Heimat der Dichter: Rathaus und Neptunbrunnen in Weimar
Heimat der Dichter: Rathaus und Neptunbrunnen in Weimar
Foto:

Florian Trykowski / Thüringer Tourismus GmbH

Radurlaub in Thüringen Per Fahrrad durch das Land der Dichter und Künstler

Rund um Weimar und Erfurt fühlten sich schon Goethe und Schiller wohl. Der Maler Lyonel Feininger erkundete bereits vor hundert Jahren die Region mit dem Fahrrad. Sieben Tourentipps in Thüringens Mitte.
Von Armin Herb, "MyBike"

1. Thüringens beliebteste Radroute

Auf dem Ilmtal-Radweg zwischen Rennsteig und Saale

Hügelige Idylle: Ilmtalradweg zwischen Dörnfeld und Stadtilm

Hügelige Idylle: Ilmtalradweg zwischen Dörnfeld und Stadtilm

Foto: Joachim Negwer / Thüringer Tourismus GmbH

Immer am Fluss Ilm entlang führt die größtenteils asphaltierte Route vom UNESCO-Biosphärenreservat Thüringer Wald bis zur Mündung in die Saale. Eigentlich könnte man die 123 km locker in zwei Tagen absolvieren, aber Natur und Kultur an der Vier-Sterne-Qualitätsradroute des ADFC verlangen nach Zuschlag. Zum Startort Allzunah kommt man von Weimar und Erfurt über den Bahnhof Rennsteig (2,5 km), allerdings nur am Wochenende und an Feiertagen.

Ab Ilmenau (15 km) verkehrt auch ein Radbus, und es wird ein Radtransfer (service@radfahren-in-thueringen.info ) angeboten. Bahnhöfe gibt es flussabwärts in Stadtilm, Kranichfeld, Bad Berka, Weimar, Oßmannstedt, Apolda, Bad Sulza sowie am Zielort Großheringen. Von der Ilmquelle bis Weimar warten rund 80 km gut ausgebauter Radweg. Die ersten Kilometer führen durch den Thüringer Wald nach Stützerbach und in die Universitätsstadt Ilmenau. In beiden Orten lebte und arbeitete Johann Wolfgang von Goethe, anschaulich dokumentiert in zwei Museen. Die Zwei-Burgen-Stadt Kranichfeld folgt als nächstes sehenswertes Kulturziel, vor allem wegen der Niederburg und des Oberschlosses. Von Kranichfeld weist die Beschilderung nach Tannroda, ebenfalls mit einem sehenswerten Schloss und dem Thüringer Korbmachermuseum. Nächster Stopp ist der historische Kurort Bad Berka.

Goethe-Schiller-Denkmal vor dem Deutschen Nationaltheater in Weimar

Goethe-Schiller-Denkmal vor dem Deutschen Nationaltheater in Weimar

Foto: Florian Trykowski / Thüringer Tourismus GmbH

Das UNESCO-Weltkulturerbe Weimar ist dann ein extra Kapitel, dem man getrost einen ganzen Tag widmen kann. Nördlich von Weimar warten noch weitere reizvolle 40 km bis zur Ilmmündung in die Saale. In Denstedt fallen besonders die Mühle und die Burg über der Ilm ins Auge. Die Glockenstadt Apolda mit ihrem berühmten Kunsthaus liegt am Weg. Bad Sulza lockt mit der Toskana-Therme und einer Kopie des Goethe-Gartenhauses. Und zum süffigen Finale an der Saale empfiehlt sich der Besuch beim Winzer, z.B. im Weingut Zahn in Großheringen.

2. Teiche und Stauseen

Von Pößneck durch das Thüringer Schiefergebirge

Museum auf Stelzen: das Hausteichhaus bei Plothen

Museum auf Stelzen: das Hausteichhaus bei Plothen

Foto: Meeta K. Wolff / Thüringer Tourismus GmbH

In der Orlasenke wird es still und sportlich. Immerhin warten knapp 80 überwiegend asphaltierte Kilometer und 1.450 Höhenmeter auf den Tourenradler. Zu viel für eine Tagestour? Wie wäre es dann mit einer Übernachtung z.B. im idyllischen Ziegenrück, der fünftkleinsten Stadt Deutschlands mit gerade mal 700 Einwohnern. Von Weimar nach Pößneck braucht die Bahn genau eine Stunde. Und dann geht es direkt am Bahnhof in den Sattel. Erster Stopp ist die Burg Ranis auf einem Hügel im gleichnamigen Ort. Apropos Hügel: Wie gesagt, ein flottes Auf und Ab begleitet die gesamte Runde.

Wir fahren hinab ins Saaletal, wo der Hohewartestausee die Saale zum See werden lässt. Viel Wasser wartet aber nicht nur unten im Flusstal, sondern auch auf der Höhe im "Land der tausend Teiche". Die Plothener Teiche wurden einst von Mönchen zur Fischzucht auf einem Plateau des Thüringer Schiefergebirges angelegt. Von den ursprünglich rund 1.600 Teichen auf einer Fläche von 75 qkm bestehen noch rund 600. Wahrzeichen des Plothener Teichgebiets mit seiner einzigartigen Vogelwelt ist das etwa 300 Jahre alte Pfahlhaus im Hausteich, in dem ein kleines Museum untergebracht ist. Zum Finale gibt’s dann zur Erholung noch eine erfrischende Abfahrt hinunter Richtung Pößneck.

3. Die Gartenhäuser der Dichterfürsten

Auf Tour zu den Häusern von Goethe und Schiller in Weimar und Jena

Teil des UNESCO-Welterbes: Goethes Gartenhaus an der Ilm

Teil des UNESCO-Welterbes: Goethes Gartenhaus an der Ilm

Foto: Andreas Weise / Thüringer Tourismus GmbH

Deutschlands berühmteste Dichter verbrachten gerne ihre Zeit im Thüringer Becken. Von Johann Wolfgang Goethe ist das hinreichend bekannt, aber auch Friedrich Schiller unterhielt neben seinen Mietwohnungen von 1797 bis 1799 eine Sommerresidenz in Jena. Die 25 km lange Gartenhaus-Route beginnt am Bahnhof in Weimar und führt direkt zum Park an der Ilm. Das dortige Gartenhaus mit Garten erwarb Goethe im April 1776, wenige Monate nach seiner Ankunft in Weimar. Das Domizil war sechs Jahre lang seine Wohn- und Arbeitsstätte. Fünfzig Jahre lang diente ihm der untere Garten als Rückzugsort.

Goethes Gartenhaus ist heute Teil des UNESCO-Welterbes "Klassisches Weimar". Der größtenteils asphaltierte Weg hinaus aus Weimar Richtung Mellingen und Kleinschwabhausen steigt langsam, aber stetig an, sodass sich vor der Abfahrt nach Jena ins Saaletal ein schöner Blick über die Stadt bietet.

Schillers Gartenhaus in Jena ist heute ein Museum

Schillers Gartenhaus in Jena ist heute ein Museum

Foto: Martin Krichner / Stiftung Lutherhaus Eisenach

Schillers Gartenhäuschen samt Garten in Jena liegt gut versteckt im heutigen Schillergässchen neben dem Jenaer Theater. Wer zurück nach Weimar nicht mehr radeln möchte, kann ab Jena-West die Bahn nehmen. Wem der Sinn nach noch mehr Kultur und Aktivität steht, dem sei ein 15 km langer Abstecher auf dem Saaleradweg nach Norden empfohlen: Dort liegt auf einem Felsen das sehenswerte Ensemble der drei Dornburger Schlösser.

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MYBIKE-Sonderheft "Radreisen" 1/2021

Reisefieber auf zwei Rädern

Das neue Sonderheft "Radreisen" der Fahrrad-Zeitschrift MYBIKE bietet die perfekte Lektüre für die Urlaubsplanung auf zwei Rädern in Deutschland und Europa, inklusive GPS-Daten zum Download.

Das Heft gibt’s für 6,50 Euro im Handel oder kann portofrei unter delius-klasing.de  bestellt werden. Weitere Radreise-Empfehlungen und News rund um das Thema Radfahren liefert auch das Fahrrad-Portal www.mybike-magazin.de .

