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Neue Konditionen bei Meilenkreditkarten Weniger Meilen, mehr Gebühren

Zum Jahresende ändern sich die Meilengutschriften für Kreditkarten im Privatkundengeschäft. Während Lufthansa-Kunden mit massiven Einschnitten bei der Meilenvergabe rechnen müssen, hat Airberlin einen Weg gefunden, die negativen Änderungen teilweise zu kompensieren.
Von Alexander Koenig

Nahezu unbemerkt vollzieht sich derzeit eine der größten Änderungen im Kreditkartengeschäft seit Bestehen der Meilenkreditkarten. Wer seine Einkäufe mit den gängigen Kreditkarten von Airberlin oder Lufthansa bezahlt, erhält ab spätestens Anfang nächsten Jahres nur noch halb so viele Meilen wie bisher - Firmenkunden ausgenommen.

Für viele liegt es auf der Hand, den Fluggesellschaften für die Meilenentwertung den schwarzen Peter zuzuschieben. Die kontinuierlichen Verschlechterungen der Bonusprogramme, insbesondere im deutschen Luftraum, legen die Vermutung nahe, dass die Airlines sich weiter auf Kosten ihrer Passagiere bereichern möchten.

Doch in diesem Fall gibt es eine andere Schuldige: die EU-Kommission. Diese hat eine neue Richtlinie entwickelt, laut welcher Banken den Händlern für Kreditkartenumsätze nur noch maximal 0,3 Prozent berechnen dürfen. Betroffen ist davon ausschließlich der Privatkundenbereich. Für Firmenkreditkarten gilt die Deckelung nicht.

Die Intention dahinter: Den Konsum durch niedrigere Preise ankurbeln. Erreicht werden kann dieses Ziel logischerweise nur, wenn die Gebührensenkung auch an die Kunden weitergeben wird. Doch davon ist man im Moment noch meilenweit entfernt.

Die Kreditkarten werden deutlich unattraktiver

Stattdessen stellt die neue Regelung Airberlin und Lufthansa vor ein massives Problem. Bisher konnten die Fluggesellschaften die Meilengutschriften für Kreditkartenumsätze über eine Beteiligung an den Händlergebühren finanzieren. Durch die Deckelung im Privatkundengeschäft ist das allerdings kaum mehr zu stemmen. Die Folge: eine neue Definition der Meilenvergabe. Diese tritt für Airberlin-Kunden ab 1. Dezember in Kraft, Nutzer der Lufthansa-Kreditkarte können noch bis 31. Dezember zu den alten Konditionen einkaufen.

Alexander Koenig

Alexander Koenig ist Gründer von First Class & More (www.first-class-and-more.de ), dem größten deutsch-sprachigen Beratungsportal für günstige Business und First Class Flüge sowie die optimale Nutzung von Vielflieger- und Hotelprogrammen. Zuvor war er viele Jahre als Unternehmensberater bei McKinsey und BCG tätig. In seiner Kolumne "Koenigs Klasse" greift er regelmäßig Themen auf, die für Vielflieger und -reisende interessant sind.

Danach müssen sich private Nutzer bei Lufthansa zwischen den Kreditkartenvarianten Blue und Gold entscheiden, die mit den verschiedenen Ausprägungen World oder World Plus auf den Markt kommen. Die World Plus-Variante zeichnet sich dabei durch höhere Versicherungsleistungen und zusätzliche Services wie den Zugang zu Regus Business Center Offices/Lounges aus, welche bei der World-Variante nicht gegeben sind.

Allen Privatkundenkarten gemein ist jedoch die angepasste Meilenvergabe. Wo man bisher eine Prämienmeile pro ausgegebenem Euro für seine Einkäufe erhalten hat, müssen ab Januar 2016 für dieselbe Gutschrift zwei Euro ausgegeben werden. Doch damit nicht genug: Die Erhöhung der Auslandseinsatzgebühren von 1,25% auf 1,75% führen zu weiteren Attraktivitätseinbußen der Kreditkarten.

Selbst Extrem-Vielflieger müssen Federn lassen

Selbst Besitzer der exklusiven HON Circle Kreditkarte, welche nur an Vielflieger vergeben wird, die mindestens 600.000 HON Circle Meilen innerhalb von zwei Jahren in der Business oder First Class mit dem Kranich und den zum Konzern gehörigen Airlines sammeln, erhalten ab sofort nur noch die Hälfte der Meilen für ihre Einkäufe. In Anbetracht der Tatsache, dass pro Kunde des ausgewählten Kreises nicht selten 60.000 bis 100.000 Euro pro Jahr alleine für Flüge umgesetzt werden, ist dies doch etwas befremdlich.

Für Firmenkunden ändert sich bei der Meilengutschrift hingegen nichts. Sie erhalten weiterhin eine Prämienmeile pro ausgegebenem Euro. Die Voraussetzungen, die zum Erhalt einer Blue oder Gold World Business Card berechtigen, werden allerdings verschärft.

Bei dem Kreditkarteninhaber muss es sich fortan nicht nur um eine selbstständige, natürliche Person handeln, die über ein Geschäftskonto zur Abwicklung der Kreditkartenabrechnung verfügt. Darüber hinaus dürfen Firmenkreditkarten ab Januar auch nur noch ausschließlich für geschäftliche Zwecke eingesetzt werden. Ob das allerdings geprüft werden kann, ist fraglich.

Während Lufthansa die neue EU-Richtlinie ausschließlich zu Lasten seiner Kunden ausgelegt hat, verfolgt Airberlin einen zweigeteilten Ansatz. Die Hauptstadt-Fluggesellschaft bietet Privatkunden die Wahl zwischen der Airberlin Visa Classic Card basic und der Classic Card plus. Erstere unterscheidet sich im Wesentlichen nicht von Lufthansas verschlechtertem Kreditkartenmodell.

Auch auf die Statusmeilen achten

Auch hier werden die Meilengutschriften halbiert, sodass künftig zwei Euro ausgegeben werden müssen, um eine Prämienmeile zu erhalten. Wer sich für die Classic Card plus entscheidet, erhält hingegen wie bisher pro ausgegebenem Euro eine Prämienmeile, muss dafür aber auch tiefer in die Tasche greifen. 89,90 Euro kostet die Konservierung der alten Meilenregelung, das sind 40 Euro mehr als bei der Basic-Variante. Dafür erhalten Meilensammler aber auch mehr. Wie bei den meisten Lufthansa-Kreditkarten bereits praktiziert, gibt es ab sofort auch bei Airberlin eine unbegrenzte Meilengültigkeit on top, solange man Kreditkartenhalter ist.

Firmenkunden von Airberlin erhalten weiterhin eine Meile pro einem Euro Umsatz. Auch Platinum-Statuskunden von Airberlin sind von den Änderungen nicht betroffen. Ihre Kreditkarte bleibt weiterhin kostenlos und stockt das Meilenkonto wie bisher um eine Prämienmeile pro ausgegebenem Euro auf. Jedoch müssen sich alle Kunden auf eine Erhöhung der Auslandsgebühren einstellen. Statt wie bisher 1,25 Prozent werden künftig 1,99 Prozent des Umsatzes in einer Fremdwährung an Gebühren erhoben. Die Gebühren bei Lufthansa fallen mit 1,75 Prozent etwas niedriger aus.

Ein Alleinstellungsmerkmal der Airberlin-Kreditkarten ist jedoch, dass für jede Prämienmeile, die gutgeschrieben wird, in gleicher Höhe auch eine Statusmeilengutschrift erfolgt. Auch wenn man einmal ein Jahr lang weniger fliegen sollte, kann man so dennoch seinen Vielfliegerstatus erhalten.

Insgesamt betrachtet schafft es Airberlin, trotz des höheren Entgelts für Auslandseinsätze, den Standard aufrechtzuerhalten. Die 40 Euro höhere Jahresgebühr der Plus-Variante wird mit einer unbegrenzten Meilengültigkeit kompensiert, wodurch sie für viele Kunden attraktiver werden wird. Anders sieht es hingegen bei den Lufthansa-Kreditkarten für Privatkunden aus. Die Meilenhalbierung führt zu einer deutlichen Entwertung der Karte, die nicht nur Statuskunden verärgern dürfte. Man darf also gespannt sein, wer im Rennen um die Gunst der papiergeldlosen Vielflieger künftig die Nase vorn hat und ob Lufthansa ihr Produkt noch einmal anpassen wird.