Dienstag, 20. August 2019

Der Queen-Elizabeth-Nationalpark in Uganda Ein Traum von Safari-Afrika

Queen-Elizabeth-Nationalpark: Naturtraum in Uganda
Philipp Laage/dpa-tmn

Elefanten im Fluss, Löwen auf Bäumen, Schimpansen in der Schlucht: Der Queen-Elizabeth-Nationalpark in Uganda ist besonders artenreich. Denn im Ostafrikanischen Grabenbruch trifft die Savanne auf Regenwald und Feuchtgebiete. Das macht eine Safari abwechslungsreich.

Als zwei Schimpansen den Feldweg überqueren, freut sich der erfahrene Ranger wie ein kleines Kind. Robert Adaruku, 37, setzt das Fernglas ab und strahlt so überschwänglich, als habe er zum ersten Mal in seinem Leben einen Affen gesehen. "Heute ist ein wunderbarer Tag, wir haben großes Glück", sagt er.

Seit 15 Jahren arbeitet Adaruku im Queen-Elizabeth-Nationalpark im Südwesten Ugandas und weiß, dass die Schimpansen sich nur selten aus dem Regenwald in der Kyambura-Schlucht in die offene Savanne begeben. Doch die Feigenbäume sind zu verlockend. Zwischen den Ästen rasten die Tiere, weithin sichtbar, und genießen den Überfluss an Früchten.

Es ist keineswegs gewiss, auf einer geführten Wanderung einen der derzeit 24 Schimpansen in der 100 Meter tiefen, dicht bewaldeten Schlucht zu sehen. "Morgens suchen sie Nahrung, rufen sich und streiten miteinander", sagt Adaruku. Dann ist es leichter, die Menschenaffen aufzuspüren. Doch zu späterer Stunde hocken die Tiere träge im Busch oder in den Tropenbäumen, praktisch unsichtbar für die ungeschulten Augen der Touristen.

An diesem Nachmittag aber stoßen die Besucher bereits auf Schimpansen, noch bevor sie überhaupt einen Schritt in die Schlucht gesetzt hat. Ein unverhofftes Erlebnis.

Der Queen-Elizabeth-Nationalpark gibt sich Mühe, auch routinierte Afrika-Reisende mit Wildlife-Erfahrung zu überraschen. Das hat mit seiner Lage im Albert-Graben zu tun, dem westlichen Ausläufer des Ostafrikanischen Grabenbruchs, wo Regenwald, Papyrus-Sümpfe, Krater und Savanne aufeinandertreffen. Zwischen den Kontinentalplatten haben sich hier außerdem der Eduardsee und der Georgsee gebildet, die genauso wie der Park selbst Namen ehemaliger Royals tragen.

Als die britische Königin 1954 ihre Kolonie Uganda besuchte, wurde der zwei Jahre zuvor gegründete Nationalpark nach ihr benannt. Die Kolonialherren gingen, der Name blieb. Auf die Unabhängigkeit Ugandas 1962 folgte wie in vielen Ländern Afrikas rasch eine Diktatur. Der Name Idi Amin ist immer noch ein Synonym für den stereotypischen afrikanischen Gewaltherrscher. Angesichts von Hunderttausenden Toten unter dem Regime des Tyrannen in den 1970er Jahren mag es als Randnotiz der Geschichte gelten, dass auch massenweise Wildtiere abgeschossen wurden. Doch die Bestände haben sich erholt.

Der Artenreichtum im Queen-Elizabeth-Park ist heute aufgrund der verschiedenen Ökosysteme so groß wie kaum sonst irgendwo im östlichen Afrika. Mehr als 610 Vogelarten gibt es im Park, darunter den Kronenkranich, der Wappenvogel Ugandas. Die meisten Besucher wollen die exotischen Landsäugetiere sehen. Sie werden nicht enttäuscht.

Schimpansen lassen sich zwar auch in großer Zahl im benachbarten Kibale-Nationalpark beobachten, und Elefanten und Löwen gibt in vielen Reservaten Ostafrikas. Doch im Queen-Elizabeth-Nationalpark findet sich beides. Und die variantenreiche Landschaft bietet eine besonders abwechslungsreiche Kulisse für die Tiere.

Ranger Adaruku, der ein friedvolles Lächeln im Gesicht und das Sturmgewehr AK 47 über der Schulter trägt, führt die Urlauber auf den Grund der Schimpansen-Schlucht. Aus einer Baumkrone schaut ein Stummelaffe schreckhaft nach unten. Im braunen Wasser des Kyambura sind die Ohren von rund einem Dutzend Flusspferde zu sehen. Leben hier auch Krokodile? "Ich habe noch nie eines gesehen und ich bin schon ziemlich lange hier", sagt Adaruku.

Der Kyambura war für die Dörfer entlang des Flusses seit jeher eine wichtige Wasserquelle. Doch das Flusstal ist schmal, der Strom fließt schnell. Einmal, so erzählt es Adaruku, riss das Wasser den Leuten ihre Habseligkeiten fort. So kam der Kyambura zu seinem Namen, der so viel heißt wie "etwas nicht finden können".

Die Schimpansen-Population in der Kyambura-Schlucht stammt ursprünglich aus einem ausgedehnte Waldgebiet südlich des Parks. Beide Habitate waren einst durch einen Korridor verbunden, der vor mehr als 30 Jahren unterbrochen wurde. Die Schimpansen in der Schlucht lebten fortan isoliert. Und zunächst wild. An Menschen waren sie nicht gewöhnt. Mit dem Beginn der Friedensmission Unomur zur Überwachung der ugandisch-ruandischen Grenze in den unruhigen frühen 1990er Jahren begann die sogenannte Habitualisierung der Tiere.

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