Billigflieger in der Krise Wie die Lufthansa Eurowings wieder auf Kurs bringen will

Von Alexander Koenig
Foto: Marcel Kusch / DPA

Eurowings kommt weiterhin nicht zur Ruhe. So scheint bei der Low-Cost-Airline der Lufthansa-Gruppe  im kommenden Jahr eine weitere große Veränderung bevorzustehen. Dann soll nämlich der Markenname Eurowings von der Langstrecke verschwinden und sich der Billigflieger komplett auf das europäische Kerngeschäft konzentrieren.

Die bisherige Eurowings Langstrecke wird dann unter einem neuen, aktuell noch unbekannten Markennamen in die betriebliche Verantwortung von Lufthansa übergehen. Mit einem neuen integrierten Konzept soll das Langstreckengeschäft, abseits der Kernmarke Lufthansa, wieder zur Profitabilität zurückfinden, so zumindest der Plan.

Alexander Koenig

Alexander Koenig ist Gründer von First Class & More (www.first-class-and-more.de ), dem Beratungsportal für günstige Business und First Class Flüge sowie die optimale Nutzung von Vielflieger- und Hotelprogrammen. Zuvor war er viele Jahre als Unternehmensberater bei McKinsey und BCG tätig.

Die Ursprünge von Eurowings

Um die Umstrukturierung besser zu verstehen, lohnt es sich, einen Blick in die Vergangenheit von Eurowings zu werfen. Die Airline wurde ursprünglich 2014 im Rahmen des Wings Konzeptes aus der Taufe gehoben und baute auf die bestehende Germanwings mit dem Hub Köln/Bonn auf. Die Kernidee hinter dem Konzept war die Auslagerung von Flügen aus der, aufgrund von langjährigen Tarifverträgen teuren, Lufthansa-Hauptlinie in eine neue Tochtergesellschaft mit niedrigeren Betriebskosten.

Flüge ausgeführt von SunExpress

Ein Jahr später wurde mit Varadero die erste Langstrecken-Destination aufgenommen. Diese Flüge wurden von SunExpress, einem Joint-Venture aus Turkish Airlines und Lufthansa, ausgeführt. Der Fokus lag hierbei klar auf touristischen Flügen. So verfügen die SunExpress Airbus A330 über keine Business oder First Class Kabine. Die Langstreckenflüge hatten schon kurz nach Aufnahme mit massiven operativen Problemen zu kämpfen. Neben signifikanten Verspätungen mussten auch zahlreiche Flugzeuge von Drittairlines angemietet werden, um einen Mangel an eigenen Flugzeugen auszugleichen.

Mehrere Konzepte wurden parallel getestet

Fast gleichzeitig startete Lufthansa mit dem "Jump-Konzept" einen weiteren, parallellaufenden Versuch, Langstreckenziele auf eine niedrigere Kostenbasis zu stellen. So handelte man aus, dass ab Herbst 2015 ausgewählte Airbus A340 Flugzeuge von Piloten der Regionaltochter "Lufthansa Cityline" bemannt werden durften. Im Gegensatz zu Eurowings werden diese Flüge aber als reguläre Lufthansa Flüge verkauft und für den Fluggast ist auch an Bord kein wirklicher Unterschied erkennbar. Neben Zielen in den USA wurden mit "Jump" auch Flüge zu touristischen Destinationen wie Mauritius, den Seychellen oder den Malediven ins Streckennetz aufgenommen.

Expansion auf Geschäftskunden lastige Strecken

Mit der Air-Berlin-Pleite 2017 witterte Eurowings dann die Chance, Teile des freiwerdenden Langstreckennetzes zu übernehmen und verlagerte den Großteil der Langstrecke von Köln nach Düsseldorf. Allerdings fielen durch den Umzug viele Eurowings Zubringermöglichkeiten weg, da diese weiterhin nach Köln flogen. Zusätzlich fehlte es auch an geeignetem Fluggerät für die eher geschäftsorientierten Strecken wie New York. Um diese zu bedienen, wurden Flugzeuge von Brussels Airlines transferiert, die ebenfalls zur Lufthansa-Gruppe gehört. Die neuen Airbus A340 werden von einer Brussels-Airlines-Crew betrieben und verfügen nun auch erstmals über Business Class, genannt Biz Class.

Verwirrung durch Codeshare-Wahnsinn

Da diese Flüge auch unter Lufthansa Codeshare Nummer verkauft werden, kann es passieren, dass ein Kunde auf der Lufthansa-Webseite einen Flug von Düsseldorf nach New York unter Lufthansa-Flugnummer bucht, welcher eigentlich ein Eurowings-Flug ist, der aber von Brussels Airlines im Auftrag von Eurowings ausgeführt wird. Verständlicherweise führt dies unter Kunden zu großer Verwirrung, vor allem da Eurowings im Gegensatz zu Lufthansa und Brussels Airlines kein Teil der Star Alliance ist und viele Vielflieger somit auf ihre Statusvorteile verzichten müssen.

Vorbild Swiss-Ableger Edelweiss

2019 dann der nächste Richtungswechsel: Ab dem Sommer 2019 soll Eurowings auch ausgewählte Langstrecken ab Frankfurt zu touristischen Destinationen aufnehmen. Diese Flüge sollen dann allerdings als Lufthansa Flüge vermarktet, aber von Eurowings durchgeführt werden. Dabei nutzen diese Flüge das Lufthansa-Service-Konzept und die betriebliche Verantwortung liegt bei Lufthansa. Wer in diesem Strategie- und Airline-Wirrwarr noch den Überblick behält, gehört zur Minderheit.


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Eurowings schreibt tiefrote Zahlen

Außenstehende verwundert es somit wenig, dass Eurowings mit tiefroten Zahlen die Konzernbilanz belastet. Denn neben verwirrten Verbrauchern, die sich plötzlich mit einem Lufthansa-Ticket in einem Eurowings-Flug ausgeführt von einer teilweise türkischen Airline wiederfinden, sorgt das verwinkelte Konzept auch für einen ziemlichen Planungswirrwarr. Die touristische Sparte ist über mehrere Airlines verteilt und die wenigen geschäftlich orientierten Strecken fristen bei Eurowings ein Nischendasein. Die sowieso schon unter Kunden nicht sonderlich beliebte Eurowings-Marke wandelt sich so zu einem Überraschungsei.

Edelweiss als Vorbild

Wie es einfacher geht, zeigt die Lufthansa Konzernairline Swiss mit ihrer Tochter Edelweiss. Diese bietet neben einem konsistenten und ansprechenden Produkt auch eine gute Integration in das Swiss-Netzwerk. Passagiere erwartet hier auf der Langstrecke ein zu Swiss vergleichbares Produkt und auch die Systeme sind integriert, was europäische Anschlussflüge deutlich vereinfacht.

Neuaufstellung ab 2020

Die Vorteile eines solchen Ansatzes hat nun auch Lufthansa realisiert und man plant unter dem Projektnamen "Purple Moon" beziehungsweise scherzhaft auch "Edelwings" ein neues einheitliches Konzept für die Langstrecke. Im Zuge dessen, soll der Markenname Eurowings auf der Langstrecke verschwinden und durch eine neue integrierte Plattform ersetzt werden. Ob Condor eine Rolle in diesem neuen Konzept spielen soll, ist trotz dahingehender Spekulationen von Brancheninsidern aktuell noch unklar. Denkbar wäre es zumindest. Denn im Gegensatz zu Eurowings ist die Marke Condor im deutschsprachigen Raum weiterhin beliebt.

Fazit

Aus Vielfliegersicht ist die Neuaufstellung der Eurowings-Langstrecke unter einer neuen gemeinsamen Plattform begrüßenswert. Ein großer Schritt, wenn auch zum jetzigen Zeitpunkt unrealistisch, wäre eine Mitgliedschaft der neuen kombinierten Airline in der Star Alliance. Dies würde das Sammeln und Einlösen von Meilen deutlich erleichtern und zudem würden Vielflieger aller Bündnisairlines von Statusvorteilen profitieren können.

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