Donnerstag, 5. Dezember 2019

Altmühltal Eine Schlemmertour

Altmühltal: An der Quelle
TMN

Den Naturpark Altmühltal kann man gut als Wanderer oder Radler erkunden. Dabei gibt es auch kulinarisch einiges zu entdecken - vom Lamm-Fleischpflanzerl bis zum Klosterbier.

Eichstätt - Zwischen Wacholderbüschen, Wildrosen, Schlehen und Weißdorn zieht Alfred Eichhorn mit seinen Schafen über den steilen Talhang. "Die Südhänge des Altmühltals haben im Sommer Temperaturen wie in der Toskana, es kann bis zu 60 Grad heiß werden", sagt der Hüteschäfer aus Schernfeld. Ab Mitte April bis in den September hinein ist die Herde mit über 500 Mutterschafen und Lämmern auf den kargen Kalksteinböden unterwegs. Eichhorn ist einer von einem halben Dutzend Hüteschäfern, die für den Erhalt der seltenen Trockenrasenböden sorgen. "Durch die Beweidung bleibt die typische Juralandschaft des Naturparks Altmühltal gesichert."

Oben steht Schäfer Eichhorn am Hang, unten radeln die Urlauber entlang der Altmühl auf dem 167 Kilometer langen Radweg, der von Gunzenhausen bis zur Mündung in die Donau bei Kelheim führt. Wanderer sind auf dem 200 Kilometer langen Altmühltal-Panoramaweg unterwegs, der zu Deutschlands schönsten Wanderrouten zählt. Der schmale Pfad windet sich über die Talhänge links und rechts des Flüsschens Altmühl und bietet immer wieder imposante Ausblicke.

Links und rechts der Altmühl fällt der Blick aber auch in Kochtöpfe: "Mit dem Lamm fing in unserer Region alles an", sagt Christoph Würflein vom Tourismusverband Naturpark Altmühltal in Eichstätt. Noch bis in die 1980er Jahre galten Lammgerichte hier als Arme-Leute-Mahlzeit. Mehr als zehn Jahre später starteten Schäfer, Landschaftspfleger, Gastwirte und Touristiker eine gemeinsame Initiative rund um das Altmühltaler Lamm. Heute tischen mehr als 30 Hotels, Restaurants und Gasthäuser die regionale Spezialität auf.

Auch im historischen Gasthaus Stirzer in Dietfurt schmort und brutzelt Lammfleisch in Töpfen und Pfannen: Fleischpflanzerl vom Altmühltaler Lamm mit lauwarmen Kartoffel-Feldsalat ist eine der Spezialitäten von Küchenchef Sepp Hierl. Wie viele Gastwirte entlang der Altmühl hat auch Hierl auf der Speisenkarte die genaue Herkunft von Fleisch, Obst und Gemüse aufgelistet.

Frisches Wasser aus der Quelle

Zünftig geht es zu beim Kellerfest der Brauerei Gutmann in dem 680-Seelen-Dorf Titting an der Anlauter, einem Nebenfluss der Altmühl. Die Gutmanns führen eine von mehr als 30 Brauereien entlang der Altmühl. Bei ihnen wird stets am vorletzten Augustwochenende unter den 250 Jahre alten Kastanien am Brauhaus gefeiert. Es gibt Blasmusik, Ochs' am Spieß, Haxen und Weißwürste. Dazu süffiges Helles sowie dunkles oder helles Weizenbier. Juniorchef Michael Gutmann leitet die mehr als 300 Jahre alte Brauerei, die seit 1855 im Besitz der Gutmanns ist: "Landwirte aus dem fränkischen Jura liefern uns das Getreide, der Hopfen kommt aus der Hallertau und aus Spalt im nahen fränkischen Seenland. Und das Brauwasser stammt aus dem karstigen Juragestein. Es hat eine angenehme Härte."

Vom guten Jurawasser schwärmt auch der Forellenzüchter Hans Schmidtner in Biberbach. Bach- und Lachsforellen, Saiblinge und Regenbogenforellen gedeihen gut im Quellwasser des Biberbaches. "Selbst in der Hitze des Hochsommers bleibt das Wasser kühl", sagt Schmidtner. "Das mögen die Fische, die auch für Gasthäuser in Beilngries, Berching und Dietfurt bestimmt sind."

Brot vom eigenen Getreide, Kartoffeln, Weißkraut, Kohl und Karotten aus dem eigenen Anbau - für Bruder Bonifatius im Benediktinerkloster Plankstetten ist das naheliegend. "In unserer Tradition sind wir mit dem Land verbunden", erklärt der Bäckermeister, der die Klosterbetriebe leitet. Die Ordensleute setzen bereits seit 1994 auf ökologischen Landbau, im Klosterladen gibt es Bio-Gemüse und -fleisch.

Gleich nebenan im Gästehaus können gestresste Zeitgenossen für ein paar Tage abschalten und beim Klosterleben auf Zeit zu sich selbst finden. Die einfachen Zimmer haben weder Telefon, Fernsehen noch Internetanschluss. Zudem bieten die Patres Führungen auf den klostereigenen Gutshof, dem Staudenhof an. "Viele Gäste erleben bei uns zum ersten Mal den Kreislauf vom Getreidefeld bis zum Brotlaib", erzählt Bruder Bonifatius.

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