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Meilenprogramme: Die besten Tipps für Vielflieger

Foto: © Eric Miller / Reuters/ REUTERS

Studie über Meilenprogramme der Airlines Wer den besten Payback bietet

Flugmeilen sind längst eine Schattenwährung geworden - aber was bekommt man wirklich dafür? Reiseexperte Alexander Koenig vom Portal First Class & More hat in einer Studie untersucht, was die Airlines an Gegenwert bieten - und welche dabei am besten abschneidet.

mm: Sie haben in einer groß angelegten Studie die Meilenprogramme der Airlines untersucht. Gibt es eine Fluggesellschaft, die bei der Gesamtwertung ganz vorn liegt?

Koenig: Wir haben vier unterschiedliche Bereiche betrachtet: Zunächst ging es um das beste Flugprodukt, dann um das Meilensammeln, anschließend haben wir uns die Statusvorteile und den Statuserwerb angesehen und am Ende das Thema Meilen einlösen. In jedem Bereich liegt eine andere Airline vorne. In der Gesamtwertung konnte sich am Ende Lufthansa Miles & More denkbar knapp an die Spitze setzen.

mm: Wenn man jetzt nur einmal den Payback-Wert betrachtet, also, wie oft man eine Strecke fliegen muss, um ein Ticket auf derselben Strecke komplett mit Meilen bezahlen zu können - wer macht da das Rennen?

Koenig: In der Business Class liegt Turkish Airlines ganz klar vorne. Im Schnitt erhält man dort auf einem Flug fast 24 Prozent der Meilen, die man für einen Freiflug auf derselben Strecke benötigen würde. Das liegt in erster Linie an den sehr niedrigen Meilenpreisen für die günstigsten Prämientickets. Am Ende des Spektrums liegt Air France mit knapp 12 Prozent. Das heißt: Dort muss man mehr als acht Mal fliegen, um genug Meilen für einen Freiflug zusammen zu bekommen.

mm: Und in der First Class?

Koenig: Dort bietet Lufthansa mit knapp 17 Prozent den besten Payback, während Air France auch hier mit etwas mehr als 7 Prozent abgeschlagen am Ende liegt. Bei Air France macht sich bemerkbar, dass die Airline ihr Vielfliegerprogramm im Juni durch massive Erhöhung der Meilenpreise stark entwertet hat. Im Grunde genommen ist damit das Programm uninteressant geworden.

mm: In krassen Einzelfällen zahlt man, wie Sie vorrechnen, für einen Flug mit Meilen sogar mehr Geld dazu, als derselbe Flug ganz ohne Meileneinsatz kosten würde. Wie kann so etwas passieren? Ist das Absicht oder haben die Airlines ihre eigenen Programme nicht im Griff?

Koenig: Das Problem, dessen sich die meisten Endkunden nicht bewusst sind, sind die Steuern und Gebühren, die auch bei Prämientickets anfallen. Je nach Flug machen sie leicht bis zu 70 oder 80 Prozent des regulären Flugpreises aus, zumindest bei günstigen Economy Class Tickets. Ärgerlicherweise werden diese Steuern und Gebühren für Prämienflüge gesondert festgelegt. Die krassesten Änderungen gab es in den letzten Monaten bei Emirates. Früher bot der Golfcarrier seine Prämientickets mit Steuern und Gebühren um die 100 Euro pro Flug an. Nach Einführung einer sogenannten "Carrier imposed surcharge" ist alles nur noch Willkür und sehr oft höchst unattraktiv.

mm: Wieso?

Koenig: Wenn ich etwa dasselbe Flugticket von Dubai nach New York und zurück einmal als sogenannten Business Class SAVER Tarif mit Meilen buche, zahle ich 125.000 Meilen plus 750 Dollar Steuern. Buche ich im FLEX Tarif, zahle ich 200.000 Meilen und 1.372 Dollar Steuern. Bei diesen Zuzahlungen muss sich eigentlich jeder Kunde veräppelt vorkommen, zumal er im genannten Beispiel auch noch mehr Meilen zahlt. Immer mehr Airlines versuchen, das Maximum aus ihren Kunden herauszusaugen.

"Meilen werden falsch eingesetzt"

mm: Sie schreiben in Ihrer Studie, dass Meilenprogramme der größte Gewinnhebel für die Airlines sind. Wie funktioniert das Geschäft mit den Meilen?

Koenig: Meilen sind in der Tat eine zweite Währung geworden, die für Airlines einen großen Vorteil gegenüber einer regulären Währung hat: Während jeder den Wert eines Euro kennt, kann so gut wie niemand sagen, was der wirkliche Wert einer Meile ist. Der Hauptgewinnhebel für Airlines basiert auf zwei Dingen: Zum einen wird heutzutage ein Großteil der Meilen nicht beim Fliegen verdient, sondern am Boden: Ob Abonnements, Mobilfunkverträge, Finanzprodukte oder Kreditkartenausgaben, in allen Bereichen des täglichen Lebens werden heute Meilen gutgeschrieben. Doch diese Meilen verkaufen die Airlines zunächst zu hohen Preisen an die Unternehmen, die diese dann für den Kauf bzw. die Nutzung ihrer Produkte ausloben.

mm: Welche Rolle spielen die Endkunden in der Gesamtrechnung?

Koenig: Die setzen die gesammelten Meilen dann oft denkbar ungünstig ein. Sie buchen beispielsweise Economy Class Flüge, bei denen die Steuern und Gebühren in der Prämienbuchung 80 Prozent des regulären Kaufpreises ausmachen. Am Ende sparen sie nur 20 Prozent und zahlen dafür enorme Meilenbeträge, für die die Airline wiederum große Geldbeträge von den Meilenpartnern eingesammelt hat. So verdient die Airline dann an einem Meilenflug oft erheblich mehr als einem regulären Ticket.

mm: Was sind die häufigsten Fehler, den Vielflieger beim Nutzen von Meilenprogrammen machen?

Koenig: Der Hauptfehler besteht darin, dass die Meilen für die falschen Prämien eingesetzt werden. Der Gegenwert von 1000 eingesetzten Meilen in Euro kann teilweise bis zu 26 Mal höher sein, wenn ich die Meilen geschickt für die richtigen Business oder First Class Flüge einsetze - anstatt sie für World Shop Produkte, die falschen Economy Class Flüge oder sogar Hotels oder Mietwagen zu verschwenden. Darüber hinaus muss man wissen, dass es bestimmte Strecken gibt, die sich für das Meilen sammeln besonders gut eignen und andere, die für den Meileneinsatz wiederum optimal sind. Nur wer dieses Zusammenspiel kennt, kann seine Meilensammel- und Meileneinlösestrategien optimieren.

mm: Wie wertstabil sind Meilen?

Koenig: Wenn wir die reinen Meilenwerte betrachten, die man für die Einlösung von Prämientickets benötigt, so ist die Meilen-Währung noch vergleichsweise stabil. Eine Anpassung der Meilenwerte erfolgt bei Airlines nur alle fünf bis zehn Jahre. Da solche Anpassungen dann aber oft 20, 30 oder mehr Prozent an Aufschlägen verursachen, kann die jährliche "Inflation" dennoch bei einzelnen Airlines recht hoch sein.

mm: Bei welchen zum Beispiel?

Koenig: Das herausragendste Beispiel, aber leider im negativen Sinne, ist hier Air France. Zum Juni hat Air France die Meilenwerte in der Premium Economy Class um durchschnittlich etwa 60 Prozent erhöht, bei Business Class Flügen waren es etwa 25 Prozent und in der First Class 30 Prozent. Das erklärt auch, warum der Meilen-Payback, den ich zu Anfang genannt habe, bei Air France so schlecht ist. In einem solchen Szenario gilt für den Endkunden umso mehr die Maxime: Den Meileneinsatz optimieren und gleichzeitig stets nach den besten Meilendeals Ausschau halten.

mm: Die Lufthansa hatte ja in der Vergangenheit viel Ärger mit der Umstellung ihres Meilenprogramms. Haben die Fluggesellschaften daraus gelernt?

Koenig: Lufthansa hat mit Sicherheit gelernt, Änderungen rechtzeitig zu kommunizieren. So wurde beispielsweise jetzt schon angekündigt, dass ab dem nächsten Jahr nur noch Senatoren und HON Circle Members Swiss First Class Prämienflüge buchen können. Doch generell finde ich, dass viele Änderungen in Vielfliegerprogrammen wenig durchdacht sind. Wenn beispielsweise Air France die Meilenpreise für einen First Class Return-Flug von Frankfurt nach Bangkok auf 520.000 Meilen erhöht oder Emirates auf einmal für manche Strecken 1000 Euro an zusätzlichen Prämienticketgebühren einführt, dann fehlen mir da die Worte. Airlines müssen aufpassen, dass sie ihre Vielfliegerprogramme attraktiv halten, denn am Ende kann gerade bei Vielfliegern ein gut gemanagtes Vielfliegerprogramm den Ausschlag geben, ob sie mit Airline A oder B fliegen.

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