Samstag, 21. September 2019

Deutschland-Urlaub Hoch hinaus in der Sächsischen Schweiz

Sächsische Schweiz: Der Weg nach oben lohnt sich
Philipp Zieger/Tourismusverband Sächsische Schweiz e.V./dpa-tmn

Steil ragen die Sandsteinwände am Fuße des 90 Meter hohen Bloßstocks empor. Skeptisch tasten die Augen die Eisenklammern ab, die den benachbarten Felsen hinaufführen. Ein Schild warnt ungeübte Bergsteiger. Sicher ist die Häntzschelstiege nicht der einfachste Weg auf die sogenannten Affensteine in der Sächsischen Schweiz, einem beliebten Reiseziel in Deutschland - aber einer der spannendsten.

Oben angekommen, belohnt ein Rastplatz mit einem tollen Panorama den ins Schwitzen gekommenen Wanderer. Der Blick von der Felskuppe schweift von der Brosinnadel auf der einen bis zum Kuhstall-Felsentor auf der anderen Seite. Dazwischen ragen kleinere Felsen aus dem dichten Mischwald des ruhigen Tals.

Doch das war nur die erste Hälfte des Weges. Im oberen Teil des Klettersteigs führen Metallleitern und Klammern einen Kamin hinauf, man quert in luftiger Höhe und gelangt schließlich auf das obere Plateau der Affensteine. Nach dem viertelstündigen Aufstieg öffnet sich nun ein beeindruckendes Panorama.

In 160 Metern Höhe über dem Einstieg des Klettersteigs befindet man sich in einer eigenen Vegetationszone, dem Fels-Riff-Kiefernwald. Die Bäume trotzen den Winden durch ein breites Wurzelwerk und Drehwuchs. Am Boden breiten sich Heidekraut, Blaubeeren und Becherflechten aus. Für Menschen schwer zugänglich, konnte die Naturlandschaft hier oben ihren wildwüchsigen Charakter bewahren. Immer wieder gelangt man über einen Bergpfad zu Aussichtsplätzen, die den Blick in den Heringsgrund freigeben. Nach einem kurzen Abstieg gelangt man am Frienstein zu einer beeindruckenden Klufthöhle, der Idagrotte.

Der Rückweg führt über den Carolafelsen mit Aussicht auf die Gipfel des Domwächters und der Rohnspitze. Einige Fotografen haben sich eingefunden, um die Felslandschaft im Sonnenuntergang festzuhalten. Ohne Stirnlampe ist man aber gut beraten, rechtzeitig den Rückweg anzutreten. Der führt durch die mit Gesteinsquadern übersäte Wilde Hölle und wird im unteren Teil zu einem Klettersteig.

Am Folgetag startet die Tour in Rathen. In den Schluchten rund um den Amselsee ist es kühl und feucht. Man läuft durch einen Bergmischwald aus Buchen, Fichten und Eschen mit vielen Moos-, Algen- und Farnarten. "Die starke Zergliederung in Tafelberge, Ebenen und tiefe Schluchten auf kleinstem Raum ist eine Besonderheit, die den landschaftlichen Reiz unseres Nationalparks ausmacht", sagt Sprecher Hanspeter Mayr. So entwickelten sich innerhalb des Nationalparks Sächsische Schweiz die unterschiedlichsten, stockwerkartig angeordneten Biotope.

In den Schwedenlöchern führt ein wildromantischer Wanderweg durch ein Labyrinth von abgebrochenen Steinblöcken und engen Felsspalten. Hier herrscht ein regelrechtes Kellerklima. Viele der 23 Farn-, 250 Flechten- und 400 Moosarten des Nationalparks gedeihen hier.

Im Park konnten auch seltene Tierarten wie Gämse, Mufflons und Wanderfalken wieder angesiedelt werden. Eulen, Spechte, Schwarzstörche und Eisvögel, Rotwild, Steinmarder, Fischotter und Siebenschläfer fühlen sich in den unterschiedlichen Lebensräumen wohl. Sie leben in einem Gebiet, durch das 400 Kilometer Wanderwege führen. Pro Jahr kommen drei Millionen Tagesgäste in den Park - wobei aber etwa die Hälfte nur die barrierefreie Bastei aufsucht.

Michael Juhran, dpa

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung