Samstag, 22. Februar 2020

New Yorks Edel-Stadtviertel Hudson Yards Wo sich die Milliardäre treffen

Hudson Yards: Das ist New Yorks neues Edel-Stadtviertel
Christian Röwekamp/dpa-tmn

Der Weg führt aus der New Yorker U-Bahn heraus, vorbei an Hot-Dog-Ständen und Foodtrucks. Dann steht man plötzlich zwischen glatten Glasfassaden und futuristischer Architektur im neuen Viertel Hudson Yards - und fragt sich, wer hier bloß den langweiligen Vorstadt-Geschäftspark mit einem fotogenen Rummel gekreuzt hat.

25 Milliarden Dollar (etwa 22,7 Milliarden Euro) hat die Handvoll Designer-Wolkenkratzer gekostet, die wie Parfüm-Flakons im Westen Manhattans aufragen. Das Viertel steht auf einer Fläche von etwa 16 Fußballfeldern am Hudson River. Viele New Yorker aber rümpfen die Nase: "Bloß nicht hingehen!" Es gebe viele interessante Orte in der Stadt, die Auswahl ist groß - Hudson Yards zählt für sie nicht dazu.

Wer den "Spielplatz für Milliardäre" besucht, wie Medien die Hudson Yards genannt haben, bahnt sich dennoch seinen Weg durch ein Meer an Touristen, die im Mittelpunkt des Viertels stehen: vor dem "Vessel" (zu Deutsch: "Gefäß"), einem eigentümlichen, 200 Millionen Dollar teuren Bauwerk, das sich auf dem Platz zwischen den Häusern befindet.

Ein "überstimulierendes" Gefühl?

Ein junger Kerl staunt das Ding an, das einem indischen Stufenbrunnen nachempfunden sein soll, obwohl es eher aussieht wie ein überdimensionierter, begehbarer Dönerspieß. Seine Treppen haben kein wirkliches Ziel, doch der junge Mann ist hellauf begeistert: "Es ist überstimulierend!" Nicht nur das "Gefäß", sondern die Hudson Yards insgesamt: "Dieser Ort ist so dicht, es gibt so viel zu sehen."

Weiter kommt der Mann mit seinem werbereifen Auftritt nicht, denn seine Freundin zieht ihn weiter. Überstimulierend - das Wort klingt noch nach, während man in der Schlange vor dem "Vessel" wartet.

Mehr als sechs Jahre Arbeit steckt in den Hudson Yards, dem größten und teuersten privaten Bauprojekt in der Geschichte der USA. Im März 2019 schließlich gab es die Eröffnung. Verkauft wurde es den New Yorkern als neue Quelle für Steuereinnahmen. Büros für 40 000 Menschen wurden gebaut, dazu Wohnungen für 4000 Bewohner - die teuersten lagen ganz locker im zweistelligen Millionenbereich.

Neues Viertel über alten Bahngleisen

Firmen wie SAP, L'Oréal und Boston Consulting haben sich hier angesiedelt, wo einst die Gleise hinter dem Bahnhof Penn Station das Bild prägten. Die Schienen sind immer noch da - und das ist vielleicht das Spannendste an den Hudson Yards: Ihre Hochhäuser stehen nicht auf dem Erdboden, sondern haben eine Eine-Milliarden-Dollar-Plattform über den Gleisen bekommen, auf der sie sich gegenseitig ausbalancieren. Auf diese Weise soll auch der zweite Teil des Viertels entstehen.

Oben auf dem "Gefäß" stellt sich das angeblich "überstimulierende" Wow-Gefühl irgendwie nicht ein. So gut ist die Aussicht nicht, der Blick fällt nur auf gut gebräunte Yuppies am Pool des Luxushotels gegenüber. "Wir wollten es richtig interaktiv machen", erklärt Kathleen Corless, die Öffentlichkeitsarbeit für die Hudson Yards macht und gerne davon redet, wie "instagramable" der Stadtteil sei.


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Zur Hochform läuft Corless auf, als sie durch das 67.000 Quadratmeter große Einkaufszentrum auf sieben Ebenen führt. "Wenn du ein Luxuskonsument bist, solltest du absolut in die Hudson Yards kommen", schwärmt sie. Die Auswahl an Dior- und Gucci-Läden und edlen Restaurants ist groß, die Preise sind so exklusiv wie die Zielgruppe.

Teures Bier und kreativer "Schuppen"

Was aber bekommen normale Touristen geboten in einem Viertel, das auf Big Business und die oberen Zehntausend setzt und in dem selbst im Foodcourt ein 0,33 Liter-Bier zehn Dollar (neun Euro) kostet?

Der einzige Grund, um die Hudson Yards zu besuchen, so schrieb die "Washington Post", sei der teuerste "Schuppen" der Welt: "The Shed" heißt das Gebäude mit dem bescheidenen Namen und einer spektakulären Architektur, die auch schon mal als "Flugzeughangar in Daunendecke" beschrieben wurde. Das 500-Millionen-Dollar-Haus ist als interdisziplinäres Kunst- und Kulturzentrum angelegt und bietet Ausstellungen und Konzerte von etablierten Künstlern genauso wie von jungen Talenten.

Doch es gibt noch zwei andere Gründe, die für einen Besuch sprechen. Der erste ist der Beginn einer der schönsten Spazierwege Manhattans: die ehemalige Hochbahntrasse "High Line". Früher brachten hier Güterzüge ihre Waren direkt in die oberen Stockwerke von Fabriken und Lagerhäuser, heute können Fußgänger auf der "High Line" 2,5 Kilometer lang durch New York flanieren, ohne auf Autos achten zu müssen.

Der zweite Grund eröffnet erst im Frühjahr 2020 und liegt in knapp 345 Metern Höhe: die offene Plattform des Wolkenkratzers "30 Hudson Yards". Die Aussicht aus einem der höchsten Gebäude der Stadt wird sich kaum übertreffen lassen. Zumindest für viele Einheimische ein weiterer Vorteil: Man kann die Hudson Yards von dort nicht sehen.

Benno Schwinghammer, dpa

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