Vier großartige Kurztrips in Deutschland Das Gute liegt so nah

Kurztrips sind um so entspannender, je kürzer die Anreise ist. Hier sind vier Ziele, die sich lohnen - ganz nah: Saarbrücken, Lüneburg, Quedlinburg und der Kaiserstuhl.
Von Svenja Hirsch, Simone Rickert und Ben Hilda

Zehn Tipps für Saarbrücken: Tea Time und Wurstwirtschaft

Mag der Franzose noch so schimpfen: Einmal über die Grenze gehüpft, zwischen dörflichem Charme und Stadtkultur gibt es einfach das bessere Essen! Und auch mehr davon. Darauf ein kräftiges "Savoir vivre!"


Erleben

Am alten Hafen
Wie ein Phoenix aus der Asche erhebt sich aus einstigen Trümmern flussabwärts der Saar der Bürgerpark. Relikte und Kunst, alte Grundmauern zu Wasser: mehr als nur ein Park. Im aphitheaterähnlichen Rondell spielt ab und an die Musik, zu der im Skaterpark hingefetzt werden kann. Bürgerpark, Nähe Westspange www.saarbruecken.de 

St. Johanner Markt
Das Wohnzimmer von Saarbrücken - aber hier ist nichts mit TV und Füße hoch! Dafür gibt's Bruch's No. 1 in Bier und Bar, Küche und Kultur en masse. Schläfer melden sich beim Hotel Fuchs: Von einer Seitenstraße aus hat man den besten Zugriff auf Gastro, Clubs und Shopping in der Bahnhofstraße. www.hotelfuchs.de www.bruchbier.de 

Herrschaftszeiten!
Vom Throne aus getauft wurde Saarbrücken durch seinen "Brocken an der Saar". Denn so nannte man das barocke Schloss auf dem Sandsteinfelsen, von dem aus es die Stadt fest im Griff hat. Zum Beispiel mit über 2.000 Veranstaltungen pro Jahr. Naheliegend: Das Staatstheater und das historisches Museum. Schlossplatz 1 - 15 www.saarbruecker-schloss.de 

Aus Stahl und Eisen
Raue Zeiten und wirtschaftlich erfolgreiche durchlebte das Stahlwerk Völklinger Hütte. Heute ist es als Industriedenkmal eines von derzeit 40 Weltkulturerbestätten und immer noch aktiv! Zum Beispiel durch die UrbanArt Biennale, die hier bis zum 1.11.2015 zwischen Silos und Gerüsten gezeigt wird. Rathausstraße 75 - 79 www.voelklinger-huette.org 


Essen

Dunkel war's!
Als das Jens Jakob noch Le noir hieß. Der Meisterkoch verzichtete durch den Wechsel auf zwei Michelinsterne. Kennen die Gäste der exzellenten französischen Küche schon: 2014 geschah Ähnliches, die Sterne waren ruckzuck wieder da! Mainzer Strasse 10 jensjakobgourmetworld.com 

Café Bakerstreet
Kaffee und Tee auf Britisch schmeckt nicht anders, fühlt sich hier aber ziemlich kurios an! Über die Theke mit überfüllter Etagere gereicht. Gebracht von adretten Damen im Spitzenhäubchen und auf Detektivhelfer Watsons Couch geleert. Abends wird Tee zu Whiskey und Café zu Pub mit Krimievents. Mainzer Strasse 8 www.bakerstreetsb.de 

Wurstwirtschaft
Dass Wurst nicht auf Bäumen wächst, musste Thilo Nast schon früh schmerzvoll erfahren. Begann sie von Hand zu machen und Jahre später das hier: die erste und beste Adresse für schmackvolle Klassiker und leckere Neulinge des Wursthandwerks!Kaltenbachstraße 4 www.kalinskibrueder.de 

Gasthaus Zahm
"Hauptsachen", so heißen hier auch die Hauptgerichte. Obwohl das drumherum Verspeiste auch Zeug zum Titelstar hätte: Pulled Pork, Saar Dog (ebenfalls hot!) und Hackschnittchen auf Dinkelbrot findet man schließlich nicht alle Tage! Saarstrasse 6

www.gasthauszahm.de 


Schlafen

Landhaus Lösch
"Hach ne, wat schön!", würd' die Oma sagen. Geht auch modern und exklusiv, immer mit Zugang zu Küche und Weinkeller. Wie bei Freunden - oder Oma! DZ ab 235 euro/Nacht. Hauptstrasse 19, Hornbach www.loesch-fuer-freunde.de 

Hotel am Triller
Hier sind sogar Saar-Legenden wie der Ritter von Maldit zu Hause. Als Comic an der Tapete! Wem's zu bunt wird, der schläft im siebten Himmel, mit Schrägfenster direkt unter den Sternen. DZ ab 107 Euro/Nacht. Trillerweg 57 www.hotel-am-triller.de 

Zehn Tipps für Lüneburg: Mondbasis und Pralünen

Die Stadt an der Ilmenau, die ihren einstigen Reichtum einer wilden Sau verdankt. Prachtvoll, mittelalterlich, wie aus dem Bilderbuch. Und manchmal, abends auf dem Stint, auch heute wieder ziemlich wild!


Erleben

Rathaus und alter Kran
Stadtführung - boah, wie langweilig? Nee, hier echt nicht. Im Rathaus staunt man über die kostbaren Räume. In der mittelalterlichen Ratsstube haben sich die reichen Bürger schon damals eine Fußbodenheizung einbauen lassen! Der "Alte Kran" von 1797 hob Salz und Brennholz und sogar eine komplette Dampflok an Land. Damit läutete er aber auch das Ende der Binnenschifffahrt ein. Die Zeiten ändern sich, immer. Stadtführungen: www.lueneburg.info 

Salz und Sülfmeister
Wo bis 1980 noch eine Saline war, befindet sich heute das Deutsche Salzmuseum. Hier sieht man, wie das weiße Gold die Hansestadt reich machte: S ü lfmeisterstraße 1 ww w .salzmuseum.de Und das wird bis heute gut gefeiert: bei den Sülfmeistertagen vom 2. bis 4. Oktober 2015: www.suelfmeistertage.de 

Mondbasis
Extraterrestrisch modern - zwischen all den alten Steinen: Die coole Galerie zeigt Events und spannende Zeitgenossen, das Barcafé ist Lüneburgs Künstler-Treffpunkt. Lünertorstraße 20 www.mondbasis.com 

Pralüne zum Mitbringen
Was hat die Wildsau mit der Praline zu tun? Lesen Sie im Kasten rechts. Probieren Sie im Schokoladencafé von Dörte Barisch. Torten, Pralinen, Trüffel, alles von liebevoller Hand gemacht. Und bringen Sie die Schokolade gewordene Hommage an die Geschichte vom Salz den Daheimgebliebenen mit. Am Berge 26 www.schokopraline.de 


Essen

Am Stintmarkt
Lüneburg wirbt ja mit der zweithöchsten Kneipendichte Europas (nach Madrid). Auf den Stint gehen heißt hier: abends ausgehen, wobei man noch gar nicht recht weiß, wohin. Die kurze Straße an der Ilmenau hat ein Café am nächsten Restaurant, nur unterbrochen von Bars, zu bieten. Besonders nett ist "Das Kleine", sogenannt nach dem typischen Hafenarbeiter-Gedeck zum Schichtende: Matjes plus Lütt (Bier) un Lütt (Schnaps). Am Stintmarkt 8 das-kleine-restaurant.com 

Capitol
Von Pizza bis Schnitzel für alle was dabei. Deshalb beliebter Treffpunkt. Die Hauptrolle jedoch spielt die Location: Früher war hier das schönste Kino der Stadt. Wo noch heute der dicke rote Vorhang zum Boden hängt, befand sich einst die große Leinwand. Reichenbachstraße 1 www.capitol-lueneburg.de 

Zum alten Brauhaus
Echt alt: 1505 erstmals als solches erwähnt, seitdem gibt's hier ununterbrochen Bier. Auch heute eigens gebraut. Dazu Deftiges, fein zubereitet, wie Haxe vom Salzwiesenlamm oder Heidschnuckenragout. Grapengießerstraße 11 www.brauhaus-lueneburg.de 

Annas Café
Sympathisch und retro: liebe Bedienung, zusammengewürfeltes Porzellan, voll mit Studenten. ein gutes Zeichen, wie sich zeigt: Hier kann man gemütlich einen halben Tag mit Plaudern, Frühstücken (WildscheinSchinken!) und Torteessen verbringen. Am Stintmarkt 12a www.annas-cafe.de 


Schlafen

Einzigartig
So nennt sich das Hotel selbst. Ist aber auch unser Urteil! In einem kleinen vierstöckigen Haus, das sich 1579 ein wohlhabender Braumeister an dieser Stelle bauen ließ, findet man Moderne Kunst neben formschönen Einrichtungs-Klassikern. Das kleine Hotel im Wasserviertel beherbergt in 16 hübschen Zimmern glückliche Gäste. Was hier in 450 Jahren wohl los ist? DZ ab 142 Euro/Nacht. Lünertorstraße 3 www.hoteleinzigartig.de 

Bergtröm
Wassermühlen, Speichergebäude und ein Wasserturm aus dem Mittelalter sind locker um den alten Stadthafen herum verteilt und gehören allesamt zum Hotel. entsprechend individuell sind die Zimmer. Bezaubernd: das kleine SPA-Häuschen auf der Mühleninsel mitten in der Ilmenau. DZ ab 149 Euro/Nacht. Super Frühstück für 15 Euro! Bei der Lüner Mühle www.bergstroem.de 

Zehn Tipps für den Kaiserstuhl: Rebenbummler und Achterbahnrausch

Man sieht es: eine Region für Genießer! Alles voller Weinberge. Und wo der Wein gemacht wird, ist auch das gute Essen nie weit. Über diesen Hügeln am Rande des Schwarzwalds strahlen mehr Michelin-Sterne, als in mancher Großstadt.


Erleben

Wein, Wein, Wein
Anfang September geht's los: Die Winzer servieren deftige Kost und frischen Wein direkt am Hof. Die Straußenwirtschaften werden auch Besen genannt und an einem eben solchen - an der Straße stehend - sind sie zu erkennen. Vorbeigehen zwecklos! www.kaiserstuhl.eu 

Rebenbummler
Rollende Weinprobe: mit der Bimmelbahn ab Bahnhof Riegel durch die Weinberge, kredenzt wird immer ein Glas von dem Hang, an dem man sich gerade befindet. www.rebenbummler.de 

Wandern
Über den 22 Kilometer langen Kaiserstuhlpfad ab Endingen über den Berg Totenkopf bis Ihringen, durch Lösshohlwege, entstanden in der letzten Eiszeit. Dort verbringt der afrikanische Bienenfresser seinen Sommer. schwarzwald-tourismus.info 

Naturzentrum
Tolle Ideen für Familien mit Kindern. Zum Beispiel eine Nacht im Wald verbringen und den vielen Stimmen der Nacht lauschen! Bachenstraße 42, 79241 Ihringen naturzentrum-kaiserstuhl.de 

Europapark Rust
Immer was los hier: Der Freizeitpark wird 40. Zwischen Märchenturm und Dino-Karussell lauter Kinder im Abenteuer-Rausch! Europa-Park-Straße 2, 77977 Rust www.europapark.de 

Zum Mitbringen
Walnusstorte, Kaiserstühler Kirschwasser, Kräuter, edelbrände auf Höfen und online: www.naturgarten-kaiserstuhl.de 


Schlafen

Gasthaus zum Kaiserstuhl
Klassiker: Lothar Koch (!) kocht in seiner winzigen Küche mit Blumen und Kräutern aus dem eigenem Garten. Ehefrau Walburga umsorgt die Gäste. DZ mit Frühstück 83 euro/Nacht. Niederrotweil 4, 79235 Vogtsburg-Niederrotweil www.gasthaus-zum-kaiserstuhl.de 

Siebter Himmel
Die Appartements im 300 Jahre alten Bürgermeisterhaus sind liebevoll ausgestattet. Auf der Terrasse unter der alten Linde sitzt man wie? Im 7. Himmel! 35 Euro pro Person. Mittelstadt 3, 79235 Vogtsberg-Burkheim www.siebter-himmel.eu 


Essen

Köpfers Gasthaus zur Sonne
In der Familie Köpfer ist das Gastgeben schon lange gute Sitte. Und nun in zwei Orten: der Traditionsbetrieb Zur Sonne in Schelingen mit badischer Spezialitäten-Küche. Brägele? Wurstsalat? Hierher: Mitteldorf 5, 79235 Vogtsburg-Schelingen. Neu zwei Dörfer weiter am Weinberg "Bischoffinger Steinbuck" mit einem schmucken Hotel: Steinbuckstraße 20, 79235 Vogtsburg-Bischoffingen koepfers-steinbuck.de 

Winzerhaus Rebstock
Gleich gegenüber dem Michelin-besternten Schwarzen Adler hat Spitzengastronom Franz Keller sein Winzerhaus stehen. Formidable badisch-elsässische Hausmannskost, Prädikatsweine aus dem eigenen Haus dazu. Noch ein Glas an den blankgescheuerten Holztischen im Innenhof oder im "Stall" und man mag gar nicht ans Gehen denken. Badbergstraße 22, 79235 Vogtsburg-Oberbergen www.franz-keller.de 

Zehn Tipps für Quedlinburg: Erst kam Clooney, jetzt wollen alle

Erst wollte keiner hin. Dann kam George Clooney, der Hollywood-Star. Jetzt wollen alle. Das Städtchen am Harzrand, seit 1994 Welterebe der Unesco, muss man mal gesehen haben.


