Dienstag, 12. November 2019

Mit dem E-Koffer durchs Terminal Fahr schon mal den Koffer vor!

Modobag: Mit dem E-Koffer zum Flieger sausen
Youtube / Modobag

50.000 US-Dollar wollten die Erfinder des ersten fahrbaren Elektrokoffers auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo einsammeln. Obwohl die Finanzierungsrunde noch neun Tage läuft, ist das Ziel bereits zu 565 Prozent übererfüllt: 282.646 Dollar hat der US-Hersteller Modobag eingesammelt. Der Koffer hat Handgepäckmaße und verfügt über Ausklapp-Fußrasten und -Lenker.

Offenbar gibt es eine nicht zu unterschätzende Zielgruppe, die lieber auf einem akkubetriebenen E-Koffer durchs Terminal sausen will als einen Old-School-Rollkoffer hinter sich herzuziehen. In den Werbevideos sieht man fröhliche Menschen, die auf ihren Koffern cruisen - unbeschwert von so lästigen Dingen wie Straßenverkehrsordnungen, die zumindest in Deutschland das Fahren im öffentlichen Raum erschweren würden.

Ganz neu ist die Idee allerdings nicht: Vor zwei Jahren ließ sich ein Chinese bereits einen fahrbaren Koffer patentieren; eine Firma namens Micro Travel Scooter bietet für rund 300 Euro einen mit einem Tretroller kombinierten Koffer, und im Angebot von Amazon findet sich ein Scooter-Modell auch in der Elektroversion - für stolze 890 Euro.

Der Modobag, der zumindest in den Videos kompakter und ausgereift wirkt, soll ebenfalls um die 900 Euro kosten und ab Anfang kommenden Jahres ausgeliefert werden. Mit seinem 150-Watt-Motor werde das rasende Gepäckstück auf bis zu 13 Stundenkilometer kommen, verspricht Modobag - bis zu 117 Kilogramm dürften Fahrer auf die Waage bringen.

Besonderes Feature: Die integrierten USB-Ports, mit denen man während der Fahrt mobile Endgeräte laden kann. Die Lithium-Ionen-Akkus selbst sollen nach Angaben des Herstellers in einer Viertelstunde zu 80 Prozent geladen werden können und bis zu 4000 Ladezyklen überstehen. Mit seinen 8,6 Kilogramm ist der Koffer allerdings selbst kein Leichtgewicht.

Offen bleibt erstmal auch, ob Sicherheitskräfte im Flughafen wirklich einen Koffer mit Elektroantrieb durchs Terminal cruisen lassen - und das Kofferfahrzeug dann auch mit an Bord darf. Ein Sprecher der Bundespolizei äußerte manager-magazin.de gegenüber einige Bedenken. Eine Gefährdung anderer Reisender sei nicht auszuschließen, die ja nicht damit rechneten, von einem auf einem schnell rollenden Koffer sitzenden Mitmenschen überholt zu werden - und in manchen Flughäfen sei das Passagieraufkommen so hoch, "da würden Sie schlicht nicht durchkommen."

Auch Fahrräder oder Tretroller seien in Terminals normalerweise nicht erlaubt. Gepäckwagen und andere Fahrzeuge, die dort herumführen, seien mit Grund mit optischen und akustischen Signalgebern ausgerüstet. Kritisch auch die Sicherheit an Bord: Da wäre gründlich zu prüfen, ob man etwa den Lenker oder die Fußrasten nicht zu einer Hieb- oder Stichwaffe umfunktionieren könne.

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