriesen in ihrem natürlichen Lebensraum zu sehen. Und dafür gelten zum Schutz der seltenen Tiere strenge Regeln: nur eine Gruppe pro Tag und höchstens acht Teilnehmer darf eine der Gorillafamilien für maximal 60 Minuten besuchen. Um die Übertragung von Krankheiten auf die empfindlichen Urwaldbewohner zu verhindern, beträgt die vorgeschriebene Distanz sieben Meter. Und möglich ist das Abenteuer auch nur mit einer Permit, einer speziellen Gorilla-Genehmigung, die zur Zeit für 600 US-Dollar angeboten wird.

Eine 99prozentige Gorilla-Garantie

Am Gorilla-Tracking kann jeder teilnehmen. "Es erfordert allerdings eine gesunde körperliche Konstitution und eine mittlere Fitness", warnt Benson die Besucher. Aber obwohl einige der Teilnehmer jetzt etwas verunsichert unter dem Tropenhelm hervorschauen, möchte keiner zurückbleiben. Benson nickt zufrieden und fügt beruhigend hinzu: "Im Notfall können Sie sich dann immer noch zurück tragen lassen." Der Preis für den Dschungel-Transport-Service wird nach Gewicht und Anzahl der Träger berechnet und liegt bei etwa 300 Dollar. Besser also man folgt der abschließenden Aufforderung des Rangers: "Make your mind strong, make your body strong!"

Vor dem Pavillon, aufgereiht auf einer Bank, sitzen 20 Porter. Junge Männer und Frauen in grauen Anzügen und Gummistiefen, die auf Wunsch für 15 Dollar die Gäste begleiten, Proviant tragen und auch bei schwierigem Gelände zur Hand gehen. Die Teilnehmer werden auf die verschiedenen Gruppen aufgeteilt. Jede davon besucht eine andere Gorilla-Familie.

Unsere Gruppe wird von Guide David geführt, Dennis und Julias sind bewaffnet und für die Sicherheit zuständig. Dazu haben wir drei Porter angeheuert. Die Garantie Gorillas zu sehen, beträgt 99 Prozent, hatte Benson bei der Einweisung erklärt. Sollte keiner der Regenwald-Riesen auftauchen, gibt es 50 Prozent zurück. So haben sich schon lange vor unserem Aufbruch zwei Scouts auf den Weg gemacht, um die Gorillas aufzuspüren.

Privatterrasse mit Vulkanblick

Kaum ein Lichtstrahl dringt mehr durch das Baumkronendach des Regenwaldes. Den befestigten Weg haben wir lange hinter uns gelassen. Wir balancieren auf Baumstämmen über Bäche, rutschen auf dem Hosenboden Abhänge hinunter, hangeln uns an Zweigen und Lianen die Hügel hinauf. So klettern wir mehr als dass wir wandern über einen Teppich aus Wurzeln, Blättern und Farn.

Vor uns, im grünen Tarnanzug und mit einer Machete bewaffnet, David . Er schlägt für uns eine Schneise in das undurchdringliche Dickicht des Dschungels. Vor etwa einer Stunde haben die Scouts die Gorilla-Familie gesichtet und über Walkie-Talkie ihren Standort bekanntgegeben. Seitdem sind wir ihnen auf den Spuren.

Zum Glück haben wir eine geruhsame Nacht in der Lodge hinter uns. Dort bieten acht Cottages aus Vulkanstein Platz für Privatsphäre, Komfort und Luxus für 16 Besucher. Die Zimmer der Zweiraum-Häuser sind komfortabel und in hellen Farben eingerichtet. Es gibt einen offenen Kamin, die Wände sind mit Kunstwerken afrikanischer Maler geschmückt und von der privaten Terrasse blickt man über das Great Rift Valley bis zu den Gipfeln der Virunga Vulkane im Grenzgebiet zu Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo.

Bei Gefahr möglichst affenartig verhalten

Blüten und Blätter, Früchte und exotische Pflanzen - auf unserer Wanderung durch den feuchten Wald hat uns bis hierher das würzige Aroma des Regenwaldes begleitet, jetzt stinkt es plötzlich bestialisch. Angelockt von dem strengen Geruch schwirren Millionen winziger Fliegen über der Lichtung. Alarmiert hebt Ranger David die Hand. So riecht nur ein Silberrücken, ein erwachsener männlicher Gorilla.

Lautlos verharren wir auf der Stelle, halten den Atem an, versuchen angestrengt mit unseren Blicken das Dickicht zu durchdringen. Es knackt im Gebüsch und wirklich taucht hinter einem Busch der etwa 1,80 Meter große und knapp 200 Kilo schwere Boss der Gruppe, auf. Gemächlich schreitet er in wenigen Metern Entfernung an uns vorbei.

Nach und nach taucht nun der Rest seiner Familie auf: Wir entdecken einen jungen Gorilla, der es sich hoch über uns in einer Baumkrone gemütlich gemacht hat. Eine Gorilla-Dame sitzt auf dem Waldboden, zupft Blätter von einem Strauch und schiebt sich genüsslich eine Handvoll nach der nächsten in den Mund, ein paar Schritte weiter rangeln zwei Halbstarke spielerisch miteinander und nur wenige Meter vor uns stolziert eine Gorilla-Mutter mit ihrem Baby auf dem Rücken an uns vorbei.

Von Natur aus haben Gorillas Angst vor Menschen. Flüchten bei Begegnung, oder reagieren aggressiv auf Menschen und greifen an. Nur durch die sogenannte "Habituation" ist überhaupt möglich, sich den Gruppe zu nähern. Die Gewöhnung an Menschen ist ein langer und behutsamer Prozess. Zwei Jahre lang verbringen die Ranger täglich mehrere Stunden bei der Gorilla-Familie, bis die Tiere sich an den Anblick von Menschen gewöhnt haben und ihre Gegenwart in ihrem Lebensraum tolerieren.

Freundliches Knurren hat Erfolg

"Normalerweise akzeptieren uns die Gorillas als Besucher", erklärt David. "Sollten die Tiere dennoch in Stress geraten und aggressiv werden hilft nur eins: affenartiges Verhalten: freundlich Knurren, Hinhocken, Blätter von den Bäumen zupfen und in den Mund stecken, Fell kratzen, bescheiden den Blick abwenden." Gurrend schleicht David näher an die achtköpfige Familie heran. Die Gorillas beobachten uns zwar wachsam, bleiben aber entspannt. Die Gorilla-Mutter hält nun ihr Baby schützend im Arm und stillt es während sie uns mit ihren warmen braunen Augen anschaut. Wer einmal einem Gorilla in die Augen geschaut hat, wird es nie vergessen.

Abwechselnd versuchen wir uns im freundlichen Knurren. Offensichtlich mit Erfolg. Die Gorillas sind so entspannt, dass ein neugieriger Halbstarker den obligatorischen Sicherheitsabstand völlig ignoriert, sich von hinten einer jungen Frau näher, und ihr zart über den Kopf streichelt.

Links von uns taucht plötzlich ein weiterer Silberrücken aus dem Dickicht auf. Im Imponiergehabe richtet sich der Gorilla-Gigant zu seiner vollen Körpergröße auf. Es sind aber nicht die Menschen, die ihn beunruhigen, sondern sein Rivale gegenüber. Der Alpha-Affe trommelt sich furchterregend mit den Fäusten auf die Brust, stößt einen grunzenden Ton aus und rennt wutschnaubend, dicht an uns vorbei, auf seinen Kollegen zu. Dann aber ändert er unvermittelt seine Pläne. Springt in affenartiger Geschwindigkeit auf einen Teilnehmer unsere Gruppe zu und versucht, ihm die Kamera aus der Hand zu reißen. Das Recht am eigenen Bild gilt auch im Regenwald.

Wenig später deutet David mit dem Zeigefinger auf seine Uhr. Unsere Besuchszeit ist um. Der Silberrücken und seine Familie ziehen weiter und sind nach kurzer Zeit im undurchdringlichen Dickicht verschwunden. Wir bleiben zurück. Die Begegnung bei den sanften Riesen des Regenwaldes erscheint wie ein Traum.

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