Montag, 20. Mai 2019

Idahos heiße Quellen Traumtour für Mountainbiker

Mountainbiken: Zu Idahos heißen Quellen
TMN

2. Teil: Dann macht der Berg ernst.

Info-Kasten: Idaho Hot Springs Mountain Bike Route
Reiseziel
Die Idaho Hot Springs Mountain Bike Route ist ein rund 1200 Kilometer langes, im Jahr 2014 eröffnetes Wegenetz, das durch das von den Rocky Mountains geprägte Zentrum Idahos führt. Als Start- und Endpunkt nutzen die meisten Biker Idaho City, das gut 60 Kilometer außerhalb der Hauptstadt Boise liegt. Die Hauptstrecke führt größtenteils entlang von Schotterwegen, teilweise geht es aber auch über Pfade oder entlang alter Eisenbahnschienen.
Anreise
Per Flugzeug ab Deutschland mit ein bis zwei Zwischenstopps in rund 15 bis 20 Stunden nach Boise. Die Strecke bedienen mehrere Fluggesellschaften, teils im Codesharing - etwa mit Delta Airlines, United, Air France, KLM, Condor und Lufthansa.
Einreise
Deutsche Urlauber können ohne Visum einreisen, müssen sich aber unter esta.cbp.dhs.gov eine elektronische Einreiseerlaubnis einholen (Esta). Sie kostet 14 US-Dollar und ist zwei Jahre gültig.
Unterkunft
Entlang der Route gibt es mehrere Campingplätze, die man ohne Voranmeldung aufsuchen kann.
Ausrüstung
Geschäfte für Outdoor-Bedarf in Boise verleihen gute Mountainbikes und anderes Equipment wie Satteltaschen, Helme oder Campingausrüstung. Dort kann man in der Regel auch Kartenmaterial und Reisehandbücher der Region erwerben. Ins Gepäck gehört Bären-Abwehrspray, Sonnencreme, Erste-Hilfe-Set, Mückenmittel sowie Wasserpumpe zum Reinigen des Flusswassers und ein GPS-Gerät.
Literatur
Doug Roloff
Complete Guide to Idaho Hot Springs
ISBN 978-1-932133-23-3
Das Handbuch enthält GPS-Koordinaten und detaillierte Wegbeschreibungen zu 120 heißen natürlichen Quellen in ganz Idaho in englischer Sprache. Jetzt bei Amazon kaufen
Internet

Man kann die Hot Springs Mountain Bike Route weit abgelegen auf schmalen Trampelpfaden durch das Sawtooth Wilderness fahren, wo wie Juwelen Hunderte von blauen Bergseen warten. Doch wer es auf möglichst viele Quellen absieht, ist unweit Boise entlang des Boise Rivers an der richtigen Stelle. Da sie aber fast nie ausgeschildert sind, sollte für die kurzen Abstecher zu den warmen und teils sehr heißen Becken ein Handbuch oder eine Karte ins Gepäck.

Auch wir finden schließlich zu einer heißen Quelle. Die Karte zeigt einen kleinen Wasserfall, nur müssten wir durch den Fluss waten, um die heiße Dusche zu erreichen. Wir radeln über eine Brücke. Zwei Fliegenfischer in Wathosen stehen mittendrin und schwingen die Leine. Über einen Trampelpfad geht es zu Fuß zum Flussufer.

Die Füße abwechselnd in heißes Wasser zu halten, um anschließend im kalten Gebirgsfluss zu waten, ist für sich gesehen schon eine Wohltat. Aber mit Dutzenden Fahrradkilometern in den Waden eine noch größere. Wobei man auch aufpassen muss: An den Stellen, wo es aus der Erde tritt, kann das Wasser kochend heiß sein.

Nach ein paar Kilometern weiter flussaufwärts müssen wir unsere Wasservorräte auffüllen. Dann macht der Berg ernst. Vom letzten Waldbrand übrig geblieben stehen schwarze Baumgerippe vor stahlblauem Himmel. Es ist früher Nachmittag, und wir wollen vor Einbruch der Dunkelheit in Featherville sein, einem kleinem Nest, in dem es immerhin Mobilfunksignal und ein kleines Motel gibt - für Radler, die mal in einem Bett schlafen wollen.

Knapp fünf Stunden benötigen wir, um die 1000 Höhenmeter bis hinauf auf 2100 Meter nahe des Steel Mountain zu bewältigen - die meiste Zeit schiebend. Am Wegesrand begleiten uns hoppelnd immer mal wieder neugierige Ziesel, die zwischendurch aufrecht stehen bleiben und uns ansehen.

Oben angekommen bietet sich wieder eine herrliche Aussicht über die weiten Täler, in denen sich zum Abend der Dunst sammelt. Es dämmert, als wir wie benommen auf dem sandigen Weg ins Tal rollen. Wir passieren die Ghosttown Rocky Bar, eine Ansammlung verfallener Holzhütten. Für Schrecksekunden sorgen schwarze Baumstümpfe, die in der Fantasie wie Schwarzbären aussehen. Aber sie bewegen sich nicht.

Dann sehen wir Licht, den beleuchteten Saloon von Featherville. Wir checken im "Featherville River Motel" ein. "Ich bewirte die Verrückten", sagt Pat Christensen, ein ehemaliger Air-Force-Pilot, der neben dem Motel mit seiner Frau "Cyndies Featherville Café" betreibt. Er meint die Radler. Durch seinen Ex-Job kennt er viel Action. Auf den Sattel geschwungen, um die Hot Springs Mountain Bike Route zu bewältigen, hat er sich aber noch nie.

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