Erleben

Münzenberg
88 Treppenstufen, dann die Belohnung. Vom Münzenberg eröffnet sich der einzigartige und auch schönste Blick auf Quedlinburg und seinen spektakulären Schlossberg samt imposanter Stiftskirche, gemeinsam das Wahrzeichen der Stadt, deren aufwendig saniertes Fachwerk von der UNeSCO zu Recht zum Weltkulturerbe gemacht worden ist. Münzenberg 1 www.muenzenberg.info 

Klopstockhaus
Mit Kultur hat es die Stadt nicht erst, seitdem Friedrich Gottlieb Klopstock (1724 - 1803) in diesem Haus geboren wurde. Ihm, einem der bedeutendsten Dichter der Aufklärung, verdanken wir Zitate wie: "Die Schönheit, zu welcher sich die Seele gestalten kann, wird sichtbar im Auge des geistigen Menschen." Regelmäßig interessante Ausstellungen für Menschen, die ihrem Geist etwas Gutes tun möchten. Schlossberg 12 www.quedlinburg.de 

Feininger Museum
Unbedingt besuchen! Feininger (1871 - 1956) gilt, verbunden mit Gropius' Bauhaus, als einer der bedeutendsten Vertreter der klassischen Moderne. Andere Werke stammen von Corinth, Kandinsky, Nolde und Klee, ganzjährig (außer dienstags) zu sehen. Sc hlossberg 1 1 www.feininger-galerie.de 

Abteigarten
Die Stadt war einmal weltweit für Saatgut bekannt. Gesät wird wieder unterhalb des Schlossbergs. Mittwochs und sonnabends gibt es dortige Kräuter und Saatgut auf dem Marktplatz. Am Abteigarten www.saat-24.de 


Essen

Brauhaus Lüdde
Hörbaren Erfolg hat die über 200 Jahre alte Brauerei mit dem Schwarzbier Knuttenforz und dem Braunbier (!) Pubarschknall. Dazu gibt es deftige Harzer Brotzeit mit Harzer, Zwiebel und Schmalz. Na dann gute Nacht, Marie. Schlafen im Brauhaus Hotel um die ecke. DZ ab 89 euro/Nacht. Blasiistraße 1 4 www.hotel-brauhaus-luedde.de 

Frau Schnittchen
Selbstgemacht, hausgebacken, klitzeklein. Nomen est omen, Frau Schnittchen ist ein solches und serviert Törtchen, Brote und höchst anständigen Kaffee. Mittags gibt's einen Teller Selbstgekochtes. ehrensache. Sc hlossberg 2 9 www.frauschnittchen.de 

Schiller's
Extrem nettes Team, leckeres Essen nach dem gelebten Motto "Du bist, was du isst", Tische auf dem Trottoir und ein gewisser Coolness-Faktor ist auch dabei. Gutes Frühstück. Unsere erste Wahl. Kaffeeliebhaber treffen hier außerdem auf Gleichgesinnte. L a nge Gasse 32 www.schillers-quedlinburg.de 

Café Vincent
Hier gibt es Käsekuchen. Und zwar nur Käsekuchen. Dauernd frisch kommt das personifizierte Hüftgold aus der eigenen Bäckerei. Ein Stück ist Quedlinburger Pflicht, zwei sind aber auch fast unmöglich. Schlossberg 13 www.kaesekuchenbaeckerei.de 


Schlafen

Hotel Domschatz
Viele wohnen - zu Recht - im schönen und berühmten Theophano am historischen Marktplatz. Aber das kleinste, so liebevolle Fachwerkhaus mit dem unsagbar großen Herz der Inhaberin Jana Schinkel steht mit nur 16 schmucken Zimmern in romantischer Lage unterm Schlossberg. DZ ab 59 Euro/Nacht inklusive leckerem Frühstück. W-Lan ist kostenlos. Mehr geht nicht. Mühlenstraße 2 0 www.hotel-domschatz.de 

Pension Nikolai
Wohnen im Welterbe. Vis-à-vis der Nikolaikirche. erbaut 1637 während des 30-jährigen Kriegs, gibt es hier steile Stiegen, alte Balken und originalgetreu restaurierte Fenster. Die besten Steaks der Altstadt gibt es gleich im Hinterhof - wie praktisch! DZ ab 52 Euro oder Ferienwohnung ab 50 euro/Tag. P ölkenstraße 2 2 www.pension-nikolai.de 

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