Donnerstag, 23. Mai 2019

Studie über Meilenprogramme der Airlines Wer den besten Payback bietet

Meilenprogramme: Die besten Tipps für Vielflieger
DPA

2. Teil: "Meilen werden falsch eingesetzt"

mm: Sie schreiben in Ihrer Studie, dass Meilenprogramme der größte Gewinnhebel für die Airlines sind. Wie funktioniert das Geschäft mit den Meilen?

Koenig: Meilen sind in der Tat eine zweite Währung geworden, die für Airlines einen großen Vorteil gegenüber einer regulären Währung hat: Während jeder den Wert eines Euro kennt, kann so gut wie niemand sagen, was der wirkliche Wert einer Meile ist. Der Hauptgewinnhebel für Airlines basiert auf zwei Dingen: Zum einen wird heutzutage ein Großteil der Meilen nicht beim Fliegen verdient, sondern am Boden: Ob Abonnements, Mobilfunkverträge, Finanzprodukte oder Kreditkartenausgaben, in allen Bereichen des täglichen Lebens werden heute Meilen gutgeschrieben. Doch diese Meilen verkaufen die Airlines zunächst zu hohen Preisen an die Unternehmen, die diese dann für den Kauf bzw. die Nutzung ihrer Produkte ausloben.

mm: Welche Rolle spielen die Endkunden in der Gesamtrechnung?

Koenig: Die setzen die gesammelten Meilen dann oft denkbar ungünstig ein. Sie buchen beispielsweise Economy Class Flüge, bei denen die Steuern und Gebühren in der Prämienbuchung 80 Prozent des regulären Kaufpreises ausmachen. Am Ende sparen sie nur 20 Prozent und zahlen dafür enorme Meilenbeträge, für die die Airline wiederum große Geldbeträge von den Meilenpartnern eingesammelt hat. So verdient die Airline dann an einem Meilenflug oft erheblich mehr als einem regulären Ticket.

mm: Was sind die häufigsten Fehler, den Vielflieger beim Nutzen von Meilenprogrammen machen?

Koenig: Der Hauptfehler besteht darin, dass die Meilen für die falschen Prämien eingesetzt werden. Der Gegenwert von 1000 eingesetzten Meilen in Euro kann teilweise bis zu 26 Mal höher sein, wenn ich die Meilen geschickt für die richtigen Business oder First Class Flüge einsetze - anstatt sie für World Shop Produkte, die falschen Economy Class Flüge oder sogar Hotels oder Mietwagen zu verschwenden. Darüber hinaus muss man wissen, dass es bestimmte Strecken gibt, die sich für das Meilen sammeln besonders gut eignen und andere, die für den Meileneinsatz wiederum optimal sind. Nur wer dieses Zusammenspiel kennt, kann seine Meilensammel- und Meileneinlösestrategien optimieren.

mm: Wie wertstabil sind Meilen?

Koenig: Wenn wir die reinen Meilenwerte betrachten, die man für die Einlösung von Prämientickets benötigt, so ist die Meilen-Währung noch vergleichsweise stabil. Eine Anpassung der Meilenwerte erfolgt bei Airlines nur alle fünf bis zehn Jahre. Da solche Anpassungen dann aber oft 20, 30 oder mehr Prozent an Aufschlägen verursachen, kann die jährliche "Inflation" dennoch bei einzelnen Airlines recht hoch sein.

mm: Bei welchen zum Beispiel?

Koenig: Das herausragendste Beispiel, aber leider im negativen Sinne, ist hier Air France. Zum Juni hat Air France die Meilenwerte in der Premium Economy Class um durchschnittlich etwa 60 Prozent erhöht, bei Business Class Flügen waren es etwa 25 Prozent und in der First Class 30 Prozent. Das erklärt auch, warum der Meilen-Payback, den ich zu Anfang genannt habe, bei Air France so schlecht ist. In einem solchen Szenario gilt für den Endkunden umso mehr die Maxime: Den Meileneinsatz optimieren und gleichzeitig stets nach den besten Meilendeals Ausschau halten.

mm: Die Lufthansa hatte ja in der Vergangenheit viel Ärger mit der Umstellung ihres Meilenprogramms. Haben die Fluggesellschaften daraus gelernt?

Koenig: Lufthansa hat mit Sicherheit gelernt, Änderungen rechtzeitig zu kommunizieren. So wurde beispielsweise jetzt schon angekündigt, dass ab dem nächsten Jahr nur noch Senatoren und HON Circle Members Swiss First Class Prämienflüge buchen können. Doch generell finde ich, dass viele Änderungen in Vielfliegerprogrammen wenig durchdacht sind. Wenn beispielsweise Air France die Meilenpreise für einen First Class Return-Flug von Frankfurt nach Bangkok auf 520.000 Meilen erhöht oder Emirates auf einmal für manche Strecken 1000 Euro an zusätzlichen Prämienticketgebühren einführt, dann fehlen mir da die Worte. Airlines müssen aufpassen, dass sie ihre Vielfliegerprogramme attraktiv halten, denn am Ende kann gerade bei Vielfliegern ein gut gemanagtes Vielfliegerprogramm den Ausschlag geben, ob sie mit Airline A oder B fliegen.

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