Mittwoch, 13. November 2019

Eisbaden in Nordschweden Brrrrrrr

Eisbaden: Auf Kälte-Kurs in Nordschweden
TMN

Brrr! Die Zähne klappern schon an Land. Wie soll es dann erst im ein Grad kalten Wasser sein? Freiwillig probieren das wohl die wenigsten aus. Nur Eisschwimmer - und solche, die es bei einem Kurs in Nordschweden werden wollen.

Skellefteå - Als erstes kommt der Schock. Es ist zu kalt, meldet der Körper dem Gehirn und schüttet Noradrenalin aus. Das löst eigentlich einen Fluchtreflex aus. Aber fliehen will hier keiner, alle steigen freiwillig in das dunkle Loch im Eis: Ein Kurs im Winterschwimmen setzt voraus, sich zu überwinden.

Jarkko Enqvist steht auf einem zugefrorenen Fluss in Skellefteå in Nordschweden, das Thermometer zeigt knapp unter null Grad. Ungewöhnlich warm für die Jahreszeit. Jarkko kommt aus Finnland, so wie das Winterschwimmen auch, sagt er. Dort tauchen jeden Winter Tausende Menschen ins eiskalte Wasser. In Schweden ist der Kreis der Eisschwimmer bislang eher klein, Jarkko will das ändern.

Zusammen mit Freunden und Bekannten hat er die Dark and Cold Association gegründet, die seit drei Jahren Meisterschaften im Winterschwimmen ausrichtet und auch Kurse anbietet, in Skellefteå in der Provinz Västerbotten.

Das Herz pumpt, die Atmung rast

Als zweites kommt das Verkrampfen. Es fühlt sich an, als wären alle Muskeln im Körper angespannt. Das Herz pumpt, die Atmung rast. Fast schon ein Hecheln. Jetzt kontrollierter atmen, hatte Jarkko gesagt. Langsam ein, langsam aus, langsam ein, langsam aus. Ein, aus.

Jarkko zieht eine Plane mit eingewickelten Holzstücken vom Eisloch. So bleibt es den Winter über offen. Denn es ist gar nicht so leicht, ein passend großes Rechteck aus dem Eis zu heben. Eine Motorsäge muss dafür her - und deren Blatt muss lang genug sein, um sich durch 40, manchmal auch 70 Zentimeter Eis zu schneiden. Dünne Eisschollen schwimmen auf der Wasseroberfläche. Jarkkos Frau Tiina schöpft sie mit einer großen schwarzen Kelle ab.

Unter den Schwimmneulingen ist Anna Lindfors. Sie arbeitet für die Tourismusagentur von Skellefteå, in einen zugefrorenen Fluss hat sie sich bisher noch nicht gewagt. Ein wenig nervös ist sie, Jarkkos Worte helfen da nur bedingt: "Am Anfang habt ihr Schwierigkeiten zu atmen", sagt er. Deshalb geht es erst bis zur Hüfte ins Wasser, einatmen, dann untertauchen bis zum Hals, dabei ausatmen.

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