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Atemberaubende Zugreise: Luxuriös auf Schienen durch Perus Anden

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Mit dem Edelzug durch Perus Anden Rollendes Luxushotel mit Fünf-Sterne-Service

Ist es die dünne Höhenluft, die überwältigende Landschaft oder der elegante Luxuszug? Eine Reise mit dem neuen "Belmond Andean Explorer" von Arequipa nach Cusco ist auf jeden Fall atemberaubend.

Leise ratternd windet sich der "Belmond Andean Explorer" durch die Schlucht des Rio Urubamba. Bei Cusco hat der Fluss tiefe Furchen in die peruanischen Anden gegraben. Links klammert sich das schmale Gleisbett an eine Felswand, rechts fällt die Böschung jäh zu dem von Eukalyptusbäumen gesäumten Urubamba ab. An den Hängen arbeiten Bauern auf schmalen Terrassen, die schon die Inkas den Bergen abgetrotzt hatten.

In der Nähe der weltberühmten Inka-Stadt Machu Picchu wirkt die Zugstrecke des neuen "Andean Explorers" wie eine Filmkulisse. Das muss sich auch der deutsche Regisseur Werner Herzog gedacht haben, der am Urubamba in den 1970er Jahren mit Klaus Kinski Filmklassiker wie "Aguirre" und "Fitzcarraldo" drehte. Nach Ollantaytambo schlängelt sich der Fluss nach Osten in den Regenwald, wo er in den Amazonas mündet. Die Strecke des "Andean Explorers" dagegen führt von Cusco südwestlich am Titicacasee vorbei nach Arequipa.

Seit Sommer 2017 verbindet der neue Luxusreisezug die beiden Perlen der peruanischen Anden. Zwei Nächte dauert die Reise mit der Gesellschaft, die auch den "Venice Simplon-Orient-Express" in Europa und den "Eastern & Oriental Express" in Asien betreibt.

Schöner ist die Fahrt von Cusco nach Süden, weil der Zug die imposantesten Gegenden dann tagsüber passiert - auch die spektakulären, fast 4500 Meter hohen Pässe zwischen Puno und Arequipa. Wer dagegen seine Reise dramaturgisch plant, muss in Arequipa starten. Schließlich gibt es kein beeindruckenderes Finale als Cusco mit dem Weltwunder Machu Picchu.

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In welche Richtung man auch fährt, man sollte sich Zeit für die Akklimatisierung lassen. Erst recht, wenn man aus der am Meer liegenden Hauptstadt Lima anreist. Cusco liegt 3416, Arequipa immerhin 2300 Meter hoch. Da bleibt manch einem Reisenden die Luft weg, nicht nur wegen des Panoramas: Arequipa wird von bis zu 6000 Meter hohen Vulkankegeln eingerahmt. Schaut man von der Plaza de Armas auf die Kathedrale, scheint sich der Vulkan Misti direkt hinter den beiden Glockentürmern zu erheben. Der mächtige Feuerberg ist ein unübersehbares Zeichen dafür, dass es unter Arequipa brodelt. 2001 stürzte bei einem Erdbeben einer der Kirchtürme ein.

Die Altstadt rund um die Kathedrale, eines der monumentalsten Bauwerke der spanischen Eroberer in Südamerika, wurde im Jahr 2000 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. Das Gotteshaus und das Kloster Santa Catalina sind neben dem 3000 Meter tiefen Colca Canyon, eine der tiefsten Schluchten der Erde, die Touristenmagnete der Region.

Alpaka-Tortellini und Bohnen-Cappuccino

Die Bahnlinie zwischen Arequipa und Puno mit ihren fast 4500 Meter hohen Pässen wiederum zählt zu den höchsten Zugstrecken der Welt. In Arequipa startet der "Andean Explorer" abends am Rande der Altstadt.

Der Zug ist ein rollendes Luxushotel mit Fünf-Sterne-Service und historischem Charme. "Die alten Waggons stammen aus Australien", sagt Zugmanager Arnaldo Ponce de Leon de la Cruz. In Cusco wurden sie 18 Monate lang restauriert und umgebaut. 24 Abteile wurden in die Waggons integriert, alle mit eigenen Bädern samt Dusche und WC. Es gibt Restaurant-, Bar- und offenen Aussichtswagen am Ende des Zuges.

Kaum haben flinke Helfer das Gepäck in den mit Holzvertäfelungen und blank poliertem Messing verzierten Abteilen verstaut, treffen sich die Passagiere zum Aperitif an der Bar. Ein Piano-Spieler klimpert Jazz-Klassiker, hinter dem Tresen mixt ein Barkeeper Cocktails. Das Interieur des Barwaggons ist stilvoll, der Service perfekt. Nur die meisten Gäste passen nicht so ganz in die Kolonialstil-Kulisse der rollenden Bar.

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In anderen Luxuszügen wie dem "Eastern & Oriental-Express" treten die Damen in Kleidern und Herren zumindest im Anzug auf. Im "Andean Explorer" überwiegt die Outdoor-Fraktion mit Wanderhemden und Fleece-Pullovern. Der Barkeeper nimmt's gelassen und mixt fleißig Pisco Sour. Das Nationalgetränk der Peruaner besteht zu drei Teilen aus dem hochprozentigen Weinbrand Pisco, zu einem Teil aus Limettensaft sowie aus Eiklar und Eis. "Und zum Schluss müssen noch drei Tropfen Angostura drauf", betont der Barkeeper. Der Drink ist köstlich, hat es aber in sich. "Vor allem in der ersten Nacht sollte man es bei einem belassen und viel Wasser trinken." Schließlich werde während des Dinners ja auch noch Wein gereicht.

Perus Wein ist nichts Besonderes, die Küche aber erstklassig. An Bord des Zuges ist mit Diego Munoz vom Hotel "Monasterio" in Cusco ein Top-Koch des Landes verantwortlich. Munoz nutzt Perus ganze Vielfalt an Gemüse, Obst und Getreide für seine Kreationen. Köstlich sein Cappuccino von der peruanischen Bohne, die Alpaka-Tortellini und das Rinderfilet mit peruanischem Trüffel. Auf das für Ausländer gewöhnungsbedürftige Meerschweinchen verzichtet der Küchenchef.

Trotz der Bettschwere durch das mehrgängige Menü ist die erste Nacht im Zug für Nicht-Akklimatisierte eine Herausforderung. Je höher sich der Zug hinaufschraubt, desto dünner wird die Luft. So manchem pocht der Schädel, ältere Semester werden kurzatmig. Für viele ist an Schlaf nicht zu denken. Dabei liegt man bequem, vor allem in den acht Suiten. In denen können sich die Gäste in einem üppigen Doppelbett räkeln, das an James-Bond-Filme erinnert.

Info-Kasten: Mit dem Luxuszug durch die peruanischen Anden

Bei Atemlosigkeit hilft ein erfrischender Zug aus der kleinen Sauerstoffflasche am Bettende, bei ernsteren Symptomen eine Krankenschwester an Bord. Die Peruaner kauen gegen Höhenkrankheit gerne Coca-Blätter oder trinken Coca-Tee, was die Sauerstoffaufnahme verbessert. Den Coca-Blättern wird Kalk zugesetzt. So machen sie nicht abhängig. Jeder hat sein eigenes Geheimrezept, das einfachste aber lautet: langsamer machen und genießen.

Die Insel der strickenden Männer

Anderswo soll eine Zugfahrt möglichst schnell von A nach B führen, nicht so im "Andean Explorer": Mit maximal 48 Stundenkilometern rollt der Zug durch die Anden. So kann man in Ruhe die vorbeiziehende Landschaft anschauen und über so manchen Irrsinn des ansonsten doch recht hektischen Alltags nachdenken. Eine Luxuszugreise ist immer auch eine Reise zu sich selbst.

Unterbrochen wird dieses Unterfangen von Ausflügen. Nach der ersten Nacht schwärmt die Zuggesellschaft in Puno am Titicacasee aus. Für einige ist der größte See Südamerikas ein Höhepunkt der rund 550 Kilometer langen Zugreise, für andere schlicht eine riesige Wasserfläche auf einer unspektakulären Hochebene. Puno liegt zwar auf 3827 Metern, dramatische Berge aber sucht man am Titicacasee vergeblich. Die schneebedeckten Sechstausender verstecken sich meist weit hinter dem Horizont.

Auf dem See gehört ein Besuch auf der "Insel der strickenden Männer" (Isla Tacquile) ebenso zum touristischen Standardprogramm wie der Abstecher zu den Uros. Die einst vor den Inkas auf den See hinaus geflüchteten Ureinwohner leben noch heute auf und von ihren schwimmenden Inseln. Diese peruanische Version des Hausboots besteht aus dickem Schilf, das die Uros geschickt zu stabilen Flächen zusammenschnüren. Auf einer Insel finden Familien und sogar ganze Dörfer Platz. Wie die strickenden Männer auf Tacquile zeigen auch die Uros gerne ihre Kultur und bieten ihre Handarbeiten an.

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Vom Titicacasee rollt der Zug dann quer durch Puno, wo die Gleise zum Teil mitten über Straßen führen. Zwischen den Häusern und den Waggons sind oft nur ein paar Zentimeter Platz. Auch wenn das Auswärtige Amt wegen möglicher Überfalle in Peru zu Vorsicht rät, fühlen sich die Gäste an Bord sicher. "Ich mache mir keine Sorgen, amerikanische Großstädte sind gefährlicher", meint eine Touristin aus Chicago.

Der "Andean Explorer" geht dennoch kein Risiko ein. "Vor und hinter dem Zug fahren Sicherheitsleute mit speziellen Schienenfahrzeugen", beruhigt Zugchef de la Cruz. Die meiste Zeit rollt die Bahn ohnehin durch menschenleere Landschaften. Vor allem die von Gräsern überzogenen Hochebenen sind beeindruckend. Dort strahlt der tiefblaue Zug mit dem weißen Dach um die Wette mit dem blauen, von Quellwolken durchzogenen Himmel.

Nach einem kurzen Ausflug zu den 700 Jahre alten Tempelruinen der Vor-Inkazeit in Raqchi rollt der Zug durch das Urubamba-Tal nach Cusco. 1511 eroberte Francisco Pizarro die reiche Inka-Hauptstadt für die spanische Krone. Wo einst die vier Reichsstraßen des Inka-Imperiums zusammenliefen, bauten die Kolonialherren rund um die zentrale Plaza des Armas imposante Paläste, Kirchen und Klöster.

Viele Passagiere des "Andean Explorer" steigen nach einer Nacht im Hotel gleich wieder in den nächsten Zug. Um nach Machu Picchu zu gelangen, gibt es zwei schöne Wege: eine mehrtägige Wanderung durch das Valle Sagrado über den Inka-Trail oder den "Hiram Bingham". Der Luxuszug mit Gourmet-Restaurant und Bar an Bord bringt seine Gäste nicht nur bequem, sondern auch privilegiert von Cusco zu der 1911 von dem Forscher Hiram Bingham entdeckten Inka-Festung.

Andere Besucher warten Stunden auf Busse, die sie vom Bahnhof im kleinen Ort Aguas Caliente hinauf zur Festung oder zurück bringen. Die "Hiram-Bingham"-Gäste dagegen werden von ihren Reiseführern an den Schlangen vorbeigeschleust, um mehr Zeit in der terrassenförmig angelegten Inka-Stadt verbringen zu können. Der Blick über die Ruinen am Fuße des kegelförmig in den Himmel ragenden Huayna Picchu ist der Höhepunkt einer atemberaubenden Zugreise durch die Anden.

Bernhard Krieger, dpa
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