Samstag, 21. September 2019

Gorilla-Safari in Uganda Familientreffen im Urwald

Gorillas: Aug in Auge mit den Riesen des Dschungels
Adrienne Friedlander

3. Teil: Bei Gefahr möglichst affenartig verhalten

Blüten und Blätter, Früchte und exotische Pflanzen - auf unserer Wanderung durch den feuchten Wald hat uns bis hierher das würzige Aroma des Regenwaldes begleitet, jetzt stinkt es plötzlich bestialisch. Angelockt von dem strengen Geruch schwirren Millionen winziger Fliegen über der Lichtung. Alarmiert hebt Ranger David die Hand. So riecht nur ein Silberrücken, ein erwachsener männlicher Gorilla.

Lautlos verharren wir auf der Stelle, halten den Atem an, versuchen angestrengt mit unseren Blicken das Dickicht zu durchdringen. Es knackt im Gebüsch und wirklich taucht hinter einem Busch der etwa 1,80 Meter große und knapp 200 Kilo schwere Boss der Gruppe, auf. Gemächlich schreitet er in wenigen Metern Entfernung an uns vorbei.

Nach und nach taucht nun der Rest seiner Familie auf: Wir entdecken einen jungen Gorilla, der es sich hoch über uns in einer Baumkrone gemütlich gemacht hat. Eine Gorilla-Dame sitzt auf dem Waldboden, zupft Blätter von einem Strauch und schiebt sich genüsslich eine Handvoll nach der nächsten in den Mund, ein paar Schritte weiter rangeln zwei Halbstarke spielerisch miteinander und nur wenige Meter vor uns stolziert eine Gorilla-Mutter mit ihrem Baby auf dem Rücken an uns vorbei.

Von Natur aus haben Gorillas Angst vor Menschen. Flüchten bei Begegnung, oder reagieren aggressiv auf Menschen und greifen an. Nur durch die sogenannte "Habituation" ist überhaupt möglich, sich den Gruppe zu nähern. Die Gewöhnung an Menschen ist ein langer und behutsamer Prozess. Zwei Jahre lang verbringen die Ranger täglich mehrere Stunden bei der Gorilla-Familie, bis die Tiere sich an den Anblick von Menschen gewöhnt haben und ihre Gegenwart in ihrem Lebensraum tolerieren.

Freundliches Knurren hat Erfolg

"Normalerweise akzeptieren uns die Gorillas als Besucher", erklärt David. "Sollten die Tiere dennoch in Stress geraten und aggressiv werden hilft nur eins: affenartiges Verhalten: freundlich Knurren, Hinhocken, Blätter von den Bäumen zupfen und in den Mund stecken, Fell kratzen, bescheiden den Blick abwenden." Gurrend schleicht David näher an die achtköpfige Familie heran. Die Gorillas beobachten uns zwar wachsam, bleiben aber entspannt. Die Gorilla-Mutter hält nun ihr Baby schützend im Arm und stillt es während sie uns mit ihren warmen braunen Augen anschaut. Wer einmal einem Gorilla in die Augen geschaut hat, wird es nie vergessen.

Abwechselnd versuchen wir uns im freundlichen Knurren. Offensichtlich mit Erfolg. Die Gorillas sind so entspannt, dass ein neugieriger Halbstarker den obligatorischen Sicherheitsabstand völlig ignoriert, sich von hinten einer jungen Frau näher, und ihr zart über den Kopf streichelt.

Links von uns taucht plötzlich ein weiterer Silberrücken aus dem Dickicht auf. Im Imponiergehabe richtet sich der Gorilla-Gigant zu seiner vollen Körpergröße auf. Es sind aber nicht die Menschen, die ihn beunruhigen, sondern sein Rivale gegenüber. Der Alpha-Affe trommelt sich furchterregend mit den Fäusten auf die Brust, stößt einen grunzenden Ton aus und rennt wutschnaubend, dicht an uns vorbei, auf seinen Kollegen zu. Dann aber ändert er unvermittelt seine Pläne. Springt in affenartiger Geschwindigkeit auf einen Teilnehmer unsere Gruppe zu und versucht, ihm die Kamera aus der Hand zu reißen. Das Recht am eigenen Bild gilt auch im Regenwald.

Wenig später deutet David mit dem Zeigefinger auf seine Uhr. Unsere Besuchszeit ist um. Der Silberrücken und seine Familie ziehen weiter und sind nach kurzer Zeit im undurchdringlichen Dickicht verschwunden. Wir bleiben zurück. Die Begegnung bei den sanften Riesen des Regenwaldes erscheint wie ein Traum.

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