Donnerstag, 22. August 2019

Deilmann-Chef Christopher Nolde "Die MS Deutschland ist ein kulturelles Erlebnis"

Kreuzfahrten: Die MS Deutschland auf neuem Kurs
Maren Hoffmann

Die MS Deutschland ist das "Traumschiff" der ZDF-Serie. Reedereichef Christopher Nolde will den Kreuzfahrer wieder auf lukrativen Kurs bringen - und dabei behutsam modernisieren.

mm: Herr Nolde, jüngst wurde in Hamburg das neue Flaggschiff der TUI Cruises getauft, die "Mein Schiff 3". Sind Sie hingegangen?

Nolde: Nein. Ich habe lieber Fußball geguckt.

mm: Macht Ihnen die "Mein Schiff 3" Angst?

Nolde: Überhaupt nicht. Die "Mein Schiff"-Flotte mit der 3 und der 4, die ja schon im Bau ist, zielt auf eine ganz andere Zielgruppe ab - das zählt eher zum Massentourismus, somit können die ganz andere Preise aufrufen. Das sind Riesenpötte, die können jeweils rund 2500 Passagiere in 1250 Kabinen aufnehmen. Wir haben 288 Kabinen. Das ist ein ganz anderes Schiffserlebnis. Die positionieren sich als Wellness-Schiffe. Die MS Deutschland ist mehr ein kulturelles Erlebnis. Wir bieten dann doch Entertainment auf anderem Niveau.

mm: Aber mit schlechterer Bühnentechnik.

Nolde: Sicher, wenn ich ein 16 Jahre altes Schiff mit einem Neubau vergleiche, dann hat sich die Hardware natürlich weiterentwickelt. Aber der Grand-Hotel-Charme der MS Deutschland besitzt einen eigenen Wert, und das, was wir auf der Bühne bieten, ist erstklassige Unterhaltung. Da steht ein 70.000 Euro teurer Steinway-Flügel, und wer sich an den setzen darf, der kann ihn auch spielen.

mm: Der Umsatz der MS Deutschland ist von 2012 auf 2013 noch einmal gesunken, um 4,3 Millionen Euro. Fährt das Schiff in die Pleite?

Nolde: Definitiv nicht. 2013 war für die gesamte Kreuzfahrtbranche ein sehr schlechtes Jahr. Es gab viele Bürgerkriege auf unseren Reiserouten, Reisewarnungen haben Gäste verunsichert, das hat sich natürlich auch in den Buchungen niedergeschlagen. Das konnten wir an den Angeboten der Konkurrenz ablesen, da gab es schon im März zum Teil 50-prozentige Preisnachlässe.

mm: Der MS Deutschland ging es aber noch schlechter als anderen.

Nolde: Ja, ein Teil der Probleme war auch hausgemacht und sind lange vor meiner Zeit entstanden. Der strategische Kurs dieses Unternehmens war nicht ganz klar, um nur einen zu nennen. In der Vertriebsarbeit wurden viele Dinge nicht unbedingt optimal gestaltet. Die MS Deutschland hat Gäste verloren. 2014 wird aber besser, und 2015 wird richtig gut. Wir haben hervorragende Vertriebskennzahlen und Buchungseingänge. Unser neuer Katalog zündet sehr gut, unsere Internetseite hat sensationelle Klickzahlen, und von den Reisebüros bekomme ich auf unserer Sales-Roadshow sehr positives Feedback.

mm: Die Fortführung der Geschäfte ist bis 2015 gesichert. Und dann? Bei der Anleihe war zwischendurch sogar von einem Haircut die Rede…

Nolde: Dafür gibt es seitens des Investors keine akuten Pläne. Das wird auch nicht notwendig sein. Die Finanzierung für dieses Jahr ist noch über den Altgesellschafter gesichert, und im nächsten Jahr werden wir genug eigenen Cashflow erwirtschaften. Wir sind in einer Restrukturierungsphase und machen das Unternehmen wieder richtig profitabel. Gerade haben wir eine Vertriebskooperation mit der FTI Group auf den Weg gebracht. Die übernehmen ab Herbst den Vertrieb der MS Deutschland in mehr als 11.400 Reisebüros. Aber man kann natürlich nicht in anderthalb Jahren alles wiederherstellen, was in Jahren zuvor versäumt worden ist.

mm: Die MS Deutschland hatte zuletzt eine Auslastung von 67 Prozent. Das ist weit davon entfernt, kostendeckend zu sein. Was sind Ihre Ziele?

Nolde: Ab 75 Prozent fängt es an, Spaß zu machen.

mm: Wie wollen Sie diese Marke erreichen?

Nolde: Wir wollen unsere Stammkunden zurück- und Neukunden hinzugewinnen. Auf unseren jüngsten Fahrten hatten wir zum Teil schon 70 Prozent Neukunden. Wir haben den Fünf-Sterne-Status wieder etabliert und haben jetzt das vierte Mal in Folge den Six Star Diamond Award der American Academy of Hospitality Science gewonnen. So etwas ist extrem wichtig. Vormals enttäuschte Stammgäste kommen zurück, das sehen wir jetzt schon. Früher wurde an verschiedenen Stellen gespart. Da gab es Sekt statt Champagner, am Essen wurde etwas geknausert, man hat Investitionen verschleppt - ich habe im vergangenen Jahr allein 140 Kabinen neu mit Teppichen ausstatten lassen müssen. Wir müssen den Gästen das Gefühl geben, dass sie für einen Fünf-Sterne-Preis auch ein Fünf-Sterne-Produkt bekommen.

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