Mittwoch, 13. November 2019

"Lonely Planet"-Ranglisten Die besten Reiseziele 2020

Lonely Planet: Die besten Länder 2020
REUTERS

Bhutan und Aruba haben es auf die "Lonely Planet"-Liste der besten Reisespots 2020 geschafft. Der Verlag gibt dazu Tipps für nachhaltiges Unterwegssein. Passt das?

Auf Platz eins hat es ein Land geschafft, das das "Bruttonationalglück" der Bewohner zum wichtigsten Ziel der Wirtschaftspolitik gemacht hat. Das von Besuchern Ausgaben von bis zu 250 Dollar am Tag verlangt und sich verpflichtet hat, klimaneutral zu bleiben: Bhutan ist das Topländerziel von "Lonely Planet" für 2020.

Der Reiseführerverlag mit Sitz in Australien hat seine alljährlichen Ranglisten für Länder, Regionen, Städte und Orte mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis herausgegeben. Neben dem Himalaya-Staat mit seinen etwa 825.000 Einwohnern stehen England (Eröffnung des vollendeten Fernwanderwegs England Coast Path), Nordmazedonien, Aruba und Swasiland auf der Länderliste des "Best in Travel 2020"-Buches.

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Als Topstädte führt die Verlagsjury Salzburg ("Festspiele werden hundert"), Washington DC, Kairo auf - und auf Platz fünf Bonn. Die ehemalige deutsche Hauptstadt schafft es in die Empfehlungsliste, weil sie den 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven im kommenden Jahr ausgiebig feiert und noch immer "die romantische Atmosphäre ausstrahlt, die Beethoven beflügelte". Gewürdigt wird in dem Toplisten-Buch auch die Nordstadt mit ihren trendigen "Boutiquen, Kaffeeröstereien, Craft-Bier-Kneipen und New-Wave-Galerien".

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Xiva, Samarkand, Sarasm und Osch stehen auf dem Plan einer Tour entlang der zentralasiatischen Seidenstraße - also Länder wie Usbekistan, Tadschikistan, Kirgisistan. Unter den Regionen ist die ehemalige Handelsstraße Nummer-eins-Reiseziel für das kommende Jahr - bessere Infrastruktur und weniger Visa-Mühen würden das Reisen einfacher machen. Marken in Italien, das japanische Tohoku, Maine in den USA und auch die kroatische Kvarner Bucht sind ebenfalls unter den Regionen-Top-Ten. Besonders viel für ihr Geld erhalten Urlauber in Ost-Nusa-Tenggara (Indonesien), Budapest und Madhya Pradesh (Indien).

Buchtipp

Lonely Planet:
Lonely Planet Best in Travel 2020

Mairdumont, 218 Seiten, 12,00 Euro

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Für ihr neues Bucket-List-Buch hat sich der Verlag vorgenommen, "besonderes Augenmerk auf Tipps und Infos zum Thema nachhaltiges Reisen" zu richten. Dies ist für einen international gebräuchlichen Guide nicht ganz einfach: Aus Sicht der Australier beispielsweise liegen andere Ziele vor der Haustür und gelten als Kurzreisen als für deutsche Urlauber. Die Autoren führen daher an, was die Ziele der Ranglisten in puncto umweltfreundlichen Maßnahmen bei Energie, Verkehr , Natur und Tourismus tun.

Zudem verlegen sie sich auf Ratschläge zu "Emissionsarm unterwegs", "Going local" oder "Von indigenen Kulturen lernen", wie die Kapitelüberschriften heißen. Und diskutiert: "Sollten wir alle weniger fliegen?" Wer aufs Fliegen verzichtet, dem eröffneten sich neue Horizonte, schreibt die Autorin des Kapitels: Zugreisen, Windjammertörns, Radtouren und Elektrofahrzeuge etwa seien CO2-sparende Alternativen. Beispiele sind etwa: per Bahn durch die Rocky Mountains in Kanada oder mit dem E-Mobil entlang der südafrikanischen Garden Route, im Bus auf der Great Ocean Road in Australien.

Dies zeigt mal wieder, dass das mit dem umweltfreundlichen Reisen nicht so ganz einfach ist - denn um den kanadischen Zug zu erreichen, müssen Europäer zunächst ein Flugzeug besteigen. Und dennoch sind viele der Tipps hilfreich. Sie lenken die Aufmerksamkeit der "Lonely Planet"-Leser auf neue Erfahrungen und Begegnungen, die sie abseits der Backpacker-Routen machen können, und regen zum Nachdenken über das eigene Reiseverhalten an ("Weniger Selfies, mehr Selbstlosigkeit").

Und vielleicht lässt sich dann ja auch in Deutschland die einstige Zielgruppe - die eher jüngeren Backpacker - für Spots wie Festspiel-Salzburg und Beethoven-Bonn begeistern. Einfach, weil sie vor ihrer Haustür liegen. Vielleicht aber fliegen die dann doch lieber - wenn sie es sich leisten können - klimaschädlich ins klimaneutrale Bhutan?

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