Rettung durch den Staat Was die Rettung von Lufthansa für Kunden bedeutet

Von Alexander Koenig
Foto: CHRISTOF STACHE/ AFP

Kurz vor dem Pfingstwochenende war es soweit, nach zähen Verhandlungen mit der EU-Wettbewerbskommission, konnte eine für beide Seiten tragbarer Kompromiss gefunden werden und die Lufthansa Rettung geht somit in die nächste Runde. Gefeilscht wurde um Slots, so genannte Landerechte. Denn im Gegenzug für die Genehmigung der Staatshilfen forderte die EU-Kommission (diese hat bei Beihilfen von über 250 Millionen Euro ein Mitspracherecht) im ersten Vorschlag den Abtritt von Lufthansa-Slots für bis zu 20 Flugzeuge an den Flughäfen in München und Frankfurt an einen Wettbewerber, eine für die Airline trotz der klammen Lage untragbare Forderung.

Geeinigt hat man sich nun auf den Abtritt von Landerechten für nur noch vier Flugzeuge und 24 tägliche Flugbewegungen und dies, für Lufthansa  sehr wichtig, nur an einen neuen Wettbewerber. Da die Erzrivalen Ryanair  und Easyjet  beide schon in Frankfurt beziehungsweise München vertreten sind, kommen diese sehr wahrscheinlich für die zusätzlichen Landerechte nicht in Frage.

Alexander Koenig

Alexander Koenig ist Gründer von First Class & More (www.first-class-and-more.de ), dem größten deutsch-sprachigen Beratungsportal für günstige Business und First Class Flüge sowie die optimale Nutzung von Vielflieger- und Hotelprogrammen. Zuvor war er viele Jahre als Unternehmensberater bei McKinsey und BCG tätig. In seiner Kolumne "Koenigs Klasse" greift er regelmäßig Themen auf, die für Vielflieger und -reisende interessant sind.

Schutzschirmverfahren wäre für Kunden tragisch

Ein schmerzhafter Kompromiss, aber die Zeit drängt für Deutschlands größte Fluggesellschaft, denn diese verliert nach Aussage des CEO Carsten Spohr jede Stunde über eine Millionen Euro an Liquidität. In diesem Tempo sind auch die reichhaltigen Lufthansa-Cash-Reserven von vier Milliarden Euro bald aufgebraucht und es droht die Insolvenz oder ein Schutzschirmverfahren. Dies wäre gerade für die Kunden sehr tragisch, denn bei 1,8 Milliarden Euro der Cash-Reserven handelt es sich um Kundengelder für noch nicht angetretene Flüge. Diese Forderungen würden im Falle eines Schutzschirmverfahrens voraussichtlich ihre Werthaltigkeit verlieren.

Bis zu neun Milliarden Euro zusätzliche Liquidität dank Rettungspaket

Helfen soll ein Rettungspaket im Umfang von fast neun Milliarden Euro, bis zu 5,7 Milliarden Euro sollen dabei in Form einer stillen Beteiligung durch den staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds eingelegt werden, weitere drei Milliarden Euro werden von der KfW-Bank und anderen privaten Geldgebern bereitgestellt. Im Gegenzug würde sich der Staat durch eine Kapitalerhöhung mit 20 Prozent und der Option auf weitere 5 Prozent plus eine Aktie (Sperrminorität) an Lufthansa beteiligen. Diese zusätzliche Liquidität soll das Überleben von Lufthansa dann erst einmal mittelfristig sichern. Doch die Zustimmung der Aktionäre steht noch aus, diese soll in einer außerordentlichen Hauptversammlung eingeholt werden und ist nicht garantiert.

Implikationen einer erfolgreichen Rettung für die Kunden

Doch was wären die Implikationen einer erfolgreichen Lufthansa-Rettung für die Kunden? Zum einen wären so die schon eingezahlten Kundengelder sicher. Denn Lufthansa verweigert aktuell in den meisten Fällen, trotz anderslautender Rechtslage, die Erstattung von annullierten Flugtickets. Stattdessen bietet man Kunden nur Fluggutscheine an, deren Werthaltigkeit zwingend mit der weiteren Entwicklung von Lufthansa verknüpft sind. Auch Kunden des Vielfliegerprogrammes Miles & More können aktuell keine Erstattung für Ihre gestrichenen Meilentickets erhalten. Es wäre zu hoffen, dass Lufthansa dank der zusätzlichen Liquiditätsspritze auf derartige kundenunfreundliche Geschäftspraktiken in Zukunft verzichten könnte.


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Eine andere wichtige Schlussfolgerung wäre, dass man nach Abschluss der Rettung mit gutem Gewissen und ohne Gefahr einer Insolvenz auch neue Flugtickets erwerben kann. Denn aktuell bietet Lufthansa auf vielen Strecken sehr attraktive Angebotstarife vor allem in der Business- und First Class an. Diese sind meist bis weit nach 2021 hinein verfügbar, ein Zeitpunkt, zu dem hoffentlich wieder ein einigermaßen normales Reisen möglich sein wird. Auch die von der EU mandatierte Abgabe von Slots in Frankfurt und München würde eher den Kunden zugutekommen, denn ein neuer zusätzlicher Wettbewerber führt meist zu mehr Auswahl und günstigeren Preisen für die Passagiere.

Gerade Vielflieger hätten bei einer Insolvenz viel zu verlieren

Auch für Vielflieger wäre das Rettungspaket eine gute Nachricht. Zwar liegen die Meilen im ausgelagerten Unternehmen Miles & More, doch ist dessen Schicksal, wie man schon bei der Air-Berlin-Pleite an Topbonus sehen konnte, eng mit der Muttergesellschaft verknüpft. Denn ohne Lufthansa könnten Kunden ihre Meilen nicht mehr für attraktive Prämienflüge einsetzen und auch die begehrten Statusvorteile der Senator- oder Hon-Circle-Karte wären wertlos.

Fazit

Für die Kunden hat das Rettungspaket für Lufthansa eigentlich nur Vorteile, denn diese wären bei der Alternative eines Schutzschirmverfahrens schwer getroffen. Allerdings wird man sehen müssen, ob die Lufthansa-Aktionäre dem Rettungspaket mit allen seinen Konditionen in der Form so zustimmen werden. Bis dahin ist die Lufthansa Rettung noch nicht ganz in trockenen Tüchern - wenn auch sehr wahrscheinlich.

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