Samstag, 20. April 2019

Kreuzfahrten für Geeks Urlaub unter Deck

Geek Cruise: Der beste Platz ist unter Deck
Gregor Streiber

Themenkreuzfahrten sind en vogue, es gibt sie für Heavy-Metal-Fans und für Fkk-Freunde. Ein kalifornischer Veranstalter bietet etwas wirklich Besonderes: Cruises für Nerds und Geeks. Der beliebteste Platz auf dem Schiff ist unter Deck, dort, wo die Internetverbindung am stabilsten ist.

Atlantik - Auf einem Kreuzfahrtschiff kann man heutzutage so ziemlich alles sein: Spock-ohriger Trekkie, Elvis im Samtanzug oder splitterfasernackt. Themenkreuzfahrten sind beliebter denn je, bieten sie doch selbst der kleinsten Nische noch genug Raum für Entfaltung. Schokoladenliebhaber reisen zu den Ursprüngen der Kakaobohne, Motorradfans lassen sich und ihre Maschinen nach Patagonien schippern.

Nischen-Kreuzfahrer frönen ihrer Leidenschaft auf dem Sonnendeck des Lebens. Doch nicht alle wollen dabei stundenlang im Liegestuhl fläzen und die Nase in den Wind halten. Die Kreuzfahrer, die mit dem kalifornischen Veranstalter Insight Cruises auf eine "Geek-Tour" gehen, sucht man an Bord am besten dort, wo die mobile Internetverbindung des Schiffs am stabilsten ist.

Auf der MS Veendam ist dieser Ort die Bibliothek. Das Schiff der Holland-America-Line ist auf dem Weg zu den Bermuda-Inseln. An Bord des mittelgroßen Schiffs sind mehr als 1200 Passagiere, die meisten von ihnen amerikanische Rentner, die für den siebentägigen Ausflug von New York zu den Koralleninseln im Atlantik rund 800 Euro bezahlt haben.

Die 200 mitreisenden "Geeks" haben noch einmal 1000 Euro draufgelegt, um eine Woche lang Urlaub unter Deck zu machen. Sie besuchen Computer-Seminare. 30 IT-Kurse werden angeboten. Zur Auswahl stehen Themen wie "Auf und davon mit Cloud-Computing" oder "In die hintersten Winkel von MAC OS".

Zu jeder Tages- und Nachtzeit sitzen die iFans am Rechner

Unter den übrigen Schiffsgästen sind die Computerbegeisterten leicht zu auszumachen: Wo immer sie auftauchen, tragen sie einen Laptop unter dem Arm, vorzugsweise mit angebissenem Apfel drauf. Schließlich heißt die Themenfahrt "MacMania". Lieblingsort der iFans ist die Bibliothek. Dort klappen sie zu jeder Tages- und Nachtzeit die Rechner auf und surfen durch digitale Welten, wohlig gewiegt vom realen Seegang. Die starre Horizontlinie der Bildschirme und das ewige Schaukeln scheint ihnen nichts auszumachen. Kein seekranker Geek in Sicht.

Das Wort von der "Geek"-Kreuzfahrt hört Insight Cruises Chef Neil Bauman eigentlich gar nicht so gern. Der agile Endfünfziger besteht darauf, dass "seine Leute" keine "Geeks" seien - auf gut Deutsch Computerfreaks, aber auch Streber oder Fachidioten. Googelt man allerdings den Begriff Geek Cruise landet man sofort auf Baumans Seite.

Klar seien sie alle irgendwie "nerdig", gibt Bauman zu, hätten Spaß an Hard- und Software und seien immer auf der Suche nach den neuesten digitalen Erfindungen. Der große Unterschied sei aber, dass es diesen Geeks nicht um das "Habenwollen" und um das "Gadget" ginge, sondern um die intellektuelle Herausforderung. "Hier geht es ums Lernen. Das sind alles unglaublich helle Köpfe", schwärmt Neil Bauman von den Teilnehmern seiner Reise.

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