Sonntag, 8. Dezember 2019

Arosa im Sommer Der Berg ruft

Arosa: Bergluft schnuppern
TMN

Arosa ist auch im Sommer eine Reise wert. Die Saison beginnt spät. Aber vor allem Wanderer und Mountainbiker haben rund um das ehemalige Walserdorf etliche Möglichkeiten, sich auszutoben. Und zur Belohnung geht es mit der Bergbahn dann hoch bis aufs Weisshorn.

Arosa - Arosa gehört zu den bekanntesten Tourismusorten Graubündens. Aber viele denken bei dem ehemaligen Walserdorf vor allem an Pistenspaß im Winter. Das ist auch kein Wunder, jahrzehntelang war es hauptsächlich ein Ziel für die schneereichen Monate - und auf Schnee ist in Arosa Verlass. Aber es hat auch im Sommer einiges zu bieten: den Golfplatz mit einer der spektakulärsten Aussichten Graubündens, die Gondelbahn hoch aufs Weisshorn mit Blick auf etliche Bergriesen, zahllose Wanderwege, an denen Blumen blühen und Eichhörnchen durchs Gebüsch springen.

Schon die Anreise mit der Rhätischen Bahn ist ein Erlebnis. Die Lokomotive mit den roten Waggons startet auf Gleis zwei am Bahnhof von Chur, der Hauptstadt des Kantons. Bis Arosa sind es nicht einmal 30 Kilometer. Aber es geht fast permanent bergauf - über 1000 Höhenmeter. Die Fahrt dauert eine Stunde. Mit dem Auto ist man 15 Minuten schneller, aber man fährt durch so viel Kurven, wie das Jahr Tage hat. Und für größere Busse wird es ganz schwierig.

Die Zugpassagiere haben also viel Zeit, sich mit der Schweizer Alpenlandschaft vertraut zu machen: grüne Hänge, Fichten, Buchen und Birken gruppieren sich zu Wäldchen entlang der Strecke. Die Bahnhofshäuschen sind aus dunklem Holz wie aus der Zeit, als Heidi und Peter noch Ziegen hüteten. Hier ein Wasserfall, da eine Schlucht, durch die ein Bergbach rauscht. Ein Bauer wendet Heu mit einem Rechen, am Horizont sieht man die ersten schneebedeckten Berggipfel, von denen Arosa umgeben ist. Immer wieder legt sich der Zug in die Kurve, manchmal quietscht er ausdauernd.

Ganz ruckelfrei fährt er selten, regelmäßig geht es durch Tunnel, und die Fahrgäste sitzen plötzlich im Dunkeln. Aber trotzdem gibt es keine bessere Alternative, sich durch Graubünden zu bewegen als die Rhätische Bahn, gerade auf dem Weg nach Arosa. In diesem Jahr steht ein doppeltes Jubiläum an: Die Rhätische Bahn selbst wird 125 Jahre alt, die Strecke Chur - Arosa genau ein Jahrhundert.

Anfang Juni liegt oft noch Schnee

Als sie gebaut wurde, war das ein Kraftakt, aber mit enormen Folgen. Für manches Bergdorf brachte die Bahn den Anschluss an die Zivilisation, in andere spülte sie die Touristen. Nach Arosa kamen die Gäste zunächst vor allem wegen des heilsamen Hochgebirgsklimas: Das Dorf hatte - wie Davos - einen guten Ruf für seine Sanatorien, in denen Tuberkulosepatienten behandelt wurden.

Die Zeiten sind vorbei. Heute gehört Arosa zu den Alpine Pearls, einem Verbund von Tourismusorten in den Alpen, die auf sanfte Mobilität setzen und die beispielsweise gut per Bahn zu erreichen sind. Arosa ist überschaubar, die Wege sind kurz, vom Rathaus bis zum Bergkirchlein sind es nur wenige Minuten. Autofrei ist der Ort aber nicht. Dafür ist der Bahnhof zentral gelegen - direkt neben dem Obersee, an dessen Promenade sich Bänke reihen und auf dem Touristen mit dem Ruderboot hin- und herfahren. Und direkt neben der Station der Weisshornbahn.

Seit Mitte Januar ist außerdem die neue Urdenbahn samt Designerkabinen mit großen Sichtfenstern in Betrieb, die die beiden Skigebiete Arosa und Lenzerheide verbindet. Dadurch ist das größte Skigebiet Graubündens entstanden. Die Verantwortlichen bejubelten das als "Jahrhundertprojekt" mit dem Slogan "Die Schweiz hat ein neues Traumpaar". Die Wintersaison dauert von Dezember bis Ostern. Danach ist tote Hose. Die Sommersaison beginnt spät, exakt mit dem kalendarischen Sommeranfang am 21. Juni. Anfang Juni liegt in dem Bergdorf auf fast 1800 Metern Höhe oft noch Schnee. Vergangenes Jahr gab es um die Zeit sogar noch eine Lawinensprengung.

Aber bald danach blüht es kräftig - Klee und Löwenzahn zum Beispiel schon auf dem Weg durchs Dorf, als Vroni mit ihrer Wandergruppe zu einer Halbtagestour aufbricht. Wandern ist traditionell eine der Hauptaktivitäten der Sommergäste, und Gelegenheit dazu gibt es mehr als genug.

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung