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Fünf Tage und fünf Plätze: Ein Golf-Trip im Herzen Portugals

Foto: TMN; Royal Óbidos Spa & Golf Resort

Golfreisen Portugal - das Traumziel für den Freizeitgolfer

Von Oliver Kauer-Berk und Marc Möller

Golf hat sich vom Reichenhobby zum Massenvergnügen entwickelt - allerdings für eine vergleichsweise immer noch recht solvente Klientel. In Deutschland sind heute mehr als 640.000 Golfspieler in den Klubs organisiert, hinzu kommen viele Spieler, die nicht Mitglieder sind, aber die Plätze gegen Gebühren (Greenfee) nutzen. Das gilt auch für den Golfurlaub. Ein Trend der Saison: Die Türkei verliert Urlauber, Spanien und Portugal profitieren davon.

Das Reisen passt gut zum Golfen, denn zur Faszination des Sports gehört es, auf unterschiedlichen Plätzen zu spielen. Pro Jahr werden rund 400.000 Golfreisen gebucht, der Sport ist bei allen großen Reiseanbietern ein Thema.

Für Golfer ist Spanien das mit Abstand am stärksten nachgefragte Reiseland, sagt Mario Schomann, Geschäftsführer von Golf Globe aus Hannover. Das Unternehmen produziert alle Golfreisen der Tui Deutschland und ihrer Marken - vom Luxusanbieter Airtours bis zur Preiswertmarke 1-2-Fly. Generell lägen die westlichen Mittelmeerziele bei Golfsportlern hoch im Kurs. Auch die Algarve in Portugal erlebe eine Renaissance, erzählt Schomann.

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Hotels mit angeschlossenen Golfplätzen in Spanien oder auch Portugal erlebten in diesem Jahr einen "Riesen-Aufwind", bestätigt Silke Bellgardt vom Spezialisten Golf Extra aus Heilbronn. Das Gegenteil gilt für den Golfreise-Klassiker Türkei: "In den vergangenen drei, vier Monaten haben wir schon Verschiebungen von der Türkei nach Spanien und Portugal gespürt. Obwohl die Türkei ein optimales Golfreiseziel ist, bestehen aufgrund der aktuellen weltpolitischen Situation große Vorbehalte bei unseren Kunden", sagt Bellgardt.

Daneben sieht Golf Extra aktuell zwei Trends: Zum einen verreisten die Golfer nicht mehr nur in den Wintermonaten, sagt Bellgardt. "Reisen in den Sommermonaten in Länder wie Irland und Schottland sind aktuell sehr beliebt." Traditionell bilden eigentlich die kalten Monate die Hauptreisezeit der deutschen Golfer. Sie nutzen das warme Klima in südlichen Gefilden, um in Schwung zu bleiben. Viele Hotelresorts verlängern mit diesen Gästen ihre Saison. Im Sommer wird bevorzugt auf heimischen Plätzen gespielt.

Neue Trends: Fernreisen und Alleinreisende

Zweiter Trend bei Golf Extra: Golfer entdecken Plätze auf der ganzen Welt, Fernreisen sind gefragt. "Ziele außerhalb Europas wie Mauritius, Dominikanische Republik, die USA, Oman, Abu Dhabi, Südafrika gehören zu den täglichen Anfragen bei uns", berichtet Bellgardt.

Auffällig: Unter Golfern gibt es immer mehr Alleinreisende. Die Anbieter reagieren darauf mit einem größeren Angebot an Gruppenreisen. Nach wie vor gelten Golferinnen und Golfer als anspruchsvoll. Sie legen Wert auf hochwertige Unterkünfte und entsprechenden Service.

"Golfer setzen zudem immer mehr auf Individualität", sagt Schomann. "Früher wollten sie lediglich ihre Runden auf dem Golfplatz drehen und den Rest des Tages am Hotelpool oder am Strand verbringen." Heute werde ein vielfältigeres Programm nachgefragt. Zwischen dem letzten Putt und dem nächsten Abschlag darf Kultur geboten werden. Und die Zielgruppe wird jünger. "Golf wird heute in allen Altersklassen gespielt", sagt Schomann.

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Und welche Rolle spielt Deutschland bei Golfreisen? Hier dominieren Kurzreisen, oft direkt und nicht über Veranstalter gebucht. Mehr als 700 Golfanlagen bieten sich an. "Das Spielen auf fremden Plätzen gegen Greenfee ist eine wichtige Säule in unserem Sport", sagt Claus Kobold, Präsident des Deutschen Golf-Verbands. In vielen Regionen bieten Klubs, Hotels und Tourismusverbände gemeinsame Angebote an.

Als Beispiel nennt Kobold die "Golfküste Schleswig-Holstein": Mehr als 50 Klubs haben sich im Norden mit Hotelbetrieben zusammengetan. Sie bieten Vorteilskarten für eine ermäßigte Spielgebühr und fertige Urlaubsarrangements: vom Platzerlaubniskurs in Großensee bei Hamburg über den dreitägigen "Ostsee Golf & Relax"-Kurzurlaub in Kiel bis zum "Golferlebnis sieben Tage, fünf Plätze" in Timmendorfer Strand.

Golfreisen gibt es heute für alle Geschmäcker. Prinzipiell lassen sich die Kunden in zwei Gruppen aufteilen: Für die einen ist das Golfspiel Hauptmotiv der Reise, für die anderen lediglich ein Zusatzmotiv. Die vom Golf-Verband als Hard-Golfer bezeichneten Vielspieler möchten täglich trainieren und spielen - und reisen folglich dorthin, wo sich mehrere Golfplätze mit vielen Löchern anbieten. Für die nur hin und wieder aktiven Soft-Golfer ist das sonstige gastronomische, kulturelle und freizeitorientierte Angebot wichtiger. Hier darf sozusagen die Tea-Time nicht zu kurz kommen.

Das sind die besten Plätze in Portugal

Dünen, Sand, Pinien und daneben der Atlantik: Die Golfplätze im Herzen Portugals haben viel zu bieten. Ein sportlicher Frühlings-Trip führt durch die Regionen Centro de Portugal und Cascais - mit einigen kulturellen Abstechern, die das Sportprogramm auflockern.

Die Atlantik-Wellen krachen gegen die steilen Felswände und schleudern die weiße Gischt hoch in den blauen Himmel. Der Wind pfeift zwischen den Dünen und über den 13. Abschlag. In der Ferne sind zwei kleine Häuserruinen an den Klippen zu erkennen - die Wahrzeichen des Golf-Resorts Praia D'El Rey. Das Naturschauspiel an der portugiesischen Westküste nahe der Stadt Peniche lässt einen ganz ruhig werden. Golf wird hier für einen kurzen Augenblick zur Nebensache.

Wild beginnt also die Golf-Entdeckungstour an der Silberküste durch die Regionen Centro de Portugal und Cascais. Vom Flughafen in Lissabon geht es mit dem Mietwagen nach Nordwesten an die Küste. Über die Autobahn A8 erreicht man in einer Stunde das erste Ziel dieser fünftägigen Reise nahe der Stadt Peniche.

1. Tag: Praia D'El Rey

Der Platz an der Atlantikküste ist die perfekte Mischung aus anspruchsvollem Links-Kurs mitten in den Dünen und wunderschönem Parkland-Design mit unzähligen Pinien. Der noch relativ junge 18-Lochplatz wurde 1997 eröffnet und zählt trotzdem schon zu den Top-Plätzen in Europa. Vor allem die Spielbahnen 13 bis 15, die direkt am Atlantik entlang verlaufen, sind Golf-Genuss pur. Der Kurs ist eine echte Herausforderung - vor allem bei starkem Wind. Auf den pfeilschnellen Grüns ist ein extrem gutes Ballgefühl gefragt.

Greenfee: 75 bis 125 Euro (18 Löcher)

Signature-Hole: 13. Spielbahn. Ein nur 256 Meter kurzes Par 4 direkt an den Klippen. Links der tosende Atlantik, rechts die Dünen und in der Mitte das grüne Fairway. Wer sich hier nicht ablenken lässt und zum Par einlocht, der darf sich darauf etwas einbilden.

Ist der letzte Putt eingelocht, bietet das zum Resort gehörende "Marriott"-Hotel nach der Runde alles, was der Golfer zum Entspannen braucht: großzügige Spa-Anlagen und exquisite Restaurants. Wer dann immer noch hungrig auf sportliche Abenteuer ist, der kann sich todesmutig mit einem Surfbrett zum Wellenreiten in den Atlantik stürzen. Die Buchten um Peniche sind Hotspots für Surfer aus aller Welt.

Nur ein paar Kilometer landeinwärts vom Praia D'El Rey liegt das nächste Ziel: Das "Royal Óbidos Spa and Golf Resort".

Royal Óbidos Spa and Golf Resort: Putten mit Blick auf den Atlantik

Im Royal Óbidos beginnt der Spaß schon beim Einschlagen. Von der hochgelegenen Drivingrange überblickt man einen Großteil des Golfplatzes und hat zusätzlich noch Aussicht auf den nahen Atlantik. Der Designer des 18-Loch-Kurses ist Spaniens Golf-Legende Severiano Ballesteros. Der fünfmalige Majorsieger und europäische Ryder-Cup-Held hat ein sehr interessantes und abwechslungsreiches Layout in die hügelige Landschaft gezaubert. 2012 - ein Jahr nach Ballesteros Tod - wurde der Kurs eingeweiht. Der Royal Óbidos gehört mittlerweile zu den Top-100-Plätzen in Europa.

Greenfee: 50 bis 100 Euro (18 Löcher)

Signature-Hole: 3. Spielbahn. Das nur 144 Meter lange Par 3 erfordert viel Mut - gerade bei Wind. Von dem erhöhten Abschlag muss die Fahne gut anvisiert werden, um das von einem See umgebene Inselgrün mit dem ersten Schlag zu treffen.

Von zwölf Spielbahnen aus hat man eine vortreffliche Aussicht auf das Meer, an den anderen sechs Löchern schweift der Blick über die Lagune von Óbidos. Ein Golfcart sollte vorab gebucht werden, denn die Höhenunterschiede auf dem Platz sind enorm. Nach der Runde wird man auf der Terrasse des stilvollen Clubhauses mit einem Sonnenuntergang über dem Atlantik belohnt. Wer auch die Nacht hier verbringen möchte und das nötige Geld hat, kann sich im luxuriösen "Evolutee" einmieten. Das moderne Fünf-Sterne-Hotel wurde nach den Plänen des französischen Star-Designers Philippe Starck erschaffen.

Ein Abstecher ins nahe gelegene Óbidos rundet den Golf-Tag ab. Das mittelalterliche Städtchen ist wegen seiner pittoresken Altstadt berühmt, die komplett von einer immer noch begehbaren Stadtmauer eingeschlossen ist. Innerhalb dieser bilden die engen und mit Blumen geschmückten Gassen mit ihren weißen Häuschen ein kleines Labyrinth. Wer hier durch die belebten Straßen unterhalb der großen Burg schlendert, sollte einen leckeren Ginja (Kirschlikör) probieren.

Nach dem Kulturgenuss geht die Reise wieder in Richtung Lissabon. Nach 30 Minuten Fahrt auf der A8 liegt auf halber Strecke der nächste Stopp inmitten idyllischer Weinberge.

Dolce CampoReal Lisboa: Ohne Buggy geht hier nichts

Bereits der Blick von der Terrasse des Clubhauses auf den Golfplatz in den Weinbergen macht einem gleich klar: Ohne Buggy geht hier nichts. Der sehr hügelige 18-Loch-Kurs ist recht kurz, hat aber große Höhenunterschiede. Das macht Spaß. Anders als bei den ersten beiden Plätzen, wo die breiten Fairways auch mal den einen oder anderen Fehlschlag verziehen haben, sind im Dolce CampoReal Genauigkeit und Raffinesse angesagt. Der Driver sollte an den meisten Abschlägen wegen der engen Spielbahnen lieber im Bag bleiben und der Ball mit einem Eisen sicher ins Spiel gebracht werden.

Greenfee: ca. 90 Euro (18 Löcher)

Signature-Hole: 5. Spielbahn. Bei dem nur 417 Meter kurzen Par 5 muss der Abschlag passen. Vom höchsten Punkt der Anlage geht es steil bergab ins Tal. Wird das Fairway mit dem ersten Schlag verfehlt, sind Schwierigkeiten unvermeidbar.

Nach dem erfolgreichem Spiel auf dem kräftezehrenden Berg- und Talkurs lädt der große Spa-Bereich des Resorts zum Entspannen und Regenerieren ein. Kulinarische Köstlichkeiten zur Stärkung werden im Restaurant "Grand Escolha" serviert. Die zum Menü passenden Weine wachsen praktisch direkt neben den Fairways.

Von den Weinbergen sind es knapp 70 Kilometer bis zum nächsten Ziel, dem Golf-Resort Quinta Da Marinha nahe der Küstenstadt Cascais.

Quinta Da Marinha: Putten im Pinienhain

Auf der 18-Loch-Anlage Quinta Da Marinha fallen einem die sehr gepflegten Fairways und Grüns auf. Der inmitten eines Pinienhains gelegene Kurs ist ein klassischer Ressort-Platz: flach, breit und sportlich nicht allzu schwierig. Vor allem viele Golfgruppen aus Skandinavien und England trainieren hier ihr Spiel.

Greenfee: 75 bis 150 Euro (18 Löcher)

Signature-Hole: 18. Spielbahn. Das 475 Meter lange Schlussloch wird gleich von zwei Seen flankiert. Da muss jeder Schlag wohlüberlegt sein, um das Par 5 ohne Strafschlag zu überstehen.

Zur Anlage gehört ein Fünf-Sterne-Hotel mit vielen Annehmlichkeiten.

Ein unbedingtes Muss ist der Abstecher nach Sintra - die Stadt der Paläste. Jahrhundertealte Königsschlösser und Parkanlagen locken zu jeder Jahreszeit tausende Touristen ins Sintra-Gebirge. Wegen des milden Klimas verbrachten viele portugiesische Könige hier den Sommer. Die wichtigste Sehenswürdigkeit ist der Palácio Nacional da Pena auf dem Gipfel des Höhenzuges. Die Kulturlandschaft Sintra zählt seit 1995 zum Unesco-Weltkulturerbe.

Nur zwei Straßenzüge vom Quinta Da Marinha entfernt, liegt mit dem Oitavos Dunes ein weiterer Traumplatz.

Oitavos Dunes: Spektakuläre Spielbahnen

Dünen, Sand, Pinien, Atlantik und dazu noch spektakuläre Spielbahnen: Oitavos Dunes zählt zu den absoluten Topplätzen in Portugal und Europa. Der amerikanische Architekt Arthur Hills hat in der Nähe von Cascais ein wahres Meisterwerk erschaffen. Der Golfplatz wurde den natürlichen Gegebenheiten der Landschaft angepasst. Dadurch hat der Kurs die Aura eines rauen schottischen Links-Platzes mit mediterranem Flair. Diesen Platz muss man unbedingt zu Fuß ablaufen, denn jeder Meter auf den Fairways und Grüns ist Vergnügen pur.

Greenfee: 75 bis 150 Euro (18 Löcher)

Signature-Hole: 14. Spielbahn. Bei dem 135 Meter kurzen Par 3 in den Dünen muss der Ball über eine tiefe Schlucht auf das kleine Grün geschlagen werden.

Ebenfalls eine architektonische Augenweide ist das mitten auf dem Platz gelegene "The Oitavos". Modern und schlicht ist das fast gläserne Fünf-Sterne-Hotel, es passt zum Platz und der Natur. Von der Terrasse geht der Blick wieder Richtung Meer. Der Wind ist abgeflaut. Die Sonne spiegelt sich auf dem ruhigen Atlantik. Es ist still. Und Golf wird wieder für einen kurzen Augenblick zur Nebensache.


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