Freitag, 20. September 2019

Mana-Pools-Park in Simbabwe Gut gebrüllt, Löwe

Wildes Land: Der Mana-Pools-Nationalpark in Simbabwe
TMN

Die Fälle sorgen weltweit für Schlagzeilen: Ein Zahnarzt aus den USA erschoss in Simbabwe den bekannten Löwen Cecil, ein deutscher Jäger einen majestätischen alten Elefantenbullen. In dem ostafrikanischen Land können Touristen die Wildnis aber auch friedlich pur erleben. Noch.

Seit mehr als 15 Jahren streift Humphrey Gumpo durch den afrikanischen Busch. Er gilt heute als der beste Guide in Simbabwe. Humphreys Arm baumelt lässig aus dem Geländefahrzeug, bis der Motor ausgeht und der Wagen leise unter einem Anabaum im dichten Gras ausrollt. Stille. Der Blick geht auf den Boden. Dann zeigt der ausgestreckte Arm zielsicher in die Ferne, Griff zum Fernglas. Irgendwo dort lauert sie, die pirschende Löwenherde.

Simbabwe
Reisezeit
Die Trockenzeit reicht von Mai bis Oktober. Dann sind die Straßen trocken, und in den Nationalparks herrscht gute Sicht auf die Tiere. Die Regenzeit zwischen Dezember und März sollte gemieden werden. Dann sind auch viele Parkeinrichtungen geschlossen.
Anreise
Von Deutschland aus fliegen zum Beispiel Ethiopian Airlines, Emirates oder Kenya Airways nach Harare.
Einreise und Formalitäten
Deutsche Staatsangehörige benötigen für die Einreise ein Visum. Ein Touristen-Visum wird am Flughafen in Harare ausgestellt und kostet 30 US-Dollar (rund 27 Euro).
Übernachtungen
Es gibt Campingplätze, Lodges und auch edle Chalets. Die Preise variieren je nach Qualität und Komfort.
Gesundheit
Das Robert-Koch-Institut empfiehlt Impfschutz gegen Hepatitis A und Typhus. Außerdem sollten Reisende sich zum Thema Malaria-Prophylaxe bei einem Tropen- oder Reisemediziner beraten lassen, denn die Malaria tritt landesweit auf.
Geld
Der US-Dollar ist das universelle Zahlungsmittel. Auch der südafrikanische Rand wird in Geschäften, Restaurants und Unterkünften akzeptiert. Banken geben an Geldautomaten US-Dollar aus.
Runter vom Jeep, mit Humphrey durch den Busch. An seinem mit bunten Perlen besetzten Gürtel hängt ein Halfter, in dem ein Revolver steckt. "Habe ich noch nie benutzt, hoffe, er bringt's noch", flüstert Humphrey mit einem Grinsen, das um 5.30 Uhr auch die graueste Wolke verjagt. Die Morgenluft ist gewitterschwer.

Der Mana-Pools-Nationalpark liegt am Sambesi-Fluss, dem viertgrößten Strom Afrikas. Mana bedeutet in der Bantusprache Shona "vier". Der Sambesi besitzt hier vier Nebenarme, und in diesem Becken fühlen sich die Flusspferde besonders wohl. Noch vor der Dämmerung weckt einen ihr gewaltiges Röhren wie ein getunter Kleinwagen. Dann singen die Vögel: blaue Eisvögel, grüne Bienenfresser, braune Roller. Und die Löwen? Die sind längst im Busch unterwegs - und wir folgen ihnen.

Das Geld steckt in der korrupten Bürokratie fest

Simbabwe war lange von der touristischen Landkarte verschwunden. Mit der Enteignung der weißen Farmer begann der Niedergang des Landes. Nach der "Landreform" folgte eine Hungersnot, dann Hyperinflation - bis der US-Dollar Zahlungsmittel wurde. Die Wirtschaft erholte sich, neue Investoren kamen, vor allem aus Südafrika und China. Doch der Wirtschaft geht es immer noch nicht gut. Praktisch niemand im Land besitzt Geld. Im Supermarkt ist es schwierig, einen 10-Dollar-Schein zu wechseln. Das Geld steckt in der korrupten Bürokratie fest.

Die Touristen, die trotzdem ins Land kommen, wollen Wildlife. Doch auch die Tierwelt kämpft ums Überleben. Simbabwe ist zum Zentrum für den illegalen Handel mit Elfenbein geworden, weil es in China als Heilmittel verarbeitet wird. Ein Kilo kostet 2000 Euro, heißt es.

"Der Bestand der Elefanten und Löwen in den Parks ist gefährdet", sagt Humphrey und zeigt auf einen Elefanten, der ein meterlanges Halsband umgebunden bekommen hat, an dem ein Ortungsgerät befestigt ist. Die Technik soll Wilderer abhalten, die Tiere weiter brutal abzuschlachten. Jüngst allerdings schoss ein mutmaßlich aus Deutschland kommender Jäger in Simbabwe einen besonders majestätischen alten Elefantenbullen - völlig legal und außerhalb der Schutzzonen. Aber der Fall warf einmal mehr die Frage auf, wem die umstrittene Praxis der teuren Großwildjagd eigentlich nützt. Tierschützer wollen jetzt den Namen des Mannes ermitteln und veröffentlichen. Zuletzt hatte Simbabwe Schlagzeilen gemacht, als ein US-amerikanischer Zahnarzt den bekannten Löwen Cecil aus dem Nationalpark locken ließ und abschoß.

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