Mittwoch, 24. April 2019

Luxushotel "Vier Jahreszeiten" Alles neu

Hotel "Vier Jahreszeiten": Hamburger Ansichten
Kai Abresch

Das "Vier Jahreszeiten" gilt als das Wohnzimmer Hamburgs. Nun wird das Traditionshaus an der Binnenalster umfangreich renoviert. manager magazin online hat bereits den neuen Spa-Bereich, die Dachterrasse und die neue Küche besichtigt und die Managerin der Fairmont-Hotels International getroffen.

Hamburg - Der Blick gleitet über blitzende Blechdächer, rote Dachziegel, rauchende Schornsteine, glitzerndes Wasser - so muss eine Großstadt sein. Hoteldirektor Ingo C. Peters präsentiert stolz die neu geschaffene Dachterrasse des "Vier Jahreszeiten" in Hamburg. 500 Quadratmeter groß ist der neue mit Holzdielen ausgelegte Freiluftplatz, den das Grandhotel künftig vor allem seinen Spa-Besuchern offeriert. Loungemöbel umrahmt von Zitronenbäumen laden zum Entspannen ein. An der Bar gibt es Smoothies und andere Erfrischungsgetränke. Mittelmeer-Gefühle machen sich breit - wenn nur das Wetter mitmacht.

Unter die kleine Schar von Journalisten, denen die aktuellen Arbeiten an der Nobelherberge gezeigt werden, hat sich auch Jennifer Fox gemischt, die eigens für die Präsentation angereist ist. Sie ist President der Fairmont Brand sowie President International der Hotelgruppe FRHI (110 Hotels in 32 Ländern, 47.650 Mitarbeiter). Es sind die Hotels, die unter den Marken Fairmont, Raffels und Swissôtel zusammengefasst sind.

Die Managerin ist überzeugt, dass das Fünf-Sterne-Hotel an der Binnenalster auch künftig beim Wettbewerb um die zahlungskräftigsten Kunden der Welt mithalten kann. Immerhin investiert der neue Besitzer des Hotels, Kurt Dohle, zehn Millionen Euro in das Haus. Vergangenes Jahr hatte Fairmont das Hotel verkauft, sich gleichzeitig aber das Management für die nächsten 30 Jahre gesichert.

Dass das mehr als 100 Jahre alte Hotel wieder eine Renovierung nötig hatte, daran bestand kein Zweifel. So entstand jetzt ein neuer Spa- und Fitness-Bereich, einschließlich der Dachterrasse. Auch der gesamte Küchenbereich im Kellergeschoss wurde umfangreich modernisiert. Und in den kommenden Monaten werden die 156 Zimmer renoviert. Allein die Ausstattung der Zimmer lässt sich das Hotel einen sechsstelligen Betrag pro Raum kosten. Stuck, Kronleuchter, antike Kommoden, Tische und Bilder gepaart mit modernster Technologie sorgen dafür, dass "die Historie des Hauses erlebbar bleibt", unterstreicht Peters. Ein Loewe-Fernseher, eine Espresso-Maschine gehören dazu. Die Zimmer wirken individuell eingerichtet. Die Gäste verlangten zunehmend eine persönliche Ansprache, sagt Fox.

Management sucht weitere Objekte in Deutschland

"Deutschland ist ein wichtiger, aber auch schwieriger Markt", berichtet die Managerin. Die Konkurrenz ist groß, das Preisniveau niedriger als in anderen Metropolen und Regionen der Welt. Dennoch möchte die FRHI-Gruppe hierzulande expandieren. "Berlin ist eine starke Stadt, dort sind wir auf der Suche, genauso in München und Frankfurt", sagt die Managerin. Sollte sich eine Gelegenheit ergeben, würden sie zugreifen. Neu bauen wollten sie allerdings nicht. Das sieht in anderen Ländern anders aus. So entstehen im Nahen Osten, Afrika und China neue FRHI-Hotels, im September eröffnet beispielsweise ein Raffles in Istanbul. In Kalifornien gehört nun das berühmte Claremont Hotel Club & Spa auch zum Portfolio von FRHI. In London und Hongkong will man dagegen lieber auf eine günstige Gelegenheit warten.

Um Gäste nicht an die Konkurrenz zu verlieren, denkt die Gruppe derzeit über Loyality-Programme nach, heißt es weiter. Bei FRHI gibt es noch kein übergreifendes Loyality Programm; allerdings gibt es bei Fairmont den Presidents Club und bei Swissotel den Swissôtel Circle. Auch die Zusammenarbeit mit Reisebüros und Airlines könnte intensiviert werden. Ziel sei es, internationale Gäste weltweit zu begleiten. "Wir wollen uns in den nächsten sechs Monaten entscheiden, was wir machen", erklärt Fox. Wichtigstes Vertiebsmittel sei jedoch eine gut funktionierende Website.

Unterdessen rüstet die Konkurrenz ebenfalls nach. So steht beispielsweise die die Neueröffnung des Luxushotels "Peninsula" in Paris bevor und das dortige Ritz soll Anfang 2015 nach einer Renovierung wieder eröffnet werden. Auch in China lassen verschiedene Luxus-Hotelketten neue Häuser entstehen, gleiches gilt für Asien und den Nahen Osten.

In Deutschland stiegen jedoch vor allem deutsche Reisende ab, berichtet Peters. Preismäßig läge das Niveau niedriger als in Städten wie London oder Paris. In Hamburg zahlten die Gäste beispielsweise für eine Übernachtung in der Nobelherberge durchschnittlich 250 Euro. Eröffnet 2016 das neue Luxushotel "The Fontenay", das gerade an der Stelle des jüngst abgerissenen Intercontis an der Außenalster entsteht, dürften die Preise jedoch steigen. Die Zeit bis dahin will das "Vier Jahreszeiten" nutzen und seinen Service ausbauen.

Zum neuen Konzept gehört auch, Restaurantgäste mehr ins Geschehen zu ziehen: "Table-Rooms" und "Cheftische" - in anderen Küchen schon etabliert - locken Besucher ins Kellergeschoss und ermöglichen es, dem Sternekoch Christoph Rüffer bei der Arbeit auf die Finger zu sehen. Gebucht werden kann auch ein Abend in der hauseigenen Fleischerei oder in der Patisserie. Wer auch immer dieses "Arbeitsambiente" sucht: Kronleuchter hängen hier ebenfalls.

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