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Hotellerie: GHM steht für Luxus

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Luxushotel GHM Stilvolle Gelassenheit

Europa wird zunehmend von asiatischen Hotelketten entdeckt. Auch die von Hotellegende Adrian Zecha gegründete Luxushotelkette GHM investiert auf dem alten Kontinent. Hansjörg Meier, Senior Vice President von GHM, erklärt, was er im Schweizer Alpenort Andermatt vorhat.

mm: Herr Meier, sie bauen Luxushotels für die Kette GHM auf, die bisher noch nicht in Europa vertreten war. Warum wagen Sie jetzt den Schritt nach Europa?

Hansjörg Meier: Ich denke, es ist ein guter Zeitpunkt. Zum einen bot sich uns eine gute Chance, in dem wir zusammen mit einem Investor in Andermatt investieren, wo auch noch weitere Hotelanlagen entstehen. Zum anderen ist Europa für uns sowieso auch interessant.

mm: In Deutschland haben in den vergangenen Monaten mehrere Luxushotels Insolvenz angemeldet. Der Markt in Europa gilt ebenfalls weitgehend als gesättigt. Ist noch Platz für neue Luxushotels?

Meier: Luxus ist nach wie vor gefragt. Wir sehen noch Platz - zudem kommen wir aus dem asiatischen Raum und bringen auch Neuerungen mit. Unsere Kunden dort kennen uns und wissen, worauf wir Wert legen und was sie bei uns erwarten können.

mm: Wie stark haben Sie die wirtschaftliche Krise gespürt?

Meier: Mir kann keiner erzählen, dass er die Krise nicht gespürt hat. Zwar gab und gibt es weiterhin viele reiche Menschen, aber die hielten sich eine Zeit lang zurück und wollten sich nicht in Luxushotels zeigen - gerade wenn Sie beispielsweise in ihren Unternehmen zahlreiche Mitarbeiter entlassen mussten.

mm: Es wird erwartet, dass in der nächsten Zeit mehr asiatische Hotelketten nach Europa kommen. Steht der Markt vor einem Umbruch?

Meier: Ich denke schon, dass es zu Veränderungen kommt, denn tatsächlich ist zu beobachten, dass sich Ketten beispielsweise aus China in Europa umschauen.

mm: Welche Orte sind dabei vor allem im Fokus der Hotelketten?

Meier: London und Paris sind sehr attraktiv, allerdings ist dort die Dichte an Luxushotel auch schon hoch. Wir haben uns mit Andermatt gerade nicht für eine Metropole entschieden. GHM bevorzugt Gegenden außerhalb der Ballungsgebiete. In Andermatt könnte man unser Motto eher als "Back to Nature" betiteln.

mm: Rechnen Sie mit einer Konsolidierungswelle?

Meier: Das kann man nicht ausschließen.

mm: Wo liegen die Schwerpunkte von GHM?

Meier: Wir sind sehr stark in Indonesien vertreten. Wir waren einer der ersten in Vietnam, derzeit investieren wir besonders in Taiwan und China. Das Hotel in Andermatt ist unser erstes in Europa. Einen weiteren Schwerpunkt haben wir im Nahen und Mittleren Osten sowie in Südostasien.

mm: Sie sind Schweizer und Hans Jenni, der zusammen mit Adrian Zecha GHM gegründet hat, ist es auch. Hat Sie das bei der Wahl des Standorts beeinflusst?

Meier: Die Schweiz ist ein attraktives Land. Hier sind bereits Wintersportorte, in denen sich viele vermögende Menschen treffen. Für diese möchten wir eine Alternative anbieten. Tatsächlich hat uns aber ein Stammgast aus dem Hotel The Chedi Muscat im Oman auf Andermatt aufmerksam gemacht. Samih Sawiris (ein ägyptischer Unternehmer, der in Andermatt bereits seit einigen Jahren investiert, Anm. d. Red.) hat GHM gefragt, ob wir an diesem Projekt mitarbeiten wollen.

Was asiatische Kunden von europäischen unterscheidet

mm: Richten Sie sich vor allem an asiatische Kunden, denen Sie ein Skierlebnis in den Alpen versprechen wollen?

Meier: Ja, zum einen kennen wir unsere Kunden aus Asien sehr gut. Wir haben aber auch viele Gäste aus Europa und aus dem Nahen Osten. Denen wollen wir natürlich ein Erlebnis in den Alpen anbieten.

mm: Inwiefern unterscheiden sich asiatische Hotelgäste von europäischen?

Meier: Asiatische Hotelgäste sind eine sehr hohe Servicekultur gewöhnt, die hier in Europa kaum angeboten werden kann, da die Personalkosten einfach zu hoch sind. In Asien haben unsere Kunden zu Hause oft vier oder fünf Bedienstete, die sich um ihre Belange kümmern. Da reicht es nicht, dass ein Butler die Tür aufhält. Die Gäste wollen eine persönliche Ansprache, bei der beispielsweise der General Manager die Gäste morgens mit Namen begrüßt. Wenn wir asiatische Gäste haben, erwarten die von uns natürlich auch einen ähnlichen Service wie sie ihn sich zu Hause gönnen. Das ist mit den europäischen beziehungsweise den Schweizer Personalkosten deutlich schwieriger aufzubauen.

mm: Verzichten Sie dann auf bestimmte Verwöhnservices?

Meier: Unsere Standards halten wir natürlich. Eines unser Merkmale ist es, einen "Relaxing-Style" zu pflegen - das gilt für die Restaurants, genauso wie für den Wellnessbereich. In Asien steht der Gast sehr stark im Mittelpunkt - das gelingt den großen dominanten Ketten nicht immer. Allerdings kann man angesichts der niedrigen Personalkosten in Asien auch Services anbieten, die hier in der Schweiz nicht gehen - allein wegen der Kosten. Auch gestaltet sich die Personalsuche hierzulande nicht so einfach, wie man vielleicht annehmen könnte. Wir brauchen hoch motiviertes Personal. Wichtig ist für uns zudem, dass wir einen Stamm des Personals aus der Gegend beziehen, in der unser Hotel steht.

mm: Gehört das zu den Merkmalen von GHM?

Meier: Wir versuchen immer, uns den örtlichen Gegebenheiten anzupassen und lokales Personal zu beschäftigen. In unserer Architektur spiegelt sich die Lokalität auch wider. Wir bevorzugen beispielsweise eine zurückhaltende Architektur mit klaren Linien. Verschnörkelte und vergoldete Armaturen wird man bei uns nicht finden. Ganz wichtig ist es jedoch, dass wir Elemente aus der Region in die Architektur integrieren. In der Schweiz haben wir beispielsweise viel Fels und Holz verbaut. Es gibt einen Apré-Ski-Raum und auch Hüttenromatik, denn deshalb fährt der Gast ja in die die Alpen. Wichtig ist, dass wir individuelle Häuser bauen, die sich unterscheiden.

mm: Planen Sie, weiter in Europa zu expandieren und wo sehen Sie noch Potenziale?

Meier: Sicherlich ist China ein attraktiver Markt, in dem wir auch weiter wachsen wollen. In Europa kommt es darauf an, ob wir etwas Interessantes finden. Wir wollen nicht auf Zwang wachsen und sind nicht unter Druck.

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