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4. Der kleine Städtevergleich

Von Weimar nach Erfurt knapp 30 km entlang der Thüringer Städtekette

Historische Kulisse: der Fluss Gera an der Krämerbrücke in Erfurt

Historische Kulisse: der Fluss Gera an der Krämerbrücke in Erfurt

Foto: Florian Trykowski / Florian Trykowski / Thüringer Tourismus GmbH

Mit ihren Stätten des UNESCO-Weltkulturerbes ist Weimar ein absolutes Schwergewicht in puncto deutscher Kultur und Architektur. Der Eintrag in die Welterbeliste "Bauhaus und seine Stätten in Weimar, Dessau und Bernau" ist mit drei Objekten in Weimar vertreten, und die Eintragung "Klassisches Weimar" umfasst sogar 16 Objekte. Dafür sollte man genügend Zeit einplanen, um alle abzuradeln. Aber auch die Thüringer Landeshauptstadt 30 km weiter westlich ist kein kulturloser Ort.

Durch den Ilmpark in Weimar mit Goethes Gartenhaus führt eine beliebte Radstrecke

Durch den Ilmpark in Weimar mit Goethes Gartenhaus führt eine beliebte Radstrecke

Foto: Thüringer Tourismus GmbH

In Erfurt bieten sich neben dem Dom auch die Zitadelle Petersberg, die Krämerbrücke, die Alte Synagoge sowie das Augustinerkloster und der Ega-Park als sehenswerte Ziele an. Unterwegs lohnt am gut ausgebauten Radweg der Thüringer Städtekette ein Blick in die Tröbsdorfer Kirche.

Das Dorf Hopfgarten war Motiv einer Bildreihe, die Lyonel Feininger im Jahr 1920 schuf. Zudem kann man auf dem Warteberg im Norden des Ortes den ersten von zwei Warttürmen besichtigen. Zusammen mit dem Wartturm in Niederzimmern gehört er zu den ehemaligen Beobachtungstürmen zum Schutz der Stadt Erfurt. Zurück von Erfurt geht es bequem per Regionalbahn. Wer zusätzlich noch etwas Strecke machen möchte, macht einen Abstecher zum Schlossensemble "Drei Gleichen" im Südwesten der Landeshauptstadt.

5. BuGa-Gelände und Badeseen

Vom Erfurter Fischmarkt in den Norden und Osten der Stadt

Erfurt: Blick vom Rathaus auf den Fischmarkt

Erfurt: Blick vom Rathaus auf den Fischmarkt

Foto: Martin Krichner /Thüringer Tourismus GmbH

Wir starten in der Stadtmitte und folgen dem Gera-Ufer bzw. den Schildern des Gera-Radweges. Die relativ flache, 44 km lange Route führt über das große BUGA-Gelände (Bundesgartenschau 2021 in Erfurt) bis Gispersleben und weiter nach Kühnhausen. Bei Elxleben verlassen wir das Geratal Richtung Osten. Mehrere renaturierte Baggerseen laden vor allem im Sommer zu einer Pause am Ufer ein. Ein schöner Rastplatz ist etwas später auch der Alperstedter See. Zwischen Stotternheimer See und Klingesee, wo es einige Badestrände gibt, nähern wir uns dem Lutherstein, wo der Reformator im Juli 1505 in ein Unwetter geraten ist. Zwischen Schwerborn und Kerspleben bietet sich ein herrlicher Ausblick auf Erfurt. In Kerspleben lohnt sich am Dorfplatz ein Blick in die evangelische Heilig-Geist-Kirche aus dem 18. Jahrhundert. Nach einem kleinen Schlenker nach Osten führt die Route über Vieselbach und Azmannsdorf Richtung Erfurt zurück. Auf Höhe des Ringelberges liegt die Landeshauptstadt in ihrer ganzen Pracht wieder vor uns. Vorbei an Kleingartenanlagen geht es durch die Erfurter Oststadt mit ihrem Gründerzeitgürtel zurück zum Fischmarkt.

6. Der Steigerwald und der Südosten

Vom Erfurter Fischmarkt in den Wald und auf die Dörfer

Veste Wachsenburg: Die Drei Gleichen liegen romantisch im Hügelland bei Erfurt

Veste Wachsenburg: Die Drei Gleichen liegen romantisch im Hügelland bei Erfurt

Foto: Thüringer Tourismus GmbH / Mick Palarczyk

Die sportliche 40-Kilometer-Runde startet mitten in Erfurt und führt im Uhrzeigersinn auf Rad-, Feld- und Waldwegen durch den Südosten der Thüringer Landeshauptstadt. Es geht los mit einem Querschnitt an Stadtkultur – von den historischen Gebäuden am Fischmarkt über Plattenbauten aus DDR-Zeiten bis hin zu typischen Kleingartenanlagen. Danach fahren wir über weite Felder mit Blick zum Steigerwald. Ein Hinweis für Nicht-E-Biker! Hier warten 200 Höhenmeter Anstieg. Der Name Steigerwald kommt nämlich von "Steigen". In Azmannsdorf lohnt sich ein Blick in die barocke Dorfkirche St. Cyriakus, genauso wie einige Kilometer weiter in die St. Petrikirche in Büßleben mit ihrer 300 Jahre alten Orgel. Am Ortsausgang von Büßleben öffnet sich zudem ein schöner Ausblick auf Erfurt und den Steigerwald. Nächster Stopp ist das historische Forsthaus Willrode, ein ehemaliges Jagdschloss in einem ausgedehnten Buchenwald. Auf dem Weg nach Egstedt haben wir noch einen fantastischen Blick auf den Thüringer Wald und das Burgensemble "Die Drei Gleichen". Danach führt uns der Radweg wieder zurück nach Erfurt.

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MYBIKE-Sonderheft "Radreisen" 1/2021

Reisefieber auf zwei Rädern

Das neue Sonderheft "Radreisen" der Fahrrad-Zeitschrift MYBIKE bietet die perfekte Lektüre für die Urlaubsplanung auf zwei Rädern in Deutschland und Europa, inklusive GPS-Daten zum Download.

Das Heft gibt’s für 6,50 Euro im Handel oder kann portofrei unter delius-klasing.de  bestellt werden. Weitere Radreise-Empfehlungen und News rund um das Thema Radfahren liefert auch das Fahrrad-Portal www.mybike-magazin.de .

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7. Auf den Spuren des Bauhaus-Künstlers

Auf der Feininger-Route 30 km durch den Süden von Weimar

Kirche in Gelmeroda: Lyonel Feininger war ein großer Fahrradliebhaber

Kirche in Gelmeroda: Lyonel Feininger war ein großer Fahrradliebhaber

Foto: Tobias Adam / Thüringer Tourismus GmbH

Lyonel Feininger, ein deutsch-amerikanischer Maler, Grafiker und Karikaturist, zählt zu den bedeutendsten Künstlern der klassischen Moderne. Walter Gropius berief Feininger 1919 an die Bauhaus-Universität in Weimar in der Geschwister-Scholl-Straße. Genau dort beginnt auch die Radroute. Weiter geht es in die Bauhausstraße 7a, wo sich sein erstes Atelier befand. Nächste Station ist das Haus Nr. 16 in der Gutenbergstraße.

Lyonel Feininger wohnte hier mit seiner Familie von 1919 bis 1926. Der Künstler selbst war ein begeisterter Radfahrer, ständige Begleiter auf seinen Touren waren Bleistift und Skizzenblock. Berühmt sind seine Bilder und Zeichnungen von Kirchen und Dorfkernen des südlichen Weimarer Umlandes, wohin die Route führt.

Die Werke sind meist nach den jeweiligen Ortschaften, wie Mellingen, Possendorf und Gelmeroda benannt. Die Kirche in Gelmeroda beherbergt heute eine sehenswerte Ausstellung über das Schaffen Lyonel Feiningers und ist täglich geöffnet. Ein absoluter Muss-Stopp für Kunstfans. Die Feininger-Route führt beschildert auf wenig befahrenen Straßen und Feld-wegen von Weimar aus über Niedergrunstedt, Gelmeroda, Possendorf, Vollersroda und Mellingen wieder zurück nach Oberweimar und Weimar.

Die GPS-Daten aller Routen finden Sie in der "MYBIKE"-Collection auf Komoot  zum Download.

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