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Urlaub: Die Suche nach dem ewigen Frühling

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Kreuzfahrt durch die Kanaren Mitten im Blütenmeer

Von Michael Zehender

Las Palmas - Insel des ewigen Frühlings - so nennt sich nicht nur Madeira. Auch die Kanaren tragen diesen Beinahmen. Was liegt da näher, als dem tristen Wintergrau in Deutschland zu entfliehen? Ganz so einfach ist der Frühling auf einer Kanarenkreuzfahrt aber doch nicht zu finden.

Die "Mein Schiff 3" schaukelt ganz ordentlich auf den Wellen des Atlantiks irgendwo zwischen Gran Canaria und Madeira. Bei drei bis vier Metern hohen Wellen helfen auch die modernsten Stabilisatoren nichts. Kapitän Dimitris Papatsatsis hat aber schon ganz anderes überstanden. Neben einem Piratenüberfall auf einem Frachtschiff trieb er auch schon einmal mit Maschinenschaden in 13 Meter hohen Wellen. "Seekrank bin ich nur, wenn ich nicht auf See bin", sagt der Hamburger mit griechischen Wurzeln. Einigen Passagieren ist es dennoch etwas flau im Magen - "aber der Atlantik im Winter ist eben mitunter rau", wie Papatsatsis sagt.

Blütenpracht: Madeira heißt nicht umsonst "Blumeninsel"

Blütenpracht: Madeira heißt nicht umsonst "Blumeninsel"

Foto: TMN / Turismo de Portugal

Vom so viel gepriesenen ewigen Frühling auf den Kanaren und Madeira war auch beim Ablegen am Abend zuvor auf Gran Canaria wenig zu sehen: Zur Auslaufmelodie "Große Freiheit" von Unheilig fängt es kräftig an zu regnen, auch beim Willkommenssekt auf dem Pooldeck verkriechen sich die meisten Passagiere unters Dach.

Kanaren-Kreuzfahrt

Nach dem ersten Seetag bietet sich auf Madeira ein ganz anderes Bild - obwohl der Schiffswetterbericht noch leichten Regen vorausgesagt hatte, strahlt die Sonne satt vom Himmel. Ist also doch was dran, am Beinamen "Insel des ewigen Frühlings"? Es scheint so. Und auch ihrem zweiten Beinamen "Blumeninsel" macht Madeira alle Ehre. Überall in den Parks der Hauptstadt Funchal liegen riesige Blütenmeere.

Abfahrt im Korbschlitten

Die Hauptblütezeit ist im Mai. Für die Besucher vom europäischen Festland ist die Blütenpracht nach den kargen und grauen Wintermonaten geradezu überwältigend. Besonders eindrucksvoll ist diese im Jardim Tropical Monte Palace. Dorthin führt die Besucher eine eindrucksvolle Fahrt mit der Seilbahn. Der Blick fällt während der rund zehn Minuten in der Gondel über die Stadt Funchal.

Rasante Fahrt: In Korbschlitten geht es in Funchal ins Tal.

Rasante Fahrt: In Korbschlitten geht es in Funchal ins Tal.

Foto: TMN / Turismo de Portugal

Für den Rückweg bieten sich - neben der Seilbahn - ganz besondere Verkehrsmittel an: Korbschlitten. In rasanter Fahrt geht es durch die Straßen bergab. Gelenkt und angeschoben werden die Schlitten von zwei Herren mit Lederstiefeln und weißen Hüten. Die Korbschlittenfahrt geht auf einen Geschäftsmann aus dem 19. Jahrhundert zurück, dem der Fußmarsch hinunter in die Stadt zu mühsam war. Statt der üblichen Sänften nutzte er einen Schlitten - das war auch für die Träger deutlich entspannter.

Auf La Palma, der zweiten Station der einwöchigen Kreuzfahrt, hat sich der Frühling wieder verkrochen. Der Ausflug zum Strand Los Cancajos beginnt mit Nieselregen. Eine einsame Familie sucht Schutz unter einem der Bastsonnenschirme. Die Kinder scheint der Regen nicht zu stören, sie buddeln eifrig im schwarzen Sand. Alle anderen Ausflugsteilnehmer haben sich ins Innere der einzigen geöffneten Strandbar verzogen. Den Besitzer freut es.

Frühling pur, aber nur wenn das Wetter mitspielt

Zum Glück bietet die "Mein Schiff 3" für nicht so gutes Wetter reichlich Abwechslung: Egal ob der Küchenmeister gerade vor Passagieren einen riesigen Thunfisch zerlegt, die Gäste im Spa entspannen, im Klanghaus klassischen Melodien lauschen oder im Steakhouse "Surf & Turf" einen Churrasco-Abend genießen.

Blauer Himmel und Wolken: Auf La Palma ist der Frühling noch nicht richtig angekommen.

Blauer Himmel und Wolken: Auf La Palma ist der Frühling noch nicht richtig angekommen.

Foto: TMN

Nächster Versuch mit dem Frühling am folgenden Tag auf Teneriffa. Der morgendliche Blick aus dem Kabinenfenster auf den Teide bringt Ernüchterung. Der Gipfel des mit 3718 Metern höchsten Berg Spaniens zeigt sich schneebedeckt. Immer wieder ziehen dicke Wolkenpakete um die Spitze des Vulkans. Dann doch lieber in den bekannten Loro Parque, wo sich zahlreiche Familien von den vier Kreuzfahrtschiffen treffen, die an diesem Tag im Hafen von Santa Cruz liegen.

Fast schon Sommer statt Frühling: Beim Ausflug zu den Sandstränden von Corralejo auf Fuerteventura brennt die Sonne.

Fast schon Sommer statt Frühling: Beim Ausflug zu den Sandstränden von Corralejo auf Fuerteventura brennt die Sonne.

Foto: TMN

Eine Chance hat der Frühling noch: auf Fuerteventura. Und die nutzt er. Am frühen Morgen beim Einlaufen in Puerto del Rosario geht der Blick noch etwas skeptisch in den wolkenverhangenen Himmel. Doch auf der Fahrt zu den endlosen Sandstränden von Corralejo reißt der Himmel auf. Fortan brennt die Sonne - zusammen mit dem kräftigen Wind und recht kühlen Temperaturen eine gefährliche Kombination: Beim Abendessen sieht man viele vom Sonnenbrand leuchtend rote Köpfe.

Was jetzt noch schmerzhaft ist, dürfte so manchen Kollegen in der Heimat neidisch machen. Am Flughafen in Deutschland erwartet die Urlauber Schneeregen und Sturm - da war der nicht ganz so perfekte Frühling auf den Kanaren doch deutlich schöner.

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