Mittwoch, 22. Mai 2019

Grüne Schluchten, blaue Haie Ein Hoch auf die Azoren

Azoren mit Adrenalinkick: Grüne Schluchten und blaue Haie
TMN

Die Azoren im Nordatlantik sind ein Natur- und Wanderparadies - und ein Traum für adrenalinsüchtige Taucher, Walbeobachter und Schluchtenwanderer.

Horta - Der Blick in die Tiefe ist ein wenig unheimlich. Die Taucher halten sich wenige Seemeilen vor der Küste der Azoreninsel Faial an zwei mit dem Schlauchboot verbundenen Ketten in zehn Meter Tiefe fest und schauen gespannt ins unendliche Blau des Atlantischen Ozeans. Ein Gefühl, als schwebe man wie ein Astronaut im Nichts.

Plötzlich unterbrechen schwarze Schatten, die sich in Formation von unten annähern, die Einsamkeit in der Weite des Ozeans. Fünf Blauhaie tauchen langsam aus der Tiefe auf und nähern sich. Der Traum eines jeden Tauchers geht in Erfüllung. Die Azoren sind einer der wenigen Plätze auf der Welt, an denen es überhaupt möglich ist, mit einem der schnellsten Raubfische der Ozeane zu tauchen. Auch Hammerhaie und Makohaie trifft man hier gelegentlich an.

Während die Gewässer vor der Nachbarinsel Santa Maria vor allem für Walhaie bekannt sind, gibt es hier am Unterwasserberg Condor vor Faial fast eine Garantie, mit den seltenen Blauhaien zusammenzutreffen. Norberto Serpa, Portugals Tauchlegende, hat neben Fischblut und kleineren Fischresten auch riesige Thunfischköpfe in die Köderbox geschmissen, deren Geruch die Haie aus der Tiefe des Ozeans lockt.

Anmutig umkreisen die imposanten Raubfische die Taucher mit der Köderbox in der Mitte. Sie kommen immer näher - zu nahe! "Die Haie sind neugierig und werden versuchen herauszufinden, wer und was ihr seid. Um das zu verhindern, müsst ihr ruhig und senkrecht im Wasser stehen und dem Hai immer in die Augen schauen", sagt Tauchguide Norberto.

Haie wehrt man mit den Händen ab

Leichter gesagt, als getan: Die Seile ziehen die Taucher beim starken Wellengang rauf und runter. So kommt also Norbertos zweiter Abwehrtipp zum Einsatz, zu neugierige Haie mit schnellen Handbewegungen zurückzuhalten! Der Adrenalinspiegel ist weit oben und bleibt dort auch, solange man den Haien aus nächster Nähe dabei zuschaut, wie sie versuchen, an die Thunfischköpfe zu kommen.

Nicht weniger spannend geht es an der Princess Alice Bank rund 45 Seemeilen vor der Küste Faials zu. Der Mond steht noch hoch am Nachthimmel, als Norberto, ein mürrischer Seewolf wie aus dem Bilderbuch, das Boot aus dem Hafen von Horta in die Dunkelheit steuert. Die sternklare Nacht ist bitterkalt. Nur die Pottwale, die beim Auftauchen gigantische Wasserfontänen ausstoßen, durchbrechen die Stille auf dem Nordatlantik. Zum Sonnenaufgang erreicht das Boot nach drei Stunden den Tiefseeberg.

Hier wird einem spektakulär vor Augen geführt, warum die portugiesischen Azoren zwischen Europa und Nordamerika zu den besten Tauchgebieten Europas gehören. Schon vom Boot aus sind die grünlichen Silhouetten der gigantischen Mobula-Teufelsrochen auszumachen, die hier in Schwärmen von bis zu 15 Tieren ihre Runden ziehen. Riesige Barrakuda- und Makrelenschwärme mischen sich mit Atlantischen Bonitos und Zackenbarschen. Plötzlich lenken zwei bis zu zehn Meter lange Walhaie auf der Suche nach Plankton die Aufmerksamkeit auf sich.

Obwohl auf allen Azoren-Inseln bis zu 90 interessante Tauchplätze existieren, zieht es Taucher vor allem nach Faial und auf die Nachbarinsel Pico. Hier taucht man direkt an der Küste an von Lavaströmen geformten Steilwänden, in Tunneln, Grotten und Vulkankratern, in denen man Tintenfische, Makrelen, Barrakudas und braune Zackenbarsche findet.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung