Samstag, 21. September 2019

Das Okavango-Delta in Botswana Von der Luxuslodge zur Safarifahrt

Entdeckerzeit: Das Okavango-Delta in Botswana
TMN / Botswana Tourism

Patrick will gerade zur Landung auf der schmalen Sandpiste ansetzen, als er die Giraffenherde sieht. "Wir müssen noch mal eine Runde drehen, bis die Tiere verschwunden sind", sagt der Buschpilot und zieht die kleine Cessna-Propellermaschine wieder hoch. Die Safari-Gäste freuen sich, kleben an den Fensterscheiben. Allen ist bei dem Ausblick sofort klar, an einem wirklich speziellen Ort zu sein: Umgeben von der Kalahari-Halbwüste gehört das Okavango-Delta in Botswana zweifellos zu den erstaunlichsten Landschaften Afrikas.

Die Sumpflandschaft ist ein schier endloses Labyrinth aus kleinen Inseln, Lagunen und Feuchtgebieten. Der aus dem Hochland Angolas kommende Okavango-Fluss bildet hier mit 15 000 Quadratkilometern das größte Binnendelta der Welt, wobei die Ausdehnung des Deltas enormen jahreszeitlichen Schwankungen unterliegt. Mit der Flut weitet sich die Schwemmlandschaft auf mehr als die doppelte Größe aus.

Der Wasserreichtum in der sonst recht kargen Region im Norden Botswanas macht das Delta zu einem der wichtigsten Rückzugsgebiete für Tiere im südlichen Afrika. Das wird schon beim Landeanflug klar: Büffel, Zebras, Elefanten und riesige Antilopenherden grasen direkt neben der Sandpiste. Fast glaubt man, im Garten Eden zu landen, weit weg von der menschlichen Zivilisation.

Wie abgeschieden die Region ist, führt bereits der Flug von Kasane ins Delta anschaulich vor Augen. Straßen oder Dörfer? Fehlanzeige! Das Delta gehört zu den sehr wahrscheinlich unzugänglichsten Regionen Afrikas. In der Trockenzeit erreicht man zwar einige Lodges im Geländewagen. Doch zu den meisten kommt man nur mit kleinen Buschfliegern oder per Boot.

Hier hat man die Tiere fast für sich alleine

Patrick landet sicher auf dem Busch-Flughafen. Er gehört zur "Xigera"-Lodge. Sie liegt idyllisch auf der kleinen Paradise-Insel mitten im Moremi-Wildreservat im Herzen des Okavango-Deltas. Botswana setzt seit Jahren auf exklusiven Individualtourismus und vergibt innerhalb seiner Naturparks private Wildreservat-Konzessionen, die von luxuriösen Lodge- und Safari-Betreibern geführt werden. Wer also im Okavango-Delta auf Safari geht, muss sich die Tierwelt nicht wie in Kenia mit Touristen verschiedenster Safari-Unternehmen teilen. Hier hat man die Tiere wie zu Entdeckerzeiten fast für sich alleine. Die meisten Lodges beherbergen maximal 20 Gäste, die auf den täglichen Pirschfahrten sogar noch auf mehrere Gruppen aufgeteilt werden.

Die Exklusivität und der Luxus der Camps haben aber natürlich auch ihren Preis - und zwar gut und gerne 400 Euro pro Nacht und Person. Und dabei handelt es sich nicht einmal um die teuersten Lodges. Die Fahrt vom Busch-Flughafen zum Camp lässt schon erahnen, was die Gäste hier jenseits ausgetretener Safari-Routen erwartet: Kudus, Antilopen, Zebras und Giraffen stehen wie ein Begrüßungskomitee Spalier.

Wildnis vor der Haustür bietet die beispielsweise die "Xigera"-Lodge im Moremi-Wildreservat

Safari-Lodge-Guide Rider bittet die Gäste, unter den neugierigen Blicken einer Affenhorde vom Jeep aufs Motorboot umzusteigen, da das Camp auf einem anderen Inselchen liegt. Und schon folgt der erste Adrenalinkick: 20 Meter vor der Lodge kommt plötzlich ein junger Elefantenbulle aus dem Schilf, um den vielleicht fünf Meter breiten Wasserkanal direkt vor dem Boot zu durchqueren. Das gewaltige Tier ist fast genauso erschrocken wie die Gäste, klappt die riesigen Ohren auf und trompetet, dass man kurz ängstlich wird. Rider hält sofort den Motor an und legt den Rückwärtsgang ein.

"Keine Sorge. Er zieht schon weiter", beruhigt er die verschreckten Gäste. Da sind die warmen Erfrischungshandtücher und der alkoholische Willkommensdrink genau richtig. Das Begrüßungslied der Camp-Crew ist allerdings wohl ebenso für Angestellte wie für Touristen etwas peinlich. Aber das gehört dazu.

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