Mittwoch, 17. Juli 2019

Private Yachten chartern Segeltörns auf Klassikern

Segelyachten: Risiko Yacht-Charter
Lars Bolle

Das Chartern privater Yachten hat seinen Reiz. So gibt es Bootstypen, die herkömmliche Flottenbetreiber nicht anbieten. Doch wie gut sind die oft schon älteren Yachten in Schuss? "Yacht"-Autor Lars Bolle machte eine Probe aufs Exempel.

Die Eckdaten des Angebots klingen höchst verlockend: ein Kettentörn ab Heiligenhafen an der Ostsee mit Ziel Göteborg. Hin- und Rücktour sind bereits verchartert, das Filetstück, zwei Wochen von und nach Göteborg, für uns reserviert. Ein Start direkt in den Schären, mitten im Sommer - was gibt es da zu überlegen?

Einiges, denn es handelt sich um keine gewöhnliche Charteryacht. Die angebotene "Elida" ist eine Vindö 50, Baujahr 1979, also zum Törnzeitpunkt 35 Jahre alt. Solche Klassiker werden eigentlich nur privat von Eignern betrieben. Im Hafen sind sie zwar häufiger zu sehen, vor allem im Norden; Betreten jedoch ist meist verboten.

Bei "Elida" ist es jedoch ausdrücklich erlaubt. Sie wird vom Vercharterer Chartership in Heiligenhafen angeboten, der sich auf das Vermitteln klassischer Yachten spezialisiert hat. Dessen Angebotspalette reicht vom IF-Boot über eine Hallberg-Rassy 29 bis hin zu einer Gib'Sea 126. Insgesamt 34 Yachten sind gelistet mit Liegeplätzen hauptsächlich zwischen Flensburg und Greifswald.

Doch kann man ein 35 Jahre altes Boot gefahrlos chartern? Der Wochenpreis für "Elida" ist mit rund 1200 Euro nicht niedriger als der für eine fast neue Bavaria 31 Cruiser, die ein ähnlich großes Raumangebot auf und unter Deck bietet, bei einem herkömmlichen Vercharterer. Die Annahme, dass Eignerboote in der Charter viel günstiger seien, trifft also nicht per se zu.

Yacht
Dieser Text erschien zuerst in:

Yacht 6/2019

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Preiswert von privat sind vor allem kleine Boote zu haben. Die werden aber auch gar nicht mehr von großen Vercharterern angeboten. Warum für alte Yachten meist also vergleichbare Tarife aufgerufen werden wie für neue, erklärt Claus Gökemeyer, Eigentümer von Chartership: "Die Instandhaltung alter Yachten kostet deutlich mehr als die moderner." Ferner verchartere man ja auch edle Marken à la Hallberg-Rassy. "Warum sollten solche Schiffe günstiger sein als Boote von Bavaria, Hanse oder Beneteau?"

Ein weiterer Aspekt, der zunächst Sorgen bereitet, ist die Konstruktion der angebotenen Vindö. Die ist immerhin ein echter Langkieler mit kleinem Ruder direkt am Kiel. Wie wird sich solch ein Boot wohl segeln und vor allem, wie lässt es sich im Hafen bewegen? Gökemeyer räumt diese Zweifel aus, indem er kurzerhand zu einem Probeschlag vor Heiligenhafen einlädt. "Das mache ich schon mal, wenn ich merke, dass Interessenten unsicher sind." Mit Engelsgeduld führt er das Drehen unter Maschine, Rückwärtsfahren und Anlegen vor.

Ein Klassiker: Die Elida ist 35 Jahre alt